Aus Rücksicht auf Promis sind Fotos nur von außen erlaubt. (Foto: Claus Schunk)

Exotisches Grünwald

Das Miyabi im Promi-Vorort erfreut nicht nur Fußballer und Schauspieler mit Sushi und den Köstlichkeiten der vietnamesischen Küche.

In diesen lauen Sommernächten lockt die Ferne, die Sehnsucht nach Unbekanntem und Exotischem. Leider schwer erreichbar in Zeiten, in denen man mal nicht eben in den Flieger nach Vietnam oder Japan steigen kann. Auch mit einem Privatjet, falls vorhanden, ist das gerade nicht easy going beziehungsweise easy flying möglich. Rosa Marín gab der Sehnsucht nach, sie schaute mal im Paralleluniversum vor den Toren der Stadt vorbei – in Grünwald , wo die Mauern hoch und die Garagentore breit sind. Dort, an der Südlichen Münchner Straße, zeigt sich das Restaurant Miyabi offen und zugewandt. Schon von der Straße aus ist zu erkennen, dass die Tische unter gemauerten Bögen im Garten stets gut besucht sind und Kellnerinnen in wunderhübschen Ao Dais, den traditionellen vietnamesischen Gewändern, alle Hände voll zu tun haben.

Rosa Marín also parkte ihr Gefährt zwischen den ortsüblichen Automarken, die Porschedichte variiert von Tag zu Tag, und stand beim ersten Besuch lange am Eingang wie bestellt und nicht abgeholt. Das lag nicht daran, dass in diesem Lokal mit relativ hoher Promidichte aus dem Fußball- und Schauspielgewerbe niemand sie kannte. Denn die Testerinnen und Tester der SZ-Kostprobe sind sowieso immer inkognito unterwegs. Nein, es lag an diesem Tag daran, dass wohl einfach zu viel los war und der Service schon anfangs schwächelte.

Nachdem man endlich in den auf nobel getrimmten Regiestühlen Platz nehmen durfte, eröffneten sich jedoch geschmacklich erfreuliche Perspektiven. Das Sushi hier ist wirklich allerfeinst. Es gibt Variationen von der üblichen Nigiri Sushi-, Hoso Maki-, Ura Maki- und Sashimi-Auswahl, die zeigen, dass da in der Küche kleine Meister ihres Fachs stecken, die den Ehrgeiz haben, mal etwas anderes mit ihren superscharfen Nakiri-Messern anzurichten. Genannt sei hier das Spicy Tuna Maki, sechs kleine Rollen mit feingehacktem Thunfischtatar, Gurke, Sesam und Sauce von fein abgestimmter Schärfe (9 Euro). Oder Truffle Salsa Maki – genau, mit edlen Trüffeln, in diesem Ambiente recht passend. Auch hier üppige sechs gerollte Teile (11,50), on Top eine cremige Avocado-Teriyaki-Mousse. Das Trüffelöl schmeckt etwas vor, trotzdem aber eine klasse Kombination.

Das Restaurant Miyabi gibt es seit etwa vier Jahren. Der Name heißt übersetzt Eleganz, und die Betreiber wollen laut Eigenwerbung "mit der puristisch geradlinigen Formensprache an ein modern-asiatisches Japanhaus" erinnern. Dies gelingt mit der reduzierten Deko und den Möbeln in warmen Erdtönen recht gut. Die gedimmten Lampen beleuchten Gerichte, die auf unterschiedlicher, geschmackvoller Keramik präsentiert werden, gekocht wird aus zwei Küchen, es gibt nämlich das zuvor gelobte Sushi und dann noch vietnamesische Gerichte.

Ein guter Gradmesser für Küchenkunst aus Vietnam ist Pho Bo, das Nationalgericht. Diese Suppe mit Reisnudeln, Rindfleisch, Brühe, Frühlingszwiebeln, Limette, Koriander und allerlei anderen asiatischen Kräutern (13,90) kam in einer großen Schale auf den Tisch und nahm den Vietnamkenner in der Runde für sich ein. Die Rinderbrühe hätte einen Tick konzentrierter sein können, ansonsten aber: Lob.

Bei einem anderen Besuch probierte man Vit Hoisin, eine Ente in Hoisinsauce mit Erdnüssen, Gemüse und Jasmin-Reis (19,90), eine knusprige Angelegenheit mit schön viel Sauce. Nichts außerordentlich Raffiniertes kann man sich unter Bo Xa Ot vorstellen, Rindfleisch in einem Sud aus Kokosmilch, Zitronengras und Peperoni (18,50). Es war ok, aber so auch bei jedem Allerweltsvietnamesen zu kriegen. Die vegetarische Auswahl ist überschaubar. Schön scharf, schön angerichtet mit weichem, nicht angebratenen Tofu ist jedoch Tofu Cari (13,90) zu empfehlen. Die Portionen sind eher klein, aber doch sättigend – was natürlich auch immer an der reichhaltigen Kokossauce liegt.

Bis bei dem einen Besuch die Nachspeise kam, köstliches schwarzes Sesam-Eis (4,00) und knusprig gebackene Banane samt Kokosraspeln (6,50), dauerte es leider wieder ewig. Bei dem nächsten Besuch ging es dafür mehr als flott. Mag sein, dass es auch daran lag, dass das Miyabi in Stundenslots gebucht werden muss – und der Tisch für die nächste Buchung zweieinhalb Stunden später wieder frei sein musste.

Das Grünwalder Restaurant hat mittags und abends geöffnet. Schön ist es, die Essensrunde mit gemeinsamen Vorspeisen zu beginnen. Edamame (5,90) den gekochten japanischen Bohnen mit Meersalz, etwa oder, etwas teurer, den Wasabi Jumbo Prawns (14,90) in luftiger Panade mit wirklich riesigen Garnelen. Die Crispy Wonton (6,90) schmeckten langweilig, zuviel Fett war hier am Werk, der Stängel Koriander in sich zusammengefallen. Umso löblicher der elegant marinierte Goma Wakame (5,50), ein wirklich hervorragender Seealgensalat mit Sesam.

Die Getränkekarte im Miaybi ist vielfältig und fair. Empfehlenswert der trockene Weißburgunder von Buhl aus der Pfalz für recht günstige 26 Euro. Aber klar, den Brunello di Montalcino "Cerretalto" für 465 Euro gibt es hier natürlich auch. Wir befinden uns ja schließlich mitten in der Exotik Grünwalds.

Adresse: Südliche Münchner Straße 68, 82031 Grünwald, Telefon: 089/20985836, Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11.30 Uhr bis 14.30 Uhr, Dienstag bis Samstag 17.30 bis 23 Uhr, Sonntag 12 bis 15 Uhr und 17 bis 22.30 Uhr, hello@miyabi-restaurant.de