Stephan Rumpf / Stephan Rumpf

Eine Boazn auf Amerikanisch

Spät Versumpfen und Live-Musik vom Chef: Das Maxe Belle Spitz an der Sonnenstraße biedert sich nicht dem zahlungskräftigen Schampus-Publikum an.

Nein, es gibt keinen seltsamen Retro-Trend zum Watten. Für Nicht-Bayern: Das ist ein Kartenspiel. Und der Name der neuen Musik-Bar “Maxe Belle Spitz” an der Sonnenstraße bezeichnet die drei Kritischen, also die drei Haupttrümpfe dieses Spiels.

Dass jemand den Laden mit dem “Trumpf oder Kritisch” in Schwabing verwechselt, dürfte nicht passieren: Das ist ein Wirtshaus – das Maxe Belle Spitz dagegen ein Treffpunkt für Nachtschwärmer und Freunde von Live-Musik verschiedener Art – von Jazz bis Rock und DJ-Acts. Was den Gast erwartet, lässt sich schon draußen erahnen. Die Stones-Zeile “It’s only Rock’ n’ Roll But I like it” an der Glasfront sagt es: Hier dreht sich alles um Musik.

Und Geschäftsführer Max Keller (sein Vorname stand Pate für den ungewöhnlichen Namen der Bar) ist eh auch Musiker, das passt ja zusammen. Drinnen schaut es im Gegensatz zum Café Cord, von dem das Maxe Belle Spitz abgezweigt wurde und dessen Betreiber Christian Dengler und Aleks Vulic die Geschäftspartner von Max Keller sind, ein bisschen boazig aus. Dunkle Wände, an denen Geweihe hängen, vor dem Vorhang ein Bild vom Kine Ludwig II., an der Decke eine Art postmoderne Lüftlmalerei.

Und natürlich gedämpftes Licht – man kommt ja nicht zum Lesen her. Dafür gibt es Disco-Kugeln, Stumpenkerzen, Holzlook und die drei Kritischen zu sehen, die über der Bar an die Wand genagelt sind.

Ein Besuch an einem Dienstagabend: Gerade spielen die Maxe Belle Spitz Allstars Rock-Klassiker mit Max Keller am Bass. Es ist laut, einigermaßen voll und vor allem stimmungsvoll, was der Musik geschuldet ist. Fehlt eigentlich nur noch, dass es verraucht ist, aber die Zeiten sind nun mal vorbei. Also hält man sich ans Trinken. Die Halbe Tegernseer (auf Wunsch aus dem Steinkrug) kostet 3,60 Euro, zum Lokalkolorit tragen auch die Münchner Limonaden von Eizbach bei, für die man 3,20 Euro je 0,33-Flascherl hinlegt.

Eine Bar nicht nur fürs Schampus-Publikum

Und wer auf Longdrinks nicht verzichten will, bekommt solche ab 9,50 Euro. Für elf Euro steht sogar der Boazn-Klassiker Jacky-Cola auf der kleinen Karte. Mei, gehört halt dazu, wenn man sich “Dive-Bar” nennt, wie Amerikaner zu einer Boazn sagen würden. Aber gut: Es ist ja mal ganz angenehm, wenn neue Kneipen sich nicht dem Schampus-Publikum anbiedern. Das wüsste auch gar nicht, was ein Rüscherl ist oder eine Goaßn-Hoibe. Dieses Zeug, das im Mixology- und Edeldrink-Zeitalter weitgehend nur noch in Vorstadt-Absturzkneipen zu finden ist, gibt’s im Maxe Belle Spitz selbstverständlich auch.

Abtauchen in der Dive-Bar mit Schädel-Risiko am nächsten Tag: Wer das sucht und noch dazu Live-Atmosphäre zu schätzen weiß, ist im Maxe Belle Spitz gut aufgehoben. Ein bisschen Kondition sollte man allerdings mitbringen. Der Laden macht offiziell erst um 22 Uhr auf, manchmal auch schon etwas früher. Dafür muss man sich bis 3 Uhr morgens nichts anderes mehr suchen.