Im "RSVLT" im Lehel kann man bei schönem Wetter auch gemütlich draußen in der Abendsonne sitzen. (Foto: Stephan Rumpf)

Eine Bar ohne Aperol Spritz

Das “Roosevelt” heißt jetzt “RSVLT” – beim Betreiberwechsel musste es schnell gehen. Und das Lieblingsgetränk der Münchner steht nicht auf der Karte.

Der Thierschplatz im Lehel liegt in einer der teuersten Wohngegenden Münchens, aber er hat gar nichts Aufgedonnertes. Anders als am St.-Anna-Platz geht es hier eher ruhig und unaufgeregt zu. Dazu passt eine Bar, die seit zwei Jahrzehnten einfach dazugehört: das “Roosevelt”. Viel Patina, gedämpftes Licht, historische Ventilatoren, verlässlich gute Drinks und ein Name, der an Franklin Delano Roosevelt erinnerte, den US-Präsidenten, mit dem das Ende der Prohibition verbunden ist: Das war das Erfolgsgeheimnis dieser zuletzt etwas in die Jahre gekommenen Institution.

Nun gibt es seit April zwei neue Betreiber. Tobias Foellbach, zwölf Jahre lang Wirt im Tattenbach, und Ashni Shabla, der unter anderem das indische Restaurant Sitar betreibt, führen die Bar weiter, ohne gleich alles umzukrempeln. Ja, es gibt ein paar neue Barstühle und zwei eher volkstümliche Eckbänke, die Foellbach beim Flohmarkt erstanden hat, “damit die Leute bei uns etwas mehr zusammenrücken”. Aus dem alten Namen sind die Vokale herausgepurzelt, das “Roosevelt” heißt jetzt “RSVLT” – die Verkürzung ist, wie der ganze Umbau, ziemlich improvisiert und dem Umstand geschuldet, dass der Vorbesitzer darauf bestand, seine Namensrechte mitzunehmen.

“Alles musste schnell gehen”, erzählt Tobias Foellbach vergnügt, “da haben wir die Buchstaben mit dem Spachtel rausgekratzt”. Etwas heller, etwas jünger, etwas weniger streng wirkt das Lokal nach der Minimalkur, die in München eher unüblich ist: Häufig folgen Barprojekte in den angesagten Vierteln ja einem ausgefeilten Designkonzept, was zu hohen Investitionskosten und noch höheren Erwartungen führt, “doch dann hätten wir hier ein paar Monate erst mal dicht machen müssen”.

“Kommt rein, habt Spaß und geht glücklicher wieder raus”, so formuliert es der 28-jährige Barchef Simon Berg. Wobei man auch draußen an den Tischen in der Abendsonne sitzen kann. Bei Berg stehen die Klassiker auf der Karte, dazu ein Blueberry Wood oder eine Honey Bee mit Rosenhonig als Signature Drinks. Ansonsten leistet er auch mal Überzeugungsarbeit: Es gibt im “RSVLT” unterschiedliche Biersorten, aber keinen Aperol Spritz, was angesichts der Trinkgewohnheiten der Münchner geradezu kühn ist. “Ich finde, die Leute können ruhig mal was anderes probieren”, sagt er. Und der “Rinomato Sprizz” ist ja ein cooles Alternativgetränk für laue Nächte im Lehel.