Fleischlose Expansion

Das Münchner Restaurant “Gratitude Eatery” soll mächtig wachsen. Es soll die Keimzelle werden für eine Kette neuer veganer Restaurants in ganz Deutschland.

Sushi ohne Fisch ist nicht jedermanns Sache, aber einer wachsenden Gemeinde läuft bei Gerichten wie Blumenkohl-Tempura mit Kimchi und süßer Chili-Sauce das Wasser im Munde zusammen. Bislang ernährt sich nur eine Minderheit vegan, aber diese Minderheit wächst: Zunehmend mehr Menschen wollen essen, ohne dass dabei Fleisch oder andere tierische Produkte im Spiel sind oder Tiere auf irgendeine Art und Weise darunter leiden müssen. Dieser Umstand verhilft einem winzigen, aber sehr angesehenen Münchner Lokal womöglich bald zu ungeahnter Größe: der Gratitude Eatery in der Türkenstraße 55.

Es soll nämlich die Keimzelle werden für eine ganze Kette neuer veganer Restaurants in ganz Deutschland. Der Wuppertaler Unternehmer Andreas Neudahm hat die Mehrheit der Anteile an der Gratitude-GmbH erworben und möchte das Konzept umfangreich ausbauen. Wie das gehen könnte, weiß er. Neudahm hat sein Vermögen mit der Innenausstattung großer Hotelketten gemacht. Seine Firma Neudahm Hotel Interior Design hat in den vergangenen 20 Jahren weltweit an die 500 Projekte umgesetzt, vom Budget-Hotel bis zum Luxus-Resort. Es gibt kaum eine Hotelgruppe von Best Western bis Accor, Marriot, Holiday Inn und Ramada, für die seine Firma noch nicht gearbeitet hat. Und nun will er also in die Gastronomie einsteigen.

Die Gratitude Eatery ist auf den ersten Blick das unscheinbarste Objekt, das er sich dafür aussuchen konnte. Das kleine vegane Restaurant mit vielleicht 25 Plätzen ist eigentlich kaum groß genug, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Vor acht Jahren taten sich vier Freunde zusammen, um zu zeigen, wie gut man vegan essen kann. Küchenchef Patrick Janoud setzte die Ideen um, häufig mit leicht asiatisch inspirierten Gerichten, marokkanischen Bowls und nicht alltäglichen Zutaten wie Tamari, Hanf und Miso sowie “dehydriertem Gemüse”. Schnell galt die Gratitude Eatery als bestes veganes Restaurant der Stadt, hatte bald Fans in ganz Bayern, die regelmäßig zum Essen kamen.

Vor knapp zwei Jahren geriet es allerdings in finanzielle Turbulenzen. Von Schließung war die Rede. Eigentlich wollten die vier Partner nicht weitermachen, “aus wirtschaftlichen und privaten Gründen”, wie es hieß. Aber einer der Mitbetreiber, Christoph Bucher, wollte dann doch noch nicht aufgeben und krempelte den Laden um. Die Gratitude Eatery blieb bestehen und kam bald auch wirtschaftlich gut über die Runden.

Bucher wollte sich aber nicht alleine um das Gratitude kümmern und machte sich auf die Suche nach einem Investor. Bei Andreas Neudahm wurde er schließlich fündig. Der Designer interessierte sich sehr für das Objekt und sah großes Potenzial. Er entwarf ein neues Erscheinungsbild und feilte an der Innenausstattung. Im März ist das Gratitude deshalb geschlossen, es wird umgebaut. “Es wird bald nach der Renovierung ein Gratitude 2.0 geben”, sagt Bucher, “weitere Ableger sind in Planung.” Ende März ist Neueröffnung. Neudahm selbst hat sich bisher noch nicht öffentlich geäußert. “Der Chef ist auf Reisen”, hieß es in der Wuppertaler Firmenzentrale. Dort wollte am Montag sonst niemand etwas zu dem Projekt sagen.