Frühstücken wie bei Oma, und doch völlig anders

Das Café Jasmin bietet Superfood in Fünfziger-Jahre-Ambiente an.

Die Teppiche sind weich und die Samtsessel auch. Sogar die eine Tür fühlt sich weich an. Sie ist mit gestepptem Kunstleder verkleidet und führt zur “Gelegenheit”. So vornehm hätten sich die Herrschaften wohl früher ausgedrückt. Das Café Jasmin gibt es in der Maxvorstadt seit 1955 (zuvor war es einige Jahre am Lenbachplatz), die Original-Einrichtung ist größtenteils noch erhalten und steht deshalb unter Denkmalschutz.

Das meiste andere in diesem Eckcafé ist aber nicht wie anno dazumal. Zum Beispiel das Frühstücksangebot. Kein Nachkriegszeit-Muckefuck, Wirtschaftswunder-Schmelzkäse oder Himbeereis. Die “wichtigste Mahlzeit des Tages” (O-Ton Oma) entspricht dem Zeitgeist. Dass der Zeitgeist sich inmitten von mintgrün und rosé, mit Kronleuchtern und gerafften Gardinen wohlfühlt, verwundert nicht. Das Café Jasmin hat optisch den Reiz von etwas, was es heute so nicht mehr gibt. Eine Tapete zeigt eine Zeichnung des Schlosses in Bayreuth, vor dem Menschen im Park lustwandeln.

Was gibt es da und was kostet das?

Bei der ersten Mahlzeit des Tages bedient das Café Jasmin beide Enden der Geschmacksskala: Es gibt Wurst, Käse und Ei. Oder veganes Frühstück mit Zutaten, die gerade als Superfood gelten. Wer es gesalzen haben will, bestellt also mehrere Scheiben Parmaschinken und Mailänder Salami, Büffel-Mozzarella mitsamt der klassischen Tomate, Brotaufstrich (aus Frischkäse und Pesto im Haus angerührt), ein gekochtes Ei und zwei Stücke der Hart- beziehungsweise Weichkäse Pecorino und Taleggio (“Italienisches Lieblingsfrühstück”, 13,90 Euro). Die Mini-Mozzarella-Kugeln sind innen wunderbar cremig, zu den Kirschtomaten gibt es noch Rucolablätter und einige Avocado-Streifen.

Milder schmecken die Angebote, die ohne tierische Produkte auskommen. In einem Einweckglas wird warmer Quinoa mit Goji- und Maulbeeren serviert, gewürzt mit Ingwer, Honig und Sesam (“Veganes Energiefrühstück”, 7,90 Euro) – Oma kannte das so sicher noch nicht. Dazu gehören, separat gereicht, Obststückchen und ein Kännchen Sojamilch. Wozu letztere Zutaten gedacht sind, erschließt sich dem ungeübten Neu-Veganer nicht sofort. Bis er den Löffel im Quinoa versenkt. Der ist, nur für sich, schon etwas trocken. Doch vermischt mit der Sojamilch und dem Obst wirkt das Rezept stimmig.

Der frisch gepresste Orangensaft mit Fruchtfleisch (2,80 Euro) ist einfach doch lohnender als das aufgegossene Konzentrat im Tetrapak und passt zu allen Frühstücksvarianten, unter denen da wären: klassisch, in Form des Bircher-Müslis (5,80 Euro) oder mit dem zu köpfenden Ei, Brot, Marmelade und – wahlweise – Wurst und Käse (6,50 Euro). Zur veganen Auswahl stehen unter anderem die Haferflocken mit Kokosmilch und Chiasamen (8,90 Euro) oder das Mousse aus Acaibeeren, zu dem man verschiedene Garnierungen wählen kann (ab 9,50 Euro).

Wer es morgens verträgt: Die Getränke (jeweils 5,90 Euro) gibt es auch mit Schuss, also den Kakao mit Rum und den Kaffee mit Grappa, Whisky oder Eierlikör.

Wer geht da hin?

Alle möglichen Menschen. An dem einen Nebentisch sitzt eine Gruppe junger Männer in Karohemden, sie sprechen Englisch. Am anderen Nebentisch ein Herr mit Henriquatre-Bart und Chanel-Tasche, er gönnt sich schonmal einen Weißwein. Weiter hinten sitzen eine Mutter und ihre Tocher, und am anderen Ende des Raumes, der mehr als 50 Sitzplätze hat, zwei Studentinnen, die ihre Laptoptaschen gegen die Tischbeine lehnen.

Wie viel Zeit bringt man mit?

Wer einen Tisch hat, kann sich Zeit lassen. Wir haben einen Brotkorb und zwei Tassen Kaffee nachbestellt (alles jeweils 2,50 Euro). Zu spät sollte man sich für ein Frühstück hier aber nicht entscheiden. Reservieren kann man nicht. Ab 14 Uhr füllte sich das Lokal merklich, und zwar an einem Werktag.