Gipfelbier am Johannisplatz

Das Weinlokal am Johannisplatz macht auf Anhieb vieles richtig – und ähnlich wie der Vorgänger. Die Berghütten-Atmosphäre funktioniert, nur die Kuhglocken fehlen.

Bei Neueröffnungen ist es ja oft üblich, den Raum so deutlich umzugestalten, dass gleich klar ist: Hier ist jetzt etwas ganz anders. In der Hinsicht muss man in der ehemaligen Weinbar Goldloch am Johannisplatz genau hinsehen, um die Unterschiede zu erkennen, die es nun im neuen Kim&Co gibt. Die klare Botschaft lautet: Wir machen nicht viel anders als die Vorgänger. Warum auch? Das Goldloch lief gut, nur dem Betreiber war es irgendwann zu viel.

Am Johannisplatz 11, auf einem dreieckigen Grundriss, ist man sicher an einem der ruhigsten und zugleich zentralsten Orte der Innenstadt. Es herrscht eine Art Berghütten-Atmosphäre, wie eine städtische Wein-Berghütte. Der Blick aus den Fenstern geht auf die Wiese vor der Kirche, auch draußen ist bestuhlt. Drinnen steht auf Holzdielen die bewährt einfache Einrichtung. Ein paar Tische, die Karte über der Theke mit Kreide an eine Tafel geschrieben, die Küche offen, eine Treppe führt runter in den Weinkeller.

Feierabend mit Gipfelbier

Gut, statt der Kuhglocken läuten eben hier die der Johanniskirche, und ab und an fährt auch eine Tram vorbei. Aber ansonsten fühlen sich die vier kleinen Stufen am Eingang wie ein Mini-Anstieg auf die Hütte an, auf der man nach dem anstrengenden Stadt-Tageswerk seinen Feierabend mit Gipfelbier oder -wein verbringen kann. Die dezente Trinkempfehlung kommt dann auch gleich in den Kühlkrügen aus Steingut mit der Aufschrift: Save water, drink wine.

Aus den Boxen singt ein entspannter Ryan Adams. Es gibt warme Antipasti (9 Euro) auf wuchtigem Tonteller, dazu einen Mondino Fritz (5) und anschließend einen Salore, einen Negroamaro aus Apulien. Hier in der Haidhauser Hütte treffen sich das mittdreißiger Damenpaar zum Tresenratsch, die kleine Afterwork-Männerrunde in Filzsakkos – oder die Familie am Ecktisch. Die beginnt gleich mit der Dessertauswahl und dem Für und Wider eines französischen Schokokuchens Reine de Saba (4), ehe das Backhendl (14,50) aus der Küche duftet und man doch am Beginn der Karte einsteigt. Am Ende lohnt sich ein Espresso aus der Ducale-Siebträgermaschine – das stärkt für den Heimweg.

Ob Weinkenner, Weinentdecker oder notorische 0,3-Biernipper, sie alle können bei Chefin Kim Mahr von Staszewski und ihren Co-Kellnern einkehren und eintauchen in eine ruhige kleine Abendwelt, in der alles leicht wirkt und ist – bis auf die ganz schweren Weine.