Einmal Frankreich und zurück, bitte!

Muscheln, Crêpes, Beaujolais primeur – wir hatten Lust auf französische Küche. Doch wohin in München, wenn man für ein Abendessen aus dem Land der Gourmets nicht viel ausgeben will?

Ganz München ist, gastronomisch gesehen, fest in der Hand von Italienern. Na ja, fast. Dicht gefolgt von Vietnamesen, Griechen und Thailändern. Ja sogar die Japaner haben in den vergangenen Jahren ziemlich aufgeholt. Will man jedoch franzöisch essen gehen, ist die Auswahl schon nicht mehr so groß.

Es gibt ein paar Lokale der gehobeneren Preisklasse, für den nicht so betuchten Liebhaber der französischen Küche wird es schon schwieriger. Wie gut, dass es da die Crêperie Cabus in der Maxvorstadt gibt.

Auf den ersten Blick wirkt das Cabus gar nicht wie ein Franzose. Nüchterne Ausstattung und viel zu helle Beleuchtung – das verströmt eher den Charme einer Kantine als der einer Crêperie. Doch dann, nachdem wir uns niedergelassen und den ersten Wein bestellt haben, beginnt die Schlichtheit des Restaurants allmählich zu gefallen. Das Publikum ist gemischt, hier ist jedes Alter zu finden. Der Stil der Gäste geht von lässig-sportiv bis puristisch-intellektuell.

Ein Blick auf die Karte offenbart, dass es hier vorwiegend Crêpes, Galettes und Salatvariationen gibt. Die typisch französischen Pfannkuchen heißen in der süßen Variante Crêpes, in der deftigen Galettes.

Die Auswahl ist groß: Da gibt es etwa das Galette “Florentine” mit Austernpilzen und Hähnchenfilet im Spinatbett (10,50 Euro) oder “Neptune” mit Rotbarschfilet, Tomaten und Paprika in Weißweinsoße (10,90 Euro). Die Gerichte werden eingebettet im Eierkuchen serviert.

Wer es lieber süß mag, kann beispielsweise zwischen dem Crêpe “Belle Hélene” mit Birne, Vanilleeis und Schokosauce (8 Euro) oder dem Crêpe “Corse” mit Maronencreme, Vanilleeis, Mandeln und Grand Manier (8,90 Euro) wählen.

Da gerade aber Muschelzeit ist und auf der Tageskarte frische Miesmuscheln in Weißweinsoße (11 Euro) zu finden sind, entscheiden wir uns dafür, sowie für einen Salat “Perigord” mit gebratener Entenbrust und Pfifferling-Soße (9,80 Euro).

Vorneweg gibt es eine Soup de Poisson (7,50 Euro). Alleine die Fischsuppe ist schon fast ein Hauptgericht, sie ist sehr opulent. Gereicht wird sie mit geriebenem Käse und Knoblauchbaguette. Schmeckt sehr gut, wobei der starke Knoblauchgeschmack des Brotes das Aroma der Suppe zu stark überdeckt. Besser also, das Brot wegzulassen.

Die Muscheln sind sehr frisch und in einer typischen Zwiebel-Weißwein-Marinade zubereitet – très français. Für Liebhaber von Meeresfrüchten genau das Richtige. Der Salat wird auf einem großen Teller serviert und ist üppig mit Ente und Pfifferlingen ausgestattet. Der besondere Pfiff fehlt hier, aber wer auf seine Figur achtet oder das Bedürfnis nach Vitaminen hat, ist damit sicherlich gut beraten.

Zum Essen trinken wir den vom Kellner empfohlenen Muscadet (0,2 Liter für 4,10 Euro), ein trockener, leicht fruchtiger Weißwein. Eine gute Wahl. Zum Nachtisch probieren wir noch das Crêpe Délicate. Es wird mit karamelisierten Äpfeln, gerösteten Mandeln und Vanilleeis serviert; am Tisch flambiert der Kellner das Dessert mit Calvados. Das Ganze ist eine kleine Show – und ein Hochgenuss.

Nach dem Dinieren kommen wir nicht umhin, den neuen “Beaujolais primeur”(0,2 Liter für 4,50 Euro) zu testen. Der junge Rotwein aus der Gegend um Lyon kommt traditionell am dritten Novemberdonnerstag in den Handel und wird nur wenige Wochen lang in den Restaurants serviert.

Diese Modeerscheinung ist in den vergangenen Jahren aus Frankreich zu uns herübergeschwappt. Der gerade erst gekelterte Rotwein ist leicht, fruchtig und wird gekühlt serviert.

Am Ende des Abends haben wir unseren ersten Eindruck fast vergessen. Die nüchterne, kühle Atmosphäre des Restaurants hat sich in einen gemütlichen Purismus verwandelt. Sei dahin gestellt, ob es am Charme des Kellners oder doch am Wein lag.