Bar "Patolli" in München, 2014, Stephan Rumpf / Stephan Rumpf

Fast wie im Fernsehen

Am Tag stilvolles Café, am Abend szenige Cocktail-Bar: Würde “Sex and the City” in München spielen, träfen sich die Hauptdarstellerinnen im Patolli auf einen Drink.

Einkaufstüten unter den Tischen und in der Luft ein leichter Hauch von Aftershave. Wenn Sex and the City in München spielen würde, könnte das hier die Bar sein, in der sich die Hauptdarstellerinnen nach der Arbeit auf einen Drink treffen. Am Tag ist die kleine Bar in der Sendlinger Straße eine “Kaffeebar” – also ein normales Café, nur nicht so plüschig. Von Mittwoch bis Samstag aber wird das Patolli am Abend zur Cocktail-Bar, die sich auch in New York oder jedenfalls einer Fernsehvariante davon gut machen würde.

Das liegt zum einen am Setting: Die kleine Bar liegt zwischen den Shopping-Fallen in der Sendlinger Straße. Nach einem anstrengenden Tag im Büro oder Einkaufsbummel, der ja in der Phantasie zu jedem New-York-Besuch unbedingt dazugehört, kann man sehr gut hier hineinfallen. Dann setzt man sich an das große Panoramafenster und schaut beim ersten Moscow Mule mit selbst gemachter Ingwerlimonade (für 9 Euro, lecker!) den abgehetzten Nachzüglern draußen hinterher.

Hippe Dekokration und Wände in Backstein-Optik

Man kann auch am Tresen unter den von der zwei Etagen hohen Decke hängenden Riesen-Blechlampen sitzen, oder an der Wand unter nackten Birnen mit sichtbaren Glühfäden, die es heute in jeder hippen Bar gibt. Die Wände der Galerie der oberen Etage sind sogar in Backstein-Optik gehalten. Authentisch sieht das alles nicht aus, bis vor Kurzem war hier auch noch ein Make-up-Geschäft. Es wirkt eher so, als hätte man bei Ikea einmal das Set ” Manhattan Industrial Loft” bestellt. Aber erstens kommt man ja nicht aus kulturhistorischem Interesse her und zweitens sind die Cocktails gut.

Um die Drinks kümmert sich Marco Beier, der vorher lang im Padres in der Blumenstraße gearbeitet hat. Er setzt auf eine übersichtliche Karte, die gemalt hinter dem Tresen hängt – und eine Monatskarte, auf der noch vier weitere Drinks, Gin Tonics oder ein besonderer Whisky stehen. In diesem Monat zum Beispiel ein Johnny Walker Black Label aus dem Jahr 1970, oder sogar noch aus einem älteren Jahrgang (2 cl, dazu gibt es zum Vergleich 2 cl von heute, zusammen 24 Euro).

Auf der Monatskarte verneigt sich Beier auch vor seinen Kollegen. Mit einem Cocktail, wie sonst: Gerade ist das ein “Five o’clock Smash”, halb Daiquiri, halb Mojito mit einem Hauch Earl Grey – nach einem Rezept von Neil Sweeney aus der Frankfurter Roomers Bar (9,50 Euro). Das ist nett, und eine lustige Idee obendrein: So kann man kosten, wie es wäre, wenn man jetzt woanders säße – wenn schon nicht in Manhattan, dann wenigstens in Frankfurt am Main.