Freundliche Übernahme

Eines der ältesten Brauhäuser der Stadt bekommt einen neuen Betreiber. Spöckmeier-Wirt Lorenz Stiftl übernimmt wohl bald das Hackerhaus in der Sendlinger Straße.

Ein Wirt zieht um: Lorenz Stiftl, seit zehn Jahren Wirt der Traditionsgaststätte Zum Spöckmeier, hat bald vom Marienplatz aus wohl 200 Meter weiter zu seinem Arbeitsplatz. Dann übernimmt er voraussichtlich das Hackerhaus an der Sendlinger Straße, ebenfalls eine Traditionswirtschaft, mitsamt dem ganzen Personal.

Das jetzige Wirtepaar Paul und Jutta Pongratz will sich zurückziehen, aus gesundheitlichen Gründen. Am Montagabend wollten Pongratz und Stiftl den Wechsel im Hackerhaus bekanntgeben, die Pressekonferenz wurde eine knappe Stunde vorher überraschend abgesagt – ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen, wie es hieß.

Pongratz, dessen Familie das Hackerhaus seit 1985 führt, hatte in jüngster Zeit mehrfach Ärger wegen einer Mäuseplage in dem denkmalgeschützten Haus. Nachdem seine Ehefrau erst vor Kurzem einen Herzinfarkt erlitten hatte, will er es ruhiger angehen lassen. Der Wechsel kommt dem Wiesnwirt und Vielfach-Gastronomen Lorenz Stiftl gelegen, denn sein Pachtvertrag für den Spöckmeier läuft Ende 2020 aus; anschließend wird das Gasthaus von der Paulaner-Brauerei umfassend saniert.

Danach aber will angeblich Arabella Schörghuber, Tochter des Brau- und Baumultis Josef Schörghuber, das Lokal selbst weiterführen. Berichte über solche Pläne haben Schörghuber und die Brauerei bislang weder bestätigt noch dementiert. Schörghuber betreibt zusammen mit ihrer Tochter Ramona die Grünwalder Einkehr und auf der Wiesn zusammen mit ihrem Ex-Mann Peter Pongratz das Paulaner-Festzelt (Peter Pongratz ist über mehrere Ecken mit Paul Pongratz verwandt).

Die Wirtshäuser gehören beide zur Paulaner-Gruppe. Das Hackerhaus lässt sich als Brauhaus bis ins Jahr 1417 nachweisen, und man kann es deshalb, wenn man es großzügig sieht, auch als Wiege der Brauerei Hacker-Pschorr bezeichnen. Der Brauer Simon Hacker hat das Gebäude allerdings erst 1738 erworben, fast 60 Jahre später ging es dann in den Besitz von Josef Pschorr über.

Das Hackerhaus in seiner heutigen Form entstand 1829, Ende 1982 vergab die Brauerei das Gebäude im Erbbaurecht an das Münchner Architekturbüro Lehmann, das es dann aufwendig renovierte. Die Gaststätte hat in sieben Stuben Platz für 440 Gäste. Der Biergarten im Innenhof fasst noch einmal 90 Personen.

Der Spöckmeier an der Rosenstraße beim Marienplatz ist mit knapp 300 Plätzen innen und noch einmal 150 vor dem Haus etwas kleiner. Nachgewiesen ist die Gaststätte seit 1450, das heutige Gebäude entstand aber ersichtlich in den 1980er-Jahren. Dafür ist der Spöckmeier das letzte Innenstadtwirtshaus mit eigener Metzgerei. Vor Stiftl betrieben die Gaststätte bereits viele bekannte Wiesnwirte wie Willi Kreitmair, Richard Süßmeier und Peter Pongratz, Schörghubers Ex-Mann, damals noch nicht mit ihr verheiratet.

Lorenz Stiftl hat auf dem Oktoberfest bisher nur das kleine Wiesnzelt Zum Stiftl, bewirbt sich aber seit Jahren um ein großes Zelt. Einerseits mit guten Chancen – nach der verwaltungsinternen Punktewertung ist er der erste Nachrücker. Dazu müsste allerdings erst ein anderes Zelt freiwerden.