Frühstücken, wo Giesing einfach Giesing ist

Bloß nicht zu schickimicki: “Das Schulz” ist ein Mix aus Alt und Neu, so wollten es die Chefinnen. Das Frühstück fällt günstiger aus als in anderen Cafés, und am Abend gibt es immer wieder Konzerte.

Obergiesing macht es einem manchmal nicht leicht. Denen, die hier ewig suchen, um ein hübsches Café zu finden. Und denen, die genervt sind von der Auffassung, es bräuchte jetzt auch noch in Obergiesing so etwas wie “ein hübsches Café”. Das Schulz aber könnte beide Gruppen glücklich machen.

Es liegt in der Werinherstraße, wo keine Handwerkerhäuschen stehen und keine Hipster-Boazn, wo weder Kirche noch Isar protzen. Stattdessen: eine Änderungsschneiderei, ein Friseursalon. Rund ums Schulz ist es unspektakulär, normal, einfach Giesing . Der Ostfriedhof ist nicht weit, die Grenze zu Ramersdorf auch nicht. Man kann hier nicht von einem Frühstückslokal zum anderen hüpfen, dafür schiebt man sich auch nicht so wie etwa im Glockenbachviertel, und gerade die Unaufgeregtheit macht das Schulz zu einem lohnenswerten Ziel für Giesinger und andere Münchner.

Ein geschwungener Schriftzug im Fenster lockt die Gäste herein, und da wartet dann eine Einrichtung, die verschiedene Zeiten zusammenbringt. Die dunklen Stühle und Tische sind aus der Zeit, als hier noch eine Konditorei war. 40 Jahre, dann wurde daraus das “Café Schulz”, und 2017 dann “Das Schulz”, das mehr sein will als ein Café. Benannt ist es nach Herrn Schulz, dem Verpächter, der die beiden jetzigen Betreiberinnen zusammenbrachte. Die eine, Tina Celik, ist gelernte Bürokauffrau, die andere, Verena Stiegler, hat Kunstgeschichte studiert und nebenbei schon im Vorgänger-Café hier gearbeitet. Nun ist das Schulz also ein Mix aus Alt und Neu, so wollten es die Chefinnen. Es würde ja auch nicht zu Giesing passen, “wenn es zu schickimicki wird”, sagt Tina Celik.

Was gibt es da und was kostet das?

An der Tür verheißt ein Aufkleber, es gebe hier das “echte italienische Cornetto”, und in der Tat, das Schokocroissant ist entsprechend weich und kommt warm an den Tisch. Genauso wie die Zimtschnecke aus der – ebenfalls Giesinger – Zimtschneckenfabrik. Das Frühstück fällt günstiger aus als in anderen Cafés – es bietet wenig Schnickschnack, das aber sehr gut. Auf der Frühstückskarte steht das hausgemachte Bananabread (2,30 Euro) ebenso wie der klassische Brotkorb mit Butter, Marmelade oder Nutella (3,20 Euro), der hier “Linie 17” heißt, wie schon im Vorgängercafé und wie die Tram vor der Tür vielleicht irgendwann einmal wieder heißen könnte.

“Das Kräftige” ist eine Scheibe Bauernbrot, auf der sich Schinken, Tomate und Spiegelei schichten (4,50 Euro), der Joghurt mit frischen Früchten wird mit leckerem hausgemachten Granola serviert (4,50 Euro). Eine Überraschung ist das Rührei aus Bio-Eiern: Es kommt im Glas an den Tisch. Nicht als Ei im Glas, wie sich das heute in alten BRD-Fernsehserien bestaunen lässt, sondern im Weckglas, mit Deckel. Das sieht nicht nur nett aus, es hält auch warm.

Am Samstag hat das Schulz geschlossen, dafür wird am Sonntag die Karte erweitert, dann gibt es auch das üppigere “Guten Morgen Herr Schulz” mit Orangensaft oder Prosecco, Wurst, Käse, Marmelade, Ei und Joghurt (12,90 Euro, zwei Personen 21,90 Euro) , “das Gesunde” mit dreierlei hausgemachten Aufstrichen (6,50 Euro) oder auch Weißwurstfrühstück, das hier schlicht “Giesinger” heißt (5,90 Euro).

Der Kaffee zum Frühstück (Cappuccino 3,20 Euro) heißt “Dal 18” und ist eine Kreation eines Münchner Kaffeespezialisten zusammen mit einer italienischen Traditionsrösterei. Milch gibt es auch laktosefrei oder aus Soja. Und wer sich für das “Frühstück ohne Namen” (mit Käse und Joghurt, 9,90 Euro) einen guten Titel einfallen lässt, einen wirklich richtig guten, darf mit Essen aufs Haus rechnen.

Wer geht da hin?

Alt und Jung sollen sich gleich wohlfühlen , das wünschen sich die beiden Chefinnen. Und so sieht man einen älteren Herrn mit Krücke ebenso wie eine junge Frau, die mit ihrem Laptop allein am Tisch sitzt. Hundebesitzer werden ebenso freundlich empfangen wie kleinere Gruppen. Weil es auch Sandwiches und eine Mittagskarte gibt, ist das Schulz für einige aus der Umgebung ein Ziel für die Mittagspause. Für den Nachmittag warten verschiedene Kuchen in der Theke, abends gibt es Wein und immer wieder Konzerte – das Schulz will ein Lokal für fast jede Tageszeit sein. Das Ziel der beiden Betreiberinnen: Giesing zusammenbringen.