Das Programm ist klar: Fleisch, nicht nur für Reisende. Im Grillroom des Hotels Louis gibt's Steaks für Leute, die sich damit auskennen. (Foto: Stephan Rumpf)

Fleisch aus aller Züchter Länder

Das Beef-Business boomt: Viele Restaurants der Stadt setzen auf hochwertiges Rind. Der Louis Grillroom holt sich die köstlichen Steaks alle paar Monate aus einer anderen Region.

Eine Stadt im Rinderwahn: In den vergangenen paar Jahren haben in München diverse Restaurants aufgemacht, die sich von gewöhnlichen Steakhäusern unterscheiden wollen, indem sie auf hochwertige – und entsprechend teure – Produkte setzen. Dazu gehört seit vergangenem Frühjahr nun auch der Louis Grillroom am Viktualienmarkt.

Louis sei ein Reisender, sagte Rudi Kull, als das Emiko zumachte. Das japanische Lokal war lange das kulinarische Aushängeschild des Louis Hotels, das Kull mit Albert Weinzierl betreibt. Und so hat es den reisenden Louis von Nippon auf die Viehweiden dieser Welt verschlagen. Die liegen mal in Australien, mal in Frankreich, mal in Bayern und – ja – schon auch noch in Japan, wo das berühmte Kobe-Rind herkommt. Statt Sushi gibt’s nun eben Steak. Und weil sie es hier offenbar mit dem Reisenden durchaus ernst meinen, gibt es neben den dauerhaften Fleischspezialitäten alle zwei bis drei Monate Produkte von Fleischveredlern aus verschiedenen Ländern. Aktuell, noch bis Ende Oktober, kommt das Fleisch der Franzosen Franck und Olivier Metzger auf den Tisch. Von November bis Januar gibt’s dann Steaks von den italienischen Brüdern Bifulco.

Man kann sich fragen, ob es wirklich noch einen weiteren Steak-Laden braucht, wenn nur in Steinwurfweite bereits ein paar Lokale mit Fokus auf Fleisch zu finden sind, etwa das El Gaucho, das Goldene Kalb oder das Little London. Aber offensichtlich läuft das Beef-Business im oberen Preissegment. Da kann man schon mal spekulieren, ob dieser Trend zum Steak vielleicht eine Gegenbewegung zum Veganer-Hype der vergangenen Jahre und Gegrilltes nicht gar so etwas wie ein kulinarisches Statussymbol für Männer mittleren Alters ist – nach dem Motto: Porterhouse statt Porsche. Und gehört es nicht längst zum guten Ton, dass man sich beim Thema Rindfleisch fachkundig wie ein Metzger über die unterschiedlichen Schnitte – pardon: “cuts” – austauscht, die wiederum in verschiedenen Ländern unterschiedlich ausfallen? Ja, wer gar ein französisches Bavette nicht von einem amerikanischen Flank-Steak und ein Porterhouse nicht von einem T-Bone unterscheiden kann, gilt in Grillerkreisen als Greenhorn.

Wer nun kein solcher Fleisch-Versteher ist und auch keine Lust hat, sich allzu sehr selbst mit solchen Details zu beschäftigen, ist im Louis Grillroom bestens aufgehoben. Dort kommt ein Fleisch-Sommelier an den Tisch, eine Platte mit diversen rohen Steaks in der Hand, und erklärt dem Gast alles, was er so wissen muss. Das geschieht mit einer Freundlichkeit und Geduld, die ihresgleichen sucht. Überhaupt zeigte sich der Service im Louis Grillroom als außergewöhnlich aufmerksam und fachkundig – sei es bei der Fleisch- oder der Weinberatung. Und das braucht es auch, wenn man sich irgendwie von der Konkurrenz abheben will. Denn der Grillroom ist zwar ein gutes Lokal, aber kein beeindruckendes.

Die Qualität des Fleisches, das wir bei unseren Besuchen probierten, ist aber allemal ihren Preis wert. Das mild aromatische Filet vom Charolais-Rind für 38 Euro je 220 Gramm war erwartungsgemäß zart wie Butter. Etwas bissfester und aromatischer fiel die Bavette, ein marmoriertes Stück des Bauchlappens, vom Charolais aus (28 Euro je 220 Gramm). Ebenso stark marmoriert und geschmacklich intensiv war das medium rare genossene Chuck Flap, ein Nackenstück vom australischen Wagyu-Rind (34 Euro je 220 Gramm). Es lohnt sich wegen der Vielfalt von Konsistenzen und Aromen unterschiedliche Zuschnitte zu probieren.

Die Zubereitung auf dem Steingrill beherrscht die Küche im Grillroom dabei perfekt. Serviert wird das Ganze mit etwas Meersalz und grob gemahlenem Pfeffer, dazu kann der Gast eine von acht Soßen auswählen, die man ob des aromatischen Fleisches eigentlich gar nicht gebraucht hätte. Wir probierten eine sehr cremige und milde Kräuterbutter, eine fein mit Estragon abgeschmeckte Sauce béarnaise und eine leider etwas langweilige Pfefferrahmsauce. Eine großartige Beilage war das Bio-Kartoffelpüree, das es in fünf Varianten gibt. War die Variante “Natur” (5,50) schon eine köstlich-cremige Ergänzung zum zarten Fleisch, so war das mit Amalfi-Zitrone verfeinerte Püree (6,50) eine aromatische Sensation. Da verloren die eigentlich auch sehr guten Pommes Allumettes (frittierte Kartoffelstücke im Streicholzformat für 5,50) den Vergleich.

Sehr gut gemacht waren auch die Vorspeisen, eine Kürbis-Ingwer-Suppe mit einer “Pulled-Beef-Praline” als Einlage (9,50), ein geflämmter Wildlachs mit Lachskaviar und Kohlrabi (19) und der knackige Caesar Salad (12,50). Alles recht konventionell, großartige Experimente gehören wohl nicht zum Konzept. Auch der süßliche Teriyaki-Sesam-Lachs (26) war gefällig, ebenso die Nachspeisen: Eine Crème brûlée mit Zwetschgen (9) oder das Gateau au Chocolat (10), ein Schokotörtchen, das mit Rotweineis serviert wurde und einem himbeerfarbenen Schwämmchen obendrauf, das nach nichts schmeckte und vor allem kurios aussah – nett, wenn’s dabei ist, egal, wenn nicht.

Insgesamt scheint die Küche auf ein internationales Publikum zugeschnitten zu sein. Die Atmosphäre des Grillroom erinnert mit den gedämpften Brauntönen und den mit Spots ausgeleuchteten Tischen an andere typische Hotel-Restaurants, außer man sitzt am Fenster und schaut auf den Viktualienmarkt. Wer’s mag, für den ist’s das Höchste. Sei’s drum: Schaltet man beide Ohren wegen der bei unseren Besuchen permanent dudelnden Easy-Listening-Musik auf Durchzug, kann man im Louis Grillroom seinen (wenn auch teuren) Spaß haben – allein schon wegen der Weinkarte mit gut ausgesuchten deutschen und internationalen Weinen. Die hat – wie sollte es anders sein – für jeden Geldbeutel und Geschmack etwas zu bieten.

Adresse: Viktualienmarkt 6 | 80331 München | Telefon: 089/4111908111 | Täglich 17.30 bis 23 Uhr | reservations@louis-hotel.com