Es gibt auch eine umfangreiche Speisekarte, aber in Wahrheit geht es im Restaurant Yumira nur um eines: Barbecue. (Foto: Stephan Rumpf)

Es gibt Fleisch, Baby

Das Yumira in Obersendling bietet zwar eine umfangreiche Speisekarte mit koreanischen und vielen vietnamesischen Gerichten. Doch in Wirklichkeit geht es nur um eins: Korean BBQ.

Letztlich ist der Mensch halt doch überall gleich. Marcelinus Sturm möchte sich auf seine alten Tage keineswegs der Profession der Prophetie verschreiben, aber in Einem ist er sich dann doch sicher: Vollständig durchsetzen werden sich die Veganer und die Vegetarier beim allesfressenden Tier namens Mensch nicht. Und der macht überall auf der Welt eines gerne: Er grillt. Und zwar meistens Fleisch.

In seiner ältesten Ausprägung lässt sich das jeden Sommer wieder in den Isarauen betrachten. Der neueste Münchner Trend aber heißt "Korean Barbecue". Gebürtige Koreaner dürften da verwundert den Kopf schütteln, denn in ihrer Heimat ist das eine althergebrachte, weit verbreitete Tradition: das gemeinsame Grillen von Rind, Schweinefleisch und Hühnchen rund um einen Grill. Und vereinzelt gab es das auch schon in abgespeckter Version in den koreanischen Lokalen der Stadt. Seit Januar bietet etwa das Fusion-Restaurant Mun auch eine Fine-Dining-Variante an. Küchenchef Mun Kim hat drei neue Köche aus Korea eingestellt, und die wollten was aus ihrer Heimat mitbringen.

Das Korean Barbecue zum Konzept erhoben hat aber das im vergangenen Oktober neu eröffnete Restaurant Yumira in Obersendling . Es verbirgt sich in einem nüchternen Gewerbebau, ist aber hübsch und aufwendig ausgestattet, mit Pavillons aus Bambusrohr wurden Inseln im Raum geschaffen. Man sitzt an breiten, ausladenden Tischen, weshalb sich auch die neuen Abstandsregeln gut einhalten lassen. Die Schriftzeichen auf der Tischplatte sind rätselhaft – es stellt sich auf Nachfrage dann heraus, dass es sich dabei um U-Bahn-Stationen in Seoul handelt.

So sitzt man also an seiner U-Bahn-Station und wartet, bis der integrierte Tischgrill von kundigen Händen in Betrieb genommen wird. Es handelt sich um eine Art Hightech-Gerät mit Gasbefeuerung, man riecht also nicht nach Grill, wenn man nach Hause geht. Die Gitterstäbe des Rosts sind innen hohl, durch sie fließt Wasser aus einem integrierten Tank, weshalb der Rost nach einer Stunde ausgewechselt werden muss. So verbrennt das Fett nicht – wichtig bei den stark marmorierten Sorten – und das Grillgut wird schonend gegart.

Es gibt im Yumira zwar eine umfangreiche Speisekarte mit allerlei koreanischen und vielen vietnamesischen Gerichten, aber in Wirklichkeit geht es nur um eine Seite, und die ist überschrieben mit "Korean BBQ". Das heißt: Fleisch in unterschiedlicher Ausprägung und in durchaus guter bis hoher Qualität: australisches oder US-amerikanisches Angus-Rind. Schön marmoriertes Wagyu-Beef (in der westlichen Variante natürlich) ist ebenfalls im Angebot. Beides jeweils in fünf bis sechs verschiedenen Cuts, vom Filet übers Entrecôte bis hin zum Rippen- und Brustfleisch, wie man es in Korea liebt. Das Schweinerne kommt von der Iberico-Sau, als Filet, Nackensteak oder aus dem Bauchfleisch. All das wird je nach Menü – vier Varianten zwischen 26 und 49 Euro pro Person gibt es – hübsch angerichtet und meist in dünnen Scheiben vorgeschnitten. Es gibt auch ein Menü mit Fisch und Meeresfrüchten, "Seafood Lover" betitelt (36,00). Aber da blieb uns der Schnabel sauber, die Bedienung wies uns bei der Bestellung energisch darauf hin, dass sie das nun wirklich nicht empfehlen könne. Barbecue mit Fleisch sei das Original! An solche Tipps hält man sich. Tatsächlich erwies sich die dann schüchtern einzeln hinzubestellte Jakobsmuschel als ziemlich fad.

Was soll man sagen? Mit einem der Menüs ist man gut bedient, und danach passt in der Regel auch kein Dessert mehr rein. Mango-Crème brûlée und Maracuja-Pannacotta (beide 5,50) klangen auch nicht so arg reizvoll. Zum Fleisch gibt es Reis und eine kleine Auswahl aus den Vorspeisen des Hauses. Mal Japchae, gebratene Nudeln aus Süßkartoffeln mit Gemüse, mal verschieden gefüllte kleine Mandu-Teigtaschen, ähnlich den chinesischen Dim-Sum, oder eine klassische Suppe, die man in Korea eigentlich nach dem Barbecue isst. Salat und diverses Gemüse gehört ebenfalls dazu. Man kann das gegrillte Fleisch vor dem Verspeisen nach vietnamesischem Brauch darin einwickeln. Oder das Gemüse gesondert grillen. Für die Würze sorgen die hausgemachte Barbecuesoße, das klassische Kimchi (vereinfacht ausgedrückt: fermentierter Chinakohl mit Rettich), Sojasoße und eine besondere Gewürzmischung.

Der Vollständigkeit halber probierten wir auch noch Gerichte von der restlichen Karte. Sowohl das koreanische Jeyuk Bokkeum (14,90), scharf gewürzter Schweinebauch, als auch das vietnamesische Bo La Lot (6,90), gebratenes Rindfleisch in Betelblätter gewickelt, waren köstlich. Aber dafür muss man nicht extra nach Obersendling fahren. Auch die Belegschaft des Hauses hat ihre klaren Präferenzen: Bei einem Testbesuch, es war schon kurz vor Schluss, wurde nebenan zum Personalessen aufgefahren. Der Tisch bog sich unter all den Fleischportionen, dem Salat, dem Reis und dem Gemüse. Die Stimmung war schnell ausgelassen und recht heiter. Eigentlich wäre man bei dieser Party gerne noch geblieben.

Einen Nachteil hat das Yumira aber schon: Alleine braucht man nicht zu kommen. Das Barbecue gibt es erst ab zwei Personen, und die meisten anderen Gerichte findet man auch in reicher Auswahl beim Vietnamesen um die Ecke. Auch könnte man sich die Soßenauswahl etwas reichhaltiger vorstellen.

Adresse: Boschetsrieder Straße 51, 81379 München, Telefon: 089/92588039, Öffnungszeiten: Mittwoch bis Montag 11.30 bis 14.30 Uhr und 17.30 bis 23 Uhr, samstags nur am Abend geöffnet, reservation@yumira-bbq.de