Gerade richtig schummrig

Wer sich zwischen hektischem Büroalltag und Familienpflicht einen Whisky in gediegener Atmosphäre gönnen will, der ist hier richtig: Das Tabacco an der Hartmannstraße ist eine Bar wie gemacht für den Feierabend-Drink.

Im Leben eines jeden Mannes kommt der Zeitpunkt, von dem an er nicht mehr ausgeht, um etwas zu erleben : Jede Jagd ist gejagt, das Leben situiert, die Abenteuerlust zusammen mit den Hörnern abgestoßen. Nun möchte der Mann nur noch eines: zwischen dem karrierewirksamen Rattenrennen in der Firma und der nicht minder fordernden Familie zu Hause für eine Stunde seine Ruhe haben, und einen Drink dazu.

Doch wie sieht eine Bar aus, die sich ein Mann wünscht für diese Zwischenzeit, für diesen Moment der Freiheit? Vielleicht denkt er an einen englischen Club, wie man ihn gelegentlich im Fernsehen sieht, wo Gentlemen im Tweedsakko vom Whisky nippen. Dieses Szenario beinhaltet zwingend schwere Ledersessel und Wandpaneele aus dunklem Holz zur Erzeugung eines angenehmen Hagestolz-Gefühls – des Gefühls, Herr seiner Entscheidungen zu sein, nicht nur ein von Sachzwängen Getriebener.

Hinein also in die Hartmannstraße, gegenüber dem Bayerischen Hof, und durch die Schwingtür ins “Tabacco”: Ledermöbel – vorhanden. Wandpaneele – ebenfalls. Whiskysorten gibt’s am laufenden Meter, und angesichts des Namens der Bar noch einmal die Gelegenheit, jene Weltbeglücker zu verfluchen, auf deren Aktivitäten eine Absurdität gegründet ist wie eine Bar, die Tabacco heißt, in der das Rauchen aber verboten ist.

Ansonsten aber lässt sich’s sehr gemütlich herumsitzen an den Tischen und am Tresen, vorzugsweise natürlich mit anderen Männern, die sich ebenfalls diese Stunde gestohlen haben, bevor auch sie nach Hause müssen zu Hemden, Heizöl, Hausaufgaben. Es muss nicht viel geredet werden, wie ja Männer sowieso nicht viele Worte zu verlieren brauchen, um sich ihrer Freundschaft zu versichern. Am Lagavulin riechen, den Whisky Sour schütteln und ab und zu einen grunz-ähnlichen Laut von sich geben als Zeichen der Zufriedenheit mit der Situation – das reicht Männern, um hinterher von einem gelungenen Abend reden zu können.

Wenn kein Abendessen wartet daheim, gibt’s im Tabacco eine kleine, feine Speisekarte – relativ einzigartig darauf dürfte die Sülze mit Pesto und Bratkartoffeln sein, wer auf Low-Carb-Diät gesetzt ist, kann aber auch ein erstklassig gebratenes Filetsteak bekommen, ohne was dazu, wie es Männer mögen. Das ist alles nicht ganz billig, das Steak kostet 40 Euro, die Sülze 12,90, die Getränkepreise gehen ebenfalls eher in Richtung Schumann’s als in Richtung Atzinger. Den Männern jedoch, die sich diese eine Stunde am Tag gestohlen haben, denen dürfte der Preis dafür nicht zu hoch sein, rechnet man noch den ebenso professionellen wie diskreten Service ein.

Später am Abend übernimmt oftmals eine andere Klientel das Kommando im Tabacco: Da wird’s manchmal sehr blond. Der Mann zwischen Rattenrennen und Familie ist da aber schon lange zu Hause und freut sich, dass diese Jagd für ihn schon lange ausgejagt ist.