"Es gibt einen wahren Pommeskrieg"

Christian Lehner, Wirt vom Parkcafé im Alten Botanischen Garten und von der Wirtschaft Das Bad, erklärt, warum der Neustart der Gastronomie nach der Zwangspause teilweise so langsam anlief.

Der Neustart der Gastronomie lief teilweise langsam an, für manche überraschend – so, als ob die Wirte sich nach einem halben Jahr Zwangspause extra noch Zeit ließen. Aber ein Lokal von einem Tag auf den anderen wieder aufzumachen, das ist gar nicht so einfach, manchmal sogar ganz unmöglich. Warum, das erzählt Christian Lehner, Wirt vom Parkcafé im Alten Botanischen Garten und von der Wirtschaft Das Bad an der Theresienwiese.

SZ: Herr Lehner, konnten Sie sich wenigstens ein bisschen ausruhen während dieser sechs Monate?

Christian Lehner: Und wie! Nein, im Ernst: Der Lockdown wurde nicht wirklich langweilig, wir haben im Parkcafé renoviert, was wir eigentlich schon seit 2019 geplant hatten. Aber unter Corona-Bedingungen hat das dann ganz eigene Abenteuer gebracht. Normalerweise bauen wir immer unter Zeitdruck um, mit sechs bis zehn Gewerken parallel. Alle Handwerker wursteln übereinander, untereinander, nebeneinander und diagonal. Geplant war, das Ganze in zweieinhalb Wochen zu erledigen, wir haben dann fünf Monate gebraucht. Jedes Gewerk wurde einzeln gemacht, mehr als zwei Handwerker der gleichen Firma waren nie gleichzeitig im Haus. Das war die ruhigste Baustelle meines Lebens.

Warum hat das so lange gedauert, Sie hatten doch keine störenden Gäste?

Die sich wöchentlich ändernden Richtlinien haben uns zum Beispiel immer wieder eingebremst: Der kroatische Handwerker etwa ist übers freie Wochenende zu seiner Familie heimgefahren, am Sonntag wurde Kroatien dann zum Risikogebiet heraufgestuft, und er musste zwei Wochen in Quarantäne. Alle anderen Projekte hinter ihm mussten wir dann natürlich verschieben. Da ist dann auch viel Lustiges passiert, bestellte Eisenträger sind nicht angekommen, solche Sachen halt.

Und wie war dann der Neustart?

Da ging's zum Teil gleich wieder richtig los!

Wir waren alle aus der Übung und mussten uns, gerade im Umgang mit der Technik, echt wieder neu aufstellen. Aktuell ist es wirklich cool, alle sind gemeinsam aus der Übung und lernen sich gegenseitig täglich neu an, alle machen mit, da wird dann echt viel gelacht, hinter den Kulissen machen wir manchen Schritt einfach drei- bis viermal. Die Gäste sind aber zum Großteil super und lachen einfach mit. Das ist wirklich klasse und macht wieder richtig Spaß.

Hat wenigstens die Technik funktioniert?

Pünktlich zum Restart platzten die Akkus der mobilen Kassen, bei der großen Hitze hat das wichtigste Kühlaggregat der Schankanlage aufgegeben, und wir arbeiteten mit einem Notaggregat – bei den Technikern ist natürlich auch Land unter. Es geht ja überall wieder los, und die Hitze tut ein Übriges. Die nächtlichen Gewitter haben für Wasser in der Außenelektrik gesorgt – natürlich fliegt jetzt den ganzen Tag der FI-Schalter raus, dann sucht man zwölf Außensteckdosen und mehr als 50 Lampen im Garten und am Haus ab. Lustig war jetzt die Tage bei den plötzlich einsetzenden Gewittern: Auf einmal kamen Gäste ins Restaurant! In die Innenräume! Nachdem wir die seit November letzten Jahres gefühlt nur für uns selbst hatten, war das irgendwie komisch. Man fühlt sich wie im eigenen Wohnzimmer und plötzlich kommt Besuch.

Haben Sie genügend Personal?

Wir haben leider wie andere Gastronomiebetriebe auch einige Kollegen in andere Branchen und zwei in Elternzeit verloren. Einige Mitarbeiter wollen zwar wieder, haben sich aber zwischenzeitlich anderweitig anstellen lassen und müssen noch Kündigungsfristen einhalten.

So etwas führt dann natürlich zu Verzögerungen beim Aufsperren.

Klar. Da ist die Politik immer sehr realitätsfremd. Am Freitag wird verkündet, dass wir alle am Montag aufsperren dürfen. Der Rattenschwanz, der da dranhängt, ist denen einfach nicht bewusst. Es ist ja nicht nur so, dass wir in Kurzarbeit waren, auch unsere Gemüselieferanten, die Brauereien, Metzger, Bäcker, Weinhändler, Kassentechniker, EC-Kartenabrechner, Hygieneartikeldienstleister, Putzfirma, Reinigung und so weiter müssen ihre Mitarbeiter erst mal wieder zurückholen.

Es gibt da auch Engpässe, oder?

Die Lieferanten müssen das Volumen von fünf Prozent auf Vollgas umstellen, die Ware muss in Lastwägen über den Brenner… Es ist gerade der Wahnsinn, was hier passiert. Da gibt es einen wahren Pommeskrieg, Eier sind zum Teil knapp, und bei Schweineschulter wird's tageweise auch eng. Eigentlich ein Wunder, dass überhaupt irgendwas funktioniert und die Küche nicht komplett kalt bleibt. Viele der Lieferanten haben auch aktuell Riesenprobleme, Kartonagen herzubekommen, hier haben wohl die Onlinegiganten den Markt bis in den Oktober hinein leergefegt.

Ist schon absehbar, dass die Normalität wieder zurückkehrt?

Langsam, aber sicher kommen die ersten Veranstaltungen und Gruppen, Tauffeiern und Hochzeiten rein, das ist ein Wahnsinnsgefühl. Im November dürfen wir einen großen runden Geburtstag ausrichten, für Weihnachten haben wir auch schon Ideen. Es geht voran!