Eine liebenswerte Mischung aus Tradition und exotischem Krimskrams

Das “Laimers” will ein Wirtshaus für jeden Geschmack sein. Teilweise funktioniert das gut.

Was man unter einer Promenadenmischung versteht, weiß wohl jeder. In Bayern wird so ein Hund als Stiangglanda-Rass (Treppengeländer-Rasse) bezeichnet, wie dieser Tage auch in der Zeitung zu lesen war. Diese Mischlinge gelten meist als robust, fröhlich und anhänglich. Liebenswert sind sie, wenigstens nach Meinung der Hundefreunde, auf jeden Fall. Wie kommt man jetzt vom Hund auf ein Wirtshaus, schlimmstenfalls geht das doch eher anders herum? Das Wirtshaus Laimers ist jedenfalls so ein mopsgedackelter Windhund: altes Gebäude, viel junges Volk, drinnen oft sehr laut; ruhiger, wunderschöner Biergarten, schicke Bar, auf den Speisekarten ein wildes Durcheinander von Schweinebraten, Burgern, Obatzdn, “Bowls”, Currys und, und, und. Das Verblüffende ist, dass genau dieses Durcheinander den seltsamen Charme des Lokals ausmacht, dem nicht nur junge Leute etwas abzugewinnen scheinen, sondern auch ältere und alte – eine liebenswerte Mischung.

Nun ist es nicht so, dass im Laimers alles Freude und Eierkuchen ist. Der getestete “Cheese Bacon Burger” beispielsweise barg unter den Brotkissen geschmacklose Tomatenscheiben und ebensolchen Eisbergsalat, viele Zwiebelringe, laschen Bacon statt kross gebratenen, sowie eine Käsescheibe, die fest am oberen Kissen klebte. Das Fleisch war aber sehr gut und saftig (12,70 Euro). Und die Pommes dazu waren die besten seit sehr langer Zeit. “Wir braten unsere Burger medium”, heißt es jedoch in der Speisekarte, will sagen: Widerstand zwecklos.

Neben den Burgern sind die verschiedenen “Buddha Bowls” sehr beliebt, die vegetarisch, aber auch vegan angeboten werden, wahlweise können dazu Fleischstreifen, Garnelen oder Pilze geordert werden. Die halbkugeligen Holzschüsseln sind angefüllt mit allerlei Salat, Gemüse, Samen, Nüssen, Kräutern und Beeren, von denen der konservative Wirtshausgeher teilweise nicht einmal die Namen kennt. Das sieht alles sehr frisch aus und schmeckt auch gut, allerdings kippen die Bowls leicht, wenn man darin etwas schneiden will (11,80 bis 13,20). Beim Ziegenkäse-Bowl – Rote Beete, Walnüsse, Honig, Rucola, Couscous und ein großes Stück gratinierter Ziegenkäse – sammelte sich zum Schluss der überreichliche Couscous zu einer ziemlichen Pampe.

Unter “Klassiker & Fleisch” wieder eine bunte Mischung: Schweinebraten neben Thai-Curry, Breznschnitzel neben “Steak & Fries”, Fleischpflanzerl neben einer Kreation namens “Honolulu smoked Salmon Poke”. Letzteres war ein Räucherlachstartar gemischt mit Couscous in Törtchenform, darum herum Erdnüsse, kandierter Ingwer, allerlei exotischer Krimskrams, alles ganz ansprechend, aber der Lachs ging ziemlich unter (14,90). Das Breznschnitzel vom Schwein sah appetitlich aus und war oben auch rösch, aber die beiden großen Stücke lagen in einem See von Preiselbeersauce, ebenfalls die Spätzle. Diese Sauce durchweichte nicht nur die Panade, sie war auch so dominierend, dass jeder andere Geschmack baden ging (13,90).

Die beiden Kalbfleischpflanzerl, saftig und aus gutem Hack, waren leider sehr wenig gewürzt und kaum gesalzen, seltsamerweise eines etwas mehr, das andere fast gar nicht (10,90). Auch am Nebentisch wurde heftig nachgesalzen. Täglich von 12 Uhr an gibt es ofenfrischen Schweinsbraten, aber nur, solange der Vorrat reicht. Das klingt sehr vertrauenserweckend. Die zwei großen Schnitten Fleisch waren zwar etwas trocken, aber die Dunkelbiersauce, die kleinen Kartoffelknödel, der Krautsalat und die extra gegrillte, rösche Schwarte, die beim Reinbeißen richtig zerfiel, rechtfertigten den Vertrauensvorschuss (11,80). An der panierten Milzwurst mit Kartoffel-Rucola-Salat und hausgemachter Remoulade, die ebenfalls mittags angeboten wurde, gab es nichts zu meckern (7,80). Weil die Portionen allgemein recht üppig ausfallen, blieb einiges auf den Tellern zurück. Die Bedienung fragte von sich aus, ob sie die Reste einpacken sollte. Es wäre gut, wenn sich dieser Brauch wieder allgemein einbürgern würde. Von den sehr guten, gegrillten Steinpilzen mit Rösti und den Rahmpfifferlingen mit Tagliatelle blieb allerdings nichts übrig, obwohl den Pfifferlingen wieder Salz fehlte. Besser so, als versalzen (15,20 und 14,90). Der fruchtige, leicht pfeffrige Grüne Veltliner war eine gute Begleitung (0,2 Liter 4,30). Weißbier kostet 4,40 Euro, der halbe Liter Gerolsteiner 4,30 Euro, wie üblich zu viel.

Neben der Standard- und der Wochenkarte gibt es auch eine ellenlange Frühstückskarte, die von 4,50 bis 12,80 Euro alles bietet, was das Herz begehrt, und das von 10 bis 15 Uhr! Wenn die warme Küche Feierabend macht, kann der hungrige Gast noch verschiedene Flammkuchen bekommen. Das ist besonders praktisch für Kinobesucher, die zu spät für den normalen Küchenbetrieb aus dem Filmkunstkino Rex kommen. Dieses hat über dem Lokal seinen Saal.