Frühstücken wie im Wiener Kaffeehaus

Hier ist jeden Tag ein bisschen Wochenende: Wer gern abwechslungsreich frühstückt, ist im Cotidiano genau richtig – auch mit kleinen Kindern.

Am Frühstück scheiden sich bekanntlich die Geister. Die einen lassen es ganz ausfallen oder kippen nur halbherzig einen Kaffee herunter. Die anderen können nicht ohne – am besten mit allem Schnickschnack und zu jeder Tageszeit.

Beide sind im Cotidiano gut aufgehoben. Vor dem Café sitzt ein Mann vor seinem Cappuccino, er genießt die Ruhe, die Anfang Februar vormittags noch auf dem Gärtnerplatz herrscht. Ganz anders geht es hinter den bodentiefen Fenstern des Cotidiano zu. Wer das geräumige Restaurant betritt, wird von der Geräuschkulisse eines Wiener Kaffeehauses empfangen – denn hier ist es meistens ziemlich voll. Das könnte auch an der großen Frühstückskarte liegen. Müsli, amerikanische Croissants, veganes Frühstück oder eine Kleinigkeit aus der hauseigenen Pâtisserie? Man muss sich nur entscheiden können.

Was gibt es da und was kostet das?

Wer nicht lange überlegen will, bestellt eine der Frühstücks-Kombinationen: das “Süße Frühstück” aus Hefezopf, Joghurt mit Honig und Walnüssen (5,90 Euro) etwa, das “Bauernfrühstück” mit Bratkartoffeln, Spiegeleiern und Salat (9,90 Euro) oder das “Alpenfrühstück”, das aus einem üppig mit Rührei und Ziegenkäse gefüllten Laugencroissant besteht (7,50 Euro).

Ein Frühstück nach Maß kann man hier aber auch selbst zusammenstellen – zum Beispiel mit Rühreiern in verschiedenen Kombinationen. Die Luxusvariante mit Lachs kommt mit frisch geriebenem Meerrettich, verschiedenen Brotsorten und Butter – und macht für die 8,90 Euro auch wirklich pappsatt.

Wer hinterher trotzdem noch was Süßes mag, bestreicht das übrige Brot mit einer der hausgemachten Marmeladen und Schokoaufstriche, die auf den hellen Holztischen verteilt stehen. Alternativ schmeckt auch die warme belgische Waffel mit frischen Beeren (4,90 Euro), wobei auf die noch ein paar Beeren mehr gepasst hätten – vor allem im Vergleich zu den kleinen Törtchen aus der Pâtisserie, die vor Obst und Vanillecreme fast überlaufen.

Wer geht da hin?

Den ganzen Tag frühstücken – das klingt nicht nur für Studenten verlockend. Das sieht man auch am Publikum: Ein Paar mit Shopping-Tüten isst Couscous-Salat und trinkt Espresso aus eleganten weißen Schälchen. Rund um die Bar sitzen verschlafene Mittdreißiger über ihren Tablets, ein älterer Herr liest Zeitung, zwei Studentinnen ratschen.

Auch wer mit Kindern ins Cotidiano kommt, wird herzlich empfangen – ganz im Gegensatz zu manch anderen Cafés in der hippen Gegend. So lässt es sich im Trachtenvogl um die Ecke zwar gediegen frühstücken. Wer dort mit Kinderwagen aufkreuzt, wird allerdings erstmal skeptisch beäugt. Ganz anders der Kellner hier: Geduldig schiebt er sich und den Hochstuhl durch die plaudernde Menge bis zum gewünschten Tisch, schäkert über die Schulter hinweg noch mit dem kleinen Gast und fragt wie selbstverständlich, ob zum Frühstück ein Extra-Teller gebraucht wird.

Der Kinderwagen findet seinen Platz übrigens nicht im Getümmel, sondern in einem schnell freigeräumten Eckchen neben der Pâtisserie, zwischen frischem Ingwer und Schokomuffins. Man merkt, dass Familien hier keine seltenen Gäste sind.

Wie viel Zeit bringt man mit?

Das Frühstück kommt schnell, nur die zweite Runde Getränke kann etwas länger dauern. Und wenn der bestellte Cappuccino fehlt, fällt das dem aufmerksamen Kellner auf, noch bevor man mit dem Finger schnipsen muss. Wegen des bunten Publikums hat man immer etwas zu gucken, auch wenn der Kaffee noch ein paar Minuten dauert – eben ganz wie im Wiener Kaffeehaus. “Cotidiano”, also “jeden Tag”, könnte man es hier tatsächlich aushalten.

Das Cotidiano betreibt noch eine zweite Filiale in Schwabing.