Für das Ceviche wird der rohe Fisch mit frischen Zwiebeln, Chili und Limette mariniert. (Foto: Sebastian Gabriel)

Schwedisch-venezolanische Fusionküche

Samstags kommen im Café Stockholm zum Frühstück Arepas und Cheviche auf den Tisch. Wer mag, kann auch Köttbullar bestellen – sogar in Jogginghose.

Durchgestylte Cafés gibt es in München mittlerweile viele. Den meisten sind zwei Sachen gemein: Sie sind wahnsinnig schön eingerichtet, die Servietten passen zu den Eierbechern und der Milchschaum wird in Herzchenform auf den Kaffee gegossen. Aber so richtig gemütlich ist es einfach nicht, in Jogginghose fühlt man sich schnell fehl am Platz. Erfrischend anders ist das Café Stockholm in der Lämmerstraße unweit des Hauptbahnhofs.

Das Konzept? “Wir haben keine raffinierten Chefköche, sondern nur Menschen mit großem Herzen”, sagen die Betreiber Julissa und Nicklas Josefsson. Ganz stimmt das natürlich nicht, denn das Essen ist köstlich und eine gelungene Abwechslung zum immer gleichen Rührei mit Speck. Womit die beiden aber recht haben: Im Café Stockholm fühlt man sich gleich wohl. Das liegt vor allem an den beiden Betreibern – er Schwede, sie Venezolanerin – die sich nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Die Einrichtung ist eine bunte Mischung im wahrsten Sinne des Wortes: bunte Stühle, bunte Wände, überall Bücher, Zeitungen, Bilder und Schallplatten. An den Turntables legt meistens der Chef persönlich auf. Wer möchte, kann sich aber auch mal selbst ausprobieren. Unter der Woche dürfen die Gäste sogar an die Herdplatten, die Grenzen zwischen Gast und Freund sind im Café Stockholm fließend. Nur eines sollte man wissen: Das Cafe ist nicht nur eine stressfreie, sondern auch eine laptopfreie Zone.

Was gibt es da und was kostet es?

Am Samstag lautet das Motto “Soul Kitchen” und der Name ist Programm: Dann gibt zum einen die auch unter der Woche angebotene schwedisch-venezolanisch-spanisch-mexikanische Fusionküche mit ihrer Mischung aus Burritos (7 Euro), Hot Dogs (4 Euro), Suppen (ab 6,50 Euro) und Köttbullar (8,50 Euro), das sind schwedische Fleischbällchen mit Preiselbeer-Sahnesauce und Salzkartoffeln. Daneben kann man samstags aber auch Ceviche und Arepas bestellen.

Ihr Ceviche (11 Euro) bereitet Julissa Josefsson aktuell mit frischem Lachs zu, bald soll es auch eine Seehecht-Variante geben. In jedem Fall wird der Fisch mit frischen Zwiebeln, Chili und Limette mariniert und ist durch eine chemische Reaktion mit dem Limettensaft beim Verzehr nicht mehr ganz roh, aber immer noch bissfest. Dazu gibt es einen kleinen Avocado-Tomatensalat und ein Stück gekochten Maniok, die Wurzel ist in der peruanischen Küche sehr beliebt.

Arepas sind runde Maisfladen, die man in Latein- und Mittelamerika praktisch zu jeder Mahlzeit isst. Im Café Stockholm werden sie gefüllt: traditionell mit Bohnen oder mit Hühnchen, Avocado und Weichkäse. Außerdem gibt es noch eine Variation mit Lachs, Avocado und Weichkäse oder ganz einfach und vegetarisch mit Avocado, Kochbanane und Weichkäse (je 7,50 Euro). Übrigens: Arepas sind sogar glutenfrei.

Eine Getränkekarte gibt es nicht, man schaut einfach in die Kühltruhe an der Bar und schenkt sich selbst ein (je 2 Euro). In der Truhe stehen keine hippen Schorlen oder ausgefallenen Limonaden, es gibt Cola, Fanta und Wasser aus der – Obacht – Plastikflasche. Der Kaffee kommt, wenn es in dem kleinen Eckcafé mal voll wird, nicht aus der Siebträgermaschine, sondern ist einfacher Filterkaffee. Nicht, weil das gerade hip ist, sondern weil’s einfach ist und trotzdem schmeckt.

Wer geht da hin?

Eine Zielgruppe hat das Café Stockholm nicht. Jeder ist willkommen – und deshalb fühlt sich auch gleich jeder wohl. Obwohl das Café ziemlich zentral liegt, ist es immer noch ein Geheimtipp, weil man sich in die kleine Straße zwischen Arnulf- und Marsstraße eher selten verirrt. Reservieren kann man nicht, das ist aber eigentlich auch gar nicht nötig. Und falls es doch mal etwas voller wird, rutscht man einfach ein bisschen enger zusammen.



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