Es knofelt nicht recht

Die Bar Tapas hält, was der Name verspricht. Doch authentische Spanienstimmung kommt nicht auf – das liegt auch an der Knoblauchrationierung.

Wenn sich ein Restaurant Pasta & Basta , Asado Steak House oder Sushi Sano nennt, weiß der Besucher schon vorher ziemlich genau, was ihn erwartet. Genauso ist das auch bei der Bar Tapas in der Amalienstraße 97. Die Tapas sind hier in der Vitrine aufgereiht, die Kellner sprechen fließend spanisch , es wird Sangria und Rioja ausgeschenkt und zum Nachtisch gibt es Crema Catalana.

Und ähnlich wie man im Pasta & Basta selten Italiener findet, treffen sich in der Bar Tapas statt Spaniern, die in der bayerischen Hauptstadt ein wenig Heimatgefühl erleben wollen, vor allem Münchner. Die Bar Tapas ist ganz zugeschnitten auf Deutsche, die Erinnerungen an ihre letzte Spanienreise austauschen oder mit Freunden aus dem Sprachkurs noch ein Glas Rotwein trinken wollen.

Die Bar ist lang. An ihr sitzen meist ein paar Besucher, aber es geht keineswegs so laut wie in Spanien zu. Über dem Tresen läuft auch kein Fernseher, der das Unterhalten schwierig macht. Auch die Tapas-Auswahl ist dem heimischen Geschmack angepasst, was nicht unbedingt als negativ angesehen werden muss.

Die Hühnchenschenkel haben zwar eine üppige Portion Knoblauch abbekommen, aber in Spanien hätte der Koch die dreifache Menge verwendet. Die Patatas Bravas kann man guten Gewissens als deftig bezeichnen, schmecken aber nicht ganz so fettig wie in spanischen Tapas-Bars. Und die frittierten Gambas würde man in Spanien gar nicht anbieten, sie schmecken aber deliziös.

Nachdem die Besucher Getränke bestellt haben, machen sie sich auf zur langen Bar, an der die Tapas in Vitrinen ausliegen. Auf einem Zettel, der mit Kugelschreiber an der Bar bereit liegt, notieren sie die Nummer des jeweiligen Gerichts: Ob Artischocken-Salat, Gambas, Patatas Bravas, Paella oder Alitas de Pollo (Hähnchenflügel). Dann kehrt der Gast zum Tisch zurück und die Bedienung nimmt den Zettel entgegen.

Fast alle Tapas-Schälchen kosten 3,90 Euro, was nicht gerade billig ist. Mit drei pro Person wird man in der Regel ausreichend satt. Die Paella wird in einem arg kleinen Schälchen serviert, dafür haben sich aber ausgesprochen viele Meeresfrüchte darauf versammelt. Wir haben kein Tapas erwischt, was nicht geschmeckt hätte. Wer gar keinen Knoblauch mag, sollte die Finger von den Hühnchengerichten lassen. Aber wie gesagt, mit spanischen Verhältnissen ist die Knoblauchrationierung keineswegs zu vergleichen.

Wer will, bestellt noch die fast obligatorische Creme Catalana (3,90 Euro) als Nachtisch, die – im Gegensatz zum Mousse au Chocolat – durchaus lohnt. Dann noch ein Gläschen Rotwein und wieder hinaus in die Maxvorstadt . Die Gedanken an Spanien, Strand und Sonne sind in der Kälte jedoch bald wieder verflogen.