Das Substanz serviert neben Bier und Spirituosen jetzt auch Frühstück. (Foto: Florian Peljak)

Frühstück mit Kultpotential

Seit 30 Jahren wird im Substanz getrunken und getanzt. Seit Kurzem bietet der Club am Wochenende pochierte Eier und Pancakes an. Das hat auch mit Corona zu tun.

Drinnen, in dem schwarz-hölzernen Raum, schmücken ausgestopfte Tiere, Puppenköpfe und allerlei weitere Skurrilitäten die Wände. Wo normalerweise Menschen feiern, lachen und trinken, ist es an diesem Samstagvormittag menschenleer. Stattdessen sitzen die Gäste draußen, auf Bierzeltgarnituren zwischen Vogelhäuschen und Hortensien. Man merkt, dass sich das Substanz gerade wieder einmal neu erfunden hat.

1990 als Untergrundclub hauptsächlich für die Müncher Grunge- und Punkszene gegründet, wurde das Substanz bald Kult. Sechs Jahre später rückte der hauseigene Poetry Slam regelmäßig ins Programm. Auch er erlangte im Laufe der Zeit Kultstatus, das Gleiche gilt für die After-Wiesn-Partys. Viele verschiedene Kulturformen haben seit den Anfängen ihren Platz im Substanz gefunden – jetzt also auch Frühstück.

Seit Ende Juli öffnet das Lokal samstags und sonntags bereits um 10 Uhr. Geboren wurde die Idee dazu aus der Not heraus – wie so vieles in den letzten Monaten. Da das Substanz kein reiner Club ist, sondern auch Essen serviert, durfte es nach den ersten Lockerungen der Anti-Corona-Maßnahmen bald wieder öffnen. Nur Veranstaltungen waren nicht mehr möglich, und so musste ein neues Konzept her. "Und dann haben wir uns gesagt: Okay, dann machen wir Frühstück", sagt Jürgen Franke, der den Club Anfang der Neunziger mitgegründet hat.

Aus den wenigen Plätzen vor der Tür wurde ein kleiner Schanigarten, wie man ihn jetzt öfter in München sieht. Bierbänke von 1,10 Meter Länge haben darin Platz gefunden, mehr ließ sich mit den Behörden dann doch nicht aushandeln. Umzäunt von Schilfrohrmatten und Paletten, verziert mit Vogelhäuschen und begrünt mit allerlei Zierpflanzen bildet der Garten einen auffallenden Kontrapunkt zum dunklen Inneren des Clubs. Nur der Lärm der Autos, die auf der Ruppertstraße auch am Wochenende hin und wieder unterwegs sind, und die wenig an Urlaub erinnernde Fassade des gegenüberliegenden Kreisverwaltungsreferats lassen sich auf diese Art nicht wegzaubern.

Mit dem guten Essen ist das Urlaubsgefühl aber schnell reanimiert. "Wir haben versucht, uns eine eigene kulinarische Insel zu schaffen mit speziellen Angeboten auch für Vegetarier", sagt Franke.

Was gibt es und was kostet es?

Wenngleich erst seit Kurzem im Frühstücksgeschäft, erstreckt sich das Angebot im Substanz bereits über alle Geschmäcker und Budgets: Für 5,60 Euro können sich die Gäste an drei Bio-Rühreiern mit Weißbrot und Tomaten satt essen. Für den etwas größeren Geldbeutel gibt es etwa pochierte Bio-Eier mit Sauce Hollondaise, die wahlweise mit Speck (9,80 Euro), Avocado und Spinat (10,80 Euro) oder Lachs und Spinat (12,80 Euro) serviert werden.

Dazu bietet das Substanz eine eigene Frühstücksbowl (6,80 Euro), ein Avocado-Baguette mit Spiegelei (7,20 Euro), ein Ziegenfrischkäse-Baguette mit Trüffelhonig sowie Pancakes mit Früchten und Ahornsirup (6,80 Euro). Wer die klassische Semmel bevorzugt, geht jedoch auch nicht leer aus. Brot und Belag können einzeln für kleines Geld geordert werden. Genauer gesagt für kleines Bargeld, denn Kartenzahlung ist im Substanz nicht möglich.

Das Substanz hat in den vergangenen 30 Jahren viele kommen, aber nur wenige wieder gehen sehen. Und so sitzen in dem Schanigarten an der Ruppertstraße am Wochenende einige, die mit dem Club erwachsen geworden sind, aber auch junge Leute, die es ihnen heute gleichtun. Andere Frühstücksgäste haben dagegen kaum etwas mit dem klassischen "Substanz-Gänger" gemein, sofern es den überhaupt noch gibt.

DIN-A5-Zettel an den Fensterscheiben bewerben die ersten Veranstaltungen nach der Zwangspause, das Frühstück soll davon aber nicht verdrängt werden. Das sei jetzt dauerhaft geplant, sagt der Betreiber. Und: "Wenn es draußen nicht mehr geht, dann machen wir halt drinnen weiter", da ist er pragmatisch. Noch habe sich das Angebot allerdings nicht überall herumgesprochen. Auch mit Vorurteilen hätten sie noch zu kämpfen, erzählt Jürgen Franke: "Wer glaubt denn erstmal, wenn man jahrelang in der Untergrundszene aktiv war, dass es in dem Club jetzt Frühstück gibt?" Aber vielleicht wird das "subtanzielle Frühstück", wie es der Club bewirbt, ja auch irgendwann einmal Kult.

Ruppertstraße 28, 80337 München, 089/7212749, info@substanz-club.de, Öffnungszeiten: Di. 17 bis 2 Uhr, Mi. u. Do. 17 bis 2 Uhr, Fr. 17 bis 3 Uhr, Sa. 10 bis 3 Uhr, So. 10 bis 17 Uhr, Frühstück gibt es samstags und sonntags von 10 bis 17 Uhr, www.substanz-club.de