Stephan Rumpf / Stephan Rumpf

Frühstück in den Fünfzigerjahren

Samstags gibt es einen ausgiebigen Brunch im Stereo Café. Und wer das zweistündige Zeitfenster verpasst, wird mit Avocado im Glas oder Bananenbrot mindestens ebenso glücklich.

Es ist nicht ganz leicht, das Stereo Café zu entdecken, trotz des Schildes am Haus. Der Eingang liegt in einem Klamottenladen in der Residenzstraße 25 versteckt, ein flüchtiger Blick durchs Schaufenster verrät nicht, dass im ersten Stock ein bildhübsches Café auf Besucher wartet. Wobei warten vielleicht zu viel gesagt ist. Genügend Menschen wissen von dem kleinen Juwel in der Altstadt. Und so harren immer wieder kleine Grüppchen auf dem oberen Absatz der geschwungenen Treppe aus, bis ein Tisch für sie frei wird.

Platz genommen inmitten der vornehmen 50er Jahre. Türkisfarbener Samt, Nierentischchenstil, Pastelltöne, Rosenthal-Geschirr. Zur einen Seite ein Schaufenster auf die Residenzstraße hinaus, zur anderen, durch die Küche hindurch, eine mit Holz verkleidete Dachterrasse. Und mittendrin gemütliche Betriebsamkeit, Kaffeemaschinengeräusche, Besteckgeklimper und gedämpftes Stimmengewirr.

Was gibt es da und was kostet das?

Wer das Brunchangebot nutzen will, braucht ein gutes Timing. Es gilt nämlich nur samstags von 10 bis 12 Uhr (sonntags hat das Stereo Café ohnehin geschlossen). Da gibt es dann Avocadobrote, Pasteis de Nata, Bircher Müsli und mehr für 16,90 pro Person; mit einem Glas Cremant brut oder rosé (0,1) 21,80 Euro. Wer das verpasst, muss sich nicht grämen. Auf der Standardkarte stehen die Frühstücksleckereien einzeln, zum Beispiel Avocado im Glas, also cremige Avocado mit Granola und Kardamomjoghurt (4,90), ein schöner Einfall. Das Bananenbrot (4,50) ist köstlich saftig, reichhaltig, aber fluffig, es wird mit Erdbeermarmelade serviert, die in einer kleinen Schüssel mit Schmetterlingsgriffen auf dem Teller platziert ist. Die Ästhetik kommt im Stereo Café nicht einmal im Detail zu kurz, das Geschmacksempfinden wird in jeder Hinsicht befriedigt.

Eine sehr gute, eher milde Kaffeeröstung findet in den Heißgetränken Verwendung (Cappuccino 3,60), zu Trinken gibt es aber auch Säfte von Super, Danke! – “Greenpeace” mit Apfel, Ananas, Grünkohl, Spinat und Zitrone zum Beispiel (3,90), denn hinter beiden Läden stecken die gleichen Gastronomen.

Bis 20 Uhr hat das Café geöfffnet, es gibt also ein breiteres Speisenangebot; Salate und Burger etwa, Focaccias oder auch das Avocadobrot (9,50) mit Sesamöl, Chiliflakes, Sprossen und Salat. Und natürlich die Kuchen, die in der Vitrine lagern, ein New York Cheesecake zum Beispiel, oder auch die in München selten zu findenden portugiesischen Pasteis de Nata, kleine Blätterteigtörtchen mit Puddingfüllung. Diese erweisen sich letztlich als Enttäuschung, die Puddingcreme schmeckt nicht nach Vanille, wie sie sollte, und offenbar ist statt Blätterteig Mürbeteig verwendet worden, was dem unschuldigen Törtchen endgültig den Todesstoß verleiht. Mit einem Pastel de Nata hat es nur den Namen gemein, a ber es gibt schließlich genügend anderen feinen Süßkram.

Wer geht da hin?

Ein Publikum mit Sinn für Ästhetik und Geschmack, aber mehr Hipster als Bussi-Bussi. Wie so oft beim Frühstück viele Pärchen und Beste-Freundinnen-Grüppchen, und alle sind sie extra hierhergekommen, nicht nur zufällig dran vorbeigelaufen. Ältere Gäste schätzen die Räume noch aus den Zeiten, als hier die Traditions-Confiserie Rottenhöfer beheimatet war. Durch die Hürde mit dem Bekleidungsgeschäft im Erdgeschoss verirren sich trotz der zentralen Lage eher keine Touristen hier herein. Ebenso wenig junge Studenten, denn günstig ist das Café natürlich nicht gerade.

Wie viel Zeit bringt man mit?

Ein gemütliches Essen mit anschließendem Kaffee braucht seine Zeit. Wer es übertreibt und die ganze Wochenendzeitung durcharbeiten möchte, könnte sich zumindest am Wochenende giftige Blicke vom Treppenabsatz einfangen, wo die nächsten Hungrigen warten. Nach dem Verlassen des Cafés nicht vergessen, den Löwen in der Residenzstraße über die Schnauze zu streicheln. Eine Handvoll Glück zum Nachtisch gibt es schließlich nicht überall.