Fiesta Mexicana

Das Restaurant “Tacos y Tequila” in Schwabing wirkt auf den ersten Blick so gar nicht mexikanisch. Doch das ändert sich mit zunehmender Stunde.

Das Ambiente des Restaurants in der Herzogstraße wirkt auf den ersten Blick bürgerlich: Bayerische Löwenbräu-Bierdeckel liegen auf den Tischen, im Hintergrund läuft Robbie Williams, ein Flachbildschirm über der Bar zeigt die Sportschau. Der Kellner trägt Lederhosen, schließlich ist in München gerade Wiesn-Zeit. Das soll Mexiko sein?

Als wir einen ersten Blick in die Karte des Restaurants “Tacos y Tequila” werfen, verlässt uns aber das Heimatgefühl. Tacos, Burritos, Enchiladas, Quesadillas, Fajitas, Tostadas – da muss man erst einmal durchblicken. Zumal alles aus Tortillas (Maisfladen) zu bestehen scheint. Doch sind Enchiladas nun weich oder knusprig? Sind Burritos fertig zubereitet oder müssen sie vom Gast selber gerollt werden? Die Auswahl fällt dementsprechend schwer.

Tortillachips zur Vorspeise

Als Vorspeise entscheiden wir uns für ein Körbchen Tortillachips mit drei Saucen: Salsa mexicana, Sauerrahm und den Avocado-Dip Guacamole, der uns im weiteren Verlauf des Abends noch öfter begegnen soll. Die Vorspeise erfüllt ihren Zweck – ein Vorgeschmack auf das, was noch kommt.

Das Tacos y Tequila füllt sich langsam. Draußen dämmert es, wodurch die Kerzen auf den Tischen eine Wirkung entfalten. Auf einer Fensterbank steht ein überdimensionaler Plastikkaktus, der mit einer elektrischen Lichterkette geschmückt ist. Mit zunehmender Dunkelheit wirkt er etwas weniger albern. Die Spirituosenwand hinter der Bar wird von kleinen Lampen angestraht und wirkt eher wie schicke Dekoration und weniger wie das Arbeitsmaterial des Barkeepers. Zwischen den Flaschen hängen Mini-Sombreros mit dem vielversprechenden Aufdruck: “Viva Mexico”.

Als eine Kellnerin die Hauptgerichte bringt, scheinen wir endlich in Mexiko angekommen zu sein. Unser kleiner Tisch ist plötzlich an seine Grenzen ausgelastet. Wir haben uns für Enchiladas de Pollo entschieden, drei mit Hähnchenbrust gefüllte Maistortillas mit Chipotle-Tomatensauce und Käse überbacken, dazu gibt es Reis und Guacamole. Das Gericht kostet 13 Euro, ist fertig auf einem Teller angerichtet und damit ein recht unkomplizierter Hauptgang.

Als zweites Gericht gibt es Fajitas de Pollo. Die Kellnerin bringt ein Pfännchen, in dem Hähnchenbrustfilets, Zwiebeln, Zucchini und anderes Gemüse gebraten sind, dazu einen Teller mit Salsa-Sauce und – natürlich – Guacamole sowie einen runden Korb, dessen Deckel wohl an einen mexikanischen Sombrero erinnern soll. Unter ihm befinden sich die warmen Tortillas. Auf einem weiteren Teller sollen die Maisfladen dann gefüllt, gerollt und gegessen werden. Das erfordert Geschick, wie wir feststellen müssen. Der Trick liegt darin, nicht zu viel Füllung pro Tortilla zu verwenden, sonst lassen sie sich nur schwer rollen und fallen beim Essen auseinander. Der Aufwand lohnt sich – das Essen schmeckt sehr gut.

“Fiesta Mexicana” in Schwabing

Zum Hauptgericht werden wir sogar von Robbie Williams erlöst und typische spanisch-mexikanische Cocktailbar-Musik begleitet uns bei Fajitas, Enchiladas und Vino. Auch der Fernseher wurde inzwischen ausgeschaltet, was uns noch ein Stück weiter aus Schwabing entführt und Richtung Lateinamerika bringt.

Während wir mit der Zubereitung und Verzehrung unserer Maisfladen beschäftigt waren, hat sich das Tacos y Tequila in eine belebte Bar verwandelt. Fast jeder Tisch ist besetzt, Kerzen und kleine Lichter beleuchten den Raum und hinter der Bar werden unaufhörlich Cocktails gemixt und Weingläser gefüllt. Das Treiben könnte man durchaus als “Fiesta Mexicana” bezeichnen mitten in Schwabing, wenn der Begriff nicht durch Rex Gildo bis zur Schmerzgrenze ausgereizt worden wäre.

Wir entscheiden uns zum Nachtisch aber gegen einen Cocktail und stattdessen für Flan (Creme Caramel) und ein Dessert namens Chips Dulces. Dieses besteht aus kreisförmig angerichteten Chips, die diesmal aber frittiert und mit Zimt und Zucker bestreut sind, dazu gibt es Vanilleeis, Sahne und Schokosauce. Ein wirklich leckerer Abschluss – allerdings ist das Limit an aufzunehmenden Tortilla-Produkten danach eindeutig erreicht. Die Creme Caramel hat leider etwas wenig Eigengeschmack, was aber durch eine großzügige Portion süßer Karamelsauce überdeckt wird.

Unsere Bilanz nach einem Abend im Tacos y Tequila: Zu späterer Stunde entfaltet das Restaurant seinen authentischen Charme. Wenn es gut gefüllt und das Licht gedämpft ist, lässt sich hier wunderbar der ein oder andere Cocktail trinken oder die mexikanische Küche genießen. Das nächste Mal kommen wir erst gegen 20 Uhr.