Lokal "Burger & Lobster Bank" in München, 2015, Stephan Rumpf

Eine Schicki-Bude für Entspannte

“Passt alles, gell, Bussi”: Die BLB in der Prannerstraße ist gerade sehr angesagt – und überzeugt mit tollen Burgern.

Das grüne Monster kommt genau zum richtigen Zeitpunkt auf den Tisch. “The Hulk” erscheint in seiner ganzen Pracht, als drei extrem dünne, sehr langbeinige Damen in nahezu identischen schwarzen Lederjacken vom Ober am Tisch vorbeieskortiert werden.

The Hulk ist hier, in der Burger & Lobster Bank, nämlich ein Low-Carb-Burger. Ein Burger ohne Brot. Ohne böse Kohlenhydrate. Ein kunstvoll aufgetürmter halber Eisbergsalat tut so, als ob er eine Burger-Semmel sei. Die Form stimmt perfekt. Auf die Kundschaft ist das ideal zugeschnitten, wenn man das mal so sagen darf.

Um ja nicht ein paar Gramm zuzunehmen, muss man diesen Burger nicht nur aus der Ferne anhimmeln. Man darf herzhaft reinbeißen, und das macht sogar richtig Freude. Denn der Hulk mit einer feinen grünen Schicht Avocadocreme schmeckt klasse. Und das zu einem bezahlbaren Preis, nämlich 15,50 Euro.

Die BLB, wie es in großen Lettern auf der Fassade in der Prannerstraße, gleich hinter dem Bayerischen Hof, steht, ist ein sehr angesagtes Restaurant . Wer hier am Wochenende speisen und gesehen werden möchte, sollte drei bis vier Wochen vorher reservieren. Das BLB ist ein typisches Münchner Restaurant – wohlgemerkt nicht im bayerischen Wirtshaussinne. Es ist das, was Restaurant-Kritiker von außerhalb als Schickimicki-Bude bezeichnen würden.

Am frühen Abend am schönsten

Grundsätzlich ist das ein überholtes, blödes, vereinfachendes Etikett. Und in Wahrheit stimmt das beim BLB überhaupt nicht. Okay, Rosa Marín wurde in ihrem Voyeurismus nicht enttäuscht, als sie nach langfristiger Reservierung einen hübschen Holztisch zwischen graugetünchten Holzwänden unter silbernen Lüftungsrohren und Retro-Leuchtern bekam, und Heiner Lauterbach dort saß, und irgendwo auch die drei dünnen Hulk-Frauen mit den Lederjacken.

Passt also alles, gell, Bussi. Aber dieses Lokal ist trotz der Lage, Preis- und Publikumsklasse extrem entspannt. Sitzt man in den frühen Abendstunden dort, so um 18 Uhr (der Tisch wird ab 20.30 Uhr eh weitervergeben – das aber mit Ansage, was okay ist), kann es die BLB mit der Distinguiertheit und Entspanntheit aufnehmen, die anderen, wenigen Münchner Lokalitäten schon lange innewohnt, dem Schumann’s beispielsweise. Am frühen Abend ist es dort am schönsten.

Im Service arbeiten Profis

Die Burger & Lobster Bank hat ebenfalls eine sehr ansehnliche Bar mit ambitionierten, freundlichen Barkeepern. Die Inhaber und Kellner sind ebenso drauf. Sie wissen um ihren Status in der Stadt, lassen es aber nicht heraushängen.

Der Service ist außerordentlich höflich und persönlich, auch wenn Rosa Marín dann doch mitunter die Kellner nicht zu unterscheiden vermochte – die Kleiderordnung scheint hier so zu sein: schwarzes Hemd, dichter Bart, Tattoo reichlich, ach ja, mal hier und dort eine hochgekrempelte Hose über den Chucks hilft beim Unterscheiden.

Herrje, man lässt sich hier schnell von Äußerlichkeiten ablenken, darum schleunigst zum Wesentlichen: Lobster-Bisque im BLB-Style. Schaumig in einer angenehmen Schärfe kommt diese Suppe in einer hübschen gläsernen Soupiere daher, reichlich ausgelöste Hummerscheren schwimmen am Boden. Das Ganze für 9,50 Euro, das ist kein Abzockschuppen hier.

Der Kellner legte einem zuvor noch charmant den “Tomahawk” von der Tafel ans Herz. Dry-aged-Steak ist das, 1400 Gramm mit Riesenknochen für 125 Euro. Praktisch, wenn man einen Hund zu Hause hat und mit drei ausgehungerten Freunden am Tisch sitzt. Zu empfehlen zuvor: Piementos de Padron als Starter mit Meersalz und Parmesan (8,50), ganz tadellos in kleinen Schälchen gereicht.

Carpaccio mit grünem Spargel

Das Carpaccio (14,50) kam als übersichtliche Portion, mit knackigem, überbackenem grünem Spargel, der Rucola-Salat perfekt angemacht mit Grana-Spänen. Überhaupt können sie es hier mit den Salaten. Chefkoch ist Mario Ramsbacher, zuvor tätig im Tutzinger Hof in Starnberg.

Nach einem süffigen Schluck Acqua di Monaco, Mineralwasser, nun zum Hummer, einem der Namensgeber: Einen halben gegrillten Lobster gibt es mit Beilagensalat für 29,50 Euro, wahlweise in Kräutern sous-vide gegart. Der Gegrillte hinterließ keinen bleibenden Eindruck: Er war lauwarm, eine Art Mayonnaise geschmacklos anbei, er schmeckte faserig, labrig. Ganz klar nicht gegrillt, sondern gekocht und dann kurz auf den Grill gelegt.

Die Burger hingegen, die anderen Namensgeber, waren in den verschiedensten Variationen allesamt fantastisch. The BLB, Classic Burger, Lobster Cocktail, no cheese: 19 Euro. Sehr schön auch der Surf and Turf: 150 Gramm Rinderfilet mit einem halben gegrillten Lobster (49 Euro). Da spart man sich das Ticket nach Malibu, gell?

Ach, schön ist es im BLB. Einfach dasitzen, einen großstädtischen Hauch in München genießen, die stilvolle, coole, unprotzige Einrichtung bewundern, aus der sehr interessanten Weinkarte wählen, das tolle Ambiente genießen – und rechtzeitig gehen.

Das BLB hat open end, freitags und samstags kommt der DJ. Hier gibt es keine störende Nachbarn – München eben mal ganz anders als erwartet.