Rote-Bete-Hummus-Brot, Acai-Bowl, Mango-Ananas-Smoothie und Ingwer-Zitronen-Schorle in der Shotgun Sister Coffeebar.

Glücklich mit Rote-Bete-Brot

Die “Shotgun Sister Coffeebar” in Obergiesing ist bodenständig und entspannt. Schnödes Rührei sucht man auf der Karte aber vergebens. Stattdessen gibt es Rote-Bete-Brote und Açaí-Smoothies.

Wo sich im Univiertel oder im Glockenbachviertel ein hippes Café ans nächste reiht, kann es in Obergiesing schon mal länger dauern, bis man fündig wird. Aber es gibt welche, man muss sie nur entdecken. Im Erdgeschoss eines unscheinbaren Nachkriegsbaus an der Deisenhofener Straße etwa versteckt sich ein kleines Café mit recht kryptischem Namen. “Shotgun Sister Coffeebar” steht da in großen Lettern auf der Fensterscheibe. Und darunter: “Out of the Ordinary”.

So außergewöhnlich sieht es dann drinnen gar nicht aus, eher schlicht, aber durchaus behaglich. Unbehandelte Holztische und Stühle wie aus einem Klassenzimmer paaren sich mit ausgesuchten Stücken vom Flohmarkt. Hier ein 50er-Jahre-Samtsessel, da eine rüschige Nachttischlampe, überall verteilt getrocknete Blümchen in Glasflaschen und kleine Kakteen auf den Tischen. Auf einem Regalbrett stehen hübsche Bildbände mit Titeln wie “Fermentieren” oder “Gesund kochen ist Liebe”. Als Wanddeko dienen nur ein altes Sprossenfenster und an anderer Stelle ein Poster der schwedischen Band Friska Viljor. Inhaberin Katharina Böttger, die hinter der kiosk-artigen Theke Kaffee macht, ist großer Fan der Indie-Folk-Rocker. Der Titel ihres Lieblingslieds: “Shotgun Sister”. So sollte auch ihr Café heißen, als sie es im Mai 2017 eröffnete. Auch wenn ihr bewusst war, dass wohl die wenigsten mit dem Namen etwas anfangen können.

Man merkt, dass es Böttger nicht darauf ankommt, es anderen recht zu machen. Sie hat das Café so hergerichtet, dass sie selbst sich hier wohlfühlt. Und diese Authentizität wiederum strahlt der kleine Laden aus. Zum unkonventionellen Charakter trägt auch bei, dass man sich einfach selbst am Kühlschrank bei den kalten Getränken bedient und den Kaffee direkt an der Theke ordert. Bezahlen kann man später.

Böttger, die gebürtig aus Kassel kommt und in Berlin studiert hat, leitete zuletzt ein Autohaus in Augsburg. Sie schmiss den Job, um in München ein Café zu eröffnen. Warum? Die 35-Jährige zuckt mit den Schultern. “Ich liebe Bayern und habe schon als Studentin gerne in der Gastro gearbeitet”, sagt sie und lacht. Und mittlerweile habe sie sich in Obergiesing verliebt, ein “Viertel im Aufbruch”, wie sie es nennt. “Hier gibt es viele engagierte Menschen, hier passiert was.”

Was gibt es da und was kostet es?

Wer ins Shotgun Sister zum Frühstück kommt, darf nicht enttäuscht sein, wenn er die Klassiker à la Croissant mit Marmelade oder Rührei mit Speck vergeblich auf der Karte sucht. Stattdessen sollte man empfänglich sein für gesunde Sachen. Da wären zum einen die “Super Bowls”, etwa mit Knuspermüsli, Açaípüree und Kokoschips (5,90 Euro). Dann gibt es noch belegte Brote. Aber nicht mit Käse und Schinken. Hier kommt Rote-Bete-Hummus mit Feta obendrauf (5,40 Euro). Mit ein paar Apfelscheiben garniert, gibt die tiefrote Creme mit den weißen Käsewürfeln, serviert auf einem Holzbrett, ein hübsches Bild ab. Das belegte Brot schmeckt erstaunlich mild und gar nicht zu streng nach Rote Bete. Besonders beliebt ist aber das Avocado-Brot (5,60 Euro), das mittlerweile in Großstädten auch schon als Klassiker gelten darf.

Den ganzen Tag über bietet Böttger Erdnuss-Mandel- und Superberry-Smoothies (je 5,20 Euro) sowie Kokos-Zucchini-Bread (3,30 Euro) und verschiedene Kuchen an, viele davon vegan oder glutenfrei. Frische Zimtschnecken liefert die gleichnamige Giesinger Fabrik. Den Kaffee (ab 2,90 Euro) gibt es auch mit Soja- oder laktosefreier Milch (ohne Aufpreis) sowie mit Hafer- und Mandelmilch (+0,50 Euro). Ansonsten auf der Karte zu finden: “Golden Latte” (mit Kurkuma) und “Heiße Inge” – mit Ingwersirup aus Giesing (je 3,90 Euro).

Wer geht da hin?

Vor allem Menschen aus dem Viertel. Das kleine Café hat schon viele Stammgäste gewinnen können, die sich hier jeden Morgen ihre tägliche Dosis Koffein holen (natürlich im wieder befüllbaren ReCup-Pfandbecher) oder mittags entspannt neben der Zeitungslektüre ein Stück veganen Kuchen verputzen. Hier treffen sich Freundinnen, die sich bei einem Birchermüsli über ihren nächsten Yogakurs unterhalten (bei unserem Besuch am Nachbartisch so geschehen!). In der Shotgun Sister geht es entspannt zu, verscheucht wird keiner von seinem Platz. Bei seinem Besuch kann man sogar noch etwas Gutes tun. Das Café beteiligt sich an der Aktion “Brot am Haken”. Heißt: Wer mag, bezahlt einen Kaffee oder ein Stück Kuchen und heftet den Beleg dann an einen Haken. Jemand, der sich solch einen kleinen Luxus nicht leisten kann, darf sich dann ohne Angabe von Gründen den Zettel nehmen und einlösen.



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