Frühstück unter Palmen

Im Schlosscafé im Nymphenburger Park speist man in einem ehemaligen Gewächshaus. Das Frühstück ist üppig – und die hausgemachte Limonade sehr lecker.

Viele Menschen, die in der Stadt leben, träumen von einem schönen eigenen Garten. Am liebsten mit einem schmucken Gartenhaus mittendrin. Die Realität sieht, wenn man sich an Opas Laube erinnert, aber meist so aus: Auf der Suche nach der vor sich hin rostenden Handschaufel kämpft man mit dem Hakenverschluss an der Tür und hat so Zeit, die Feuchte des Holzes zu atmen. Fällt schließlich Licht in den Schuppen, grüßt die dickliche Spinne, die sonst in der Hecke hockt: “Servus”.

Das Gartenhaus im Nymphenburger Park, das heute das Schlosscafé beherbergt, ist da schon etwas anderes. Dem Stadtplaner Friedrich Ludwig von Sckell war 1816 bewusst, dass er ein Gartenhaus realisieren ließ, das dem Kurprinzen Max Emanuel von Bayern gewidmet war. Das für die Wittelsbacher gedachte Gebäude hat sieben Meter hohe Fenster. Viele exotische Pflanzen, die hier einst gediehen, sind inzwischen für speisende Gäste gewichen. Aber zur Dekoration geblieben sind noch viele Monstera-Palmen und Sukkulenten, diese fleischigen Pflanzen, die an Kakteen erinnern.

Das Lokal wird deshalb auch heute noch “Palmenhaus” genannt. Auf die Frage kurz nach der Ankunft, ob man vorab ein Glas Leitungswasser gegen den Durst habe könne, antwortet der beschürzte und scherzende Kellner: “Klar, gleich hier aus dem Nymphenburger Kanal.”

Er bringt dann doch ein kostenloses SWM-Wasser. Und das, was er bald darauf für 3,70 Euro im Einweckglas serviert, sieht viel eher nach Kanal aus: Es schimmert unten gelb, ist in der Mitte trüb und ganz oben schwimmt etwas Grünliches. Es handelt sich um eine hausgemachte Holunderlimonade mit Limettenscheiben, und sie schmeckt gut, also nicht zu süßlich. Obwohl der Bodensatz Honig war.

Was gibt es da und was kostet es?

Das Palmenhaus bietet Frühstück für Kinder (6,10 Euro), Veganer (13,40 Euro, mit Müsli und Soja-Joghurt) oder für mindestens zwei Personen an, die etwas zu feiern haben (30,30 Euro, mit Sekt). Hinter uns werden an einem der eierschalenfarben-betuchten Tische die Sektgläser aufgereiht. Was der Anlass dafür ist, bekommen wir nicht mehr mit – obwohl wir recht lange mit dem Essen beschäftigt sind. Das “American” (10,60 Euro) beinhaltet zwei Pancakes, zwei kleine Kartoffel-Rösti sowie zwei Spiegeleier, so dass man sich nicht zwischen süß und herzhaft entscheiden muss.

Die lockeren Pfannkuchen saugen den dazu gereichten Ahornsirup direkt auf – zu den Rösti vermisst man allerdings eine Soße. Das “Royal Salmon” (13 Euro) hat so viele Kännchen mit Zugaben, dass man davon abgeben kann: Sahne-Meerrettich, Dill-Senf-Soße und Frischkäse – passt alles auch zu Röstis. Von den Lachs-und Salamischeiben, dem Weichkäse und dem hartgekochten Ei, aus dem das “Royal” besteht, wird man ohnehin satt. Das dazu gereichte Brot könnte man noch in die hausgemachte Konfitüre tunken, aber eigentlich braucht es das nicht.

Gut, dass man sich gegen das “Schlossfrühstück für 2” (18,40 Euro) entschieden hat. Am Nebentisch gönnt sich ein Mann dieses Angebot alleine. Auf der Etagere sehen die Wurst- und Käsescheiben noch besser aus – aber der Mann lässt schließlich vieles davon stehen. An einem anderen Nebentisch sitzt ein Vater mit seinem Nachwuchs im Kindergartenalter, der eine Portion Pommes verzehrt und dabei nichts stehen lässt.

Wer geht da hin?

Auf den Bänken vor dem ehemaligen Gewächshaus lümmelt eine Schulklasse herum. Ob sie gleich das Gebäude stürmen? Bei gutem Wetter kann man beim Palmenhaus, das gerne für Events gebucht wird, auch draußen sitzen. Drinnen sitzen an diesem Apriltag Menschen, die man für Touristen hält, aus Mexiko vielleicht und aus Japan. Aber es schreiten auch viele eher einheimische Menschen mit Lederjacke und Käppi durch das helle Lokal.

Wie viel Zeit bringt man mit?

Es ist zu empfehlen, einen Platz zu reservieren. Das Palmenhaus ist ein beliebtes Ausflugsziel. Wer einen Tisch hat, kann sich die Zeit nehmen, niemand drängelt. Ein anschließender Spaziergang im barocken Park bietet sich an. Um das Nymphenburger Schloss herum ist das Grün nach französischem Vorbild gepflegt – man hat das Gefühl, dass kein Grashalm schief steht. Im Westen wird der Park dann wilder. Aber Vorsicht: Die Gänse fliegen in Nymphenburg tief.