In der Goldamsel in der Reichenbachstraße werden besondere Drinks gemixt - in ungewohnten Mengen. (Foto: Stephan Rumpf)

Glückliches Gezwitscher am Tresen

In der Goldamsel breitet sich eine neue Trinklandschaft mit gelungenen Mixturen und ganz verschiedenen Zwitscher-Habitaten aus.

Wenn der Untertitel einer neuen Bar “Glücklich zwitschern” lautet, hat man es entweder mit einer Absturzkneipe zu tun oder mit einer selbstironischen Barbetrachtung. Wer die Goldamsel in der Reichenbachstraße 37 betritt, weiß sofort, dass letzteres der Fall ist. In den früheren Räumen von “Tobi’s Kitchen” breitet sich jetzt eine neue Trinklandschaft mit ganz verschiedenen Zwitscher-Habitaten aus.

Links vom Eingang ist der Bereich Trinkhalle verortet. Auf ein paar hölzernen Stehtischen trinken hier Männerrunden ihre Biere. Ein paar Schritte weiter steht der Tresen, der völlig neutral gestaltet ist, mit leichter Individualisierung wie etwa den bunten Lampenschirmen und goldenen Kerzenkäfigen. Die Anspielungen auf die Vogelperspektive sind in der Goldamsel gerade so an der Grenze zur Aufdringlichkeit, das Gezwitscher in den Toiletten ein bisschen darüber hinaus. Die Bar wird geprägt von einer wuchtigen Kaffeemaschine und der Standard-Spirituosenflaschenwand, dezent beleuchtet wie der ganze Raum.

Der dritte Bereich ist der etwas gesetzteren Unterhaltung gewidmet. An halbrunden wuchtigen Marmortischplatten kann man hier mit Geburtstagsrunden sitzen, aber auch alleine. Von dort hat man dann einen guten Blick auf die letzte Goldamsel-Area, die sehr gesetzte Wohnzimmer-Welt mit zwei breiten Sesseln, in denen die Gäste zum hintergründigen Pop-House mitwippen können und überlegen, ob sie einen der Long-Shorts zu sich nehmen sollen. Tiny Tinis heißen die Drinks, die mit 0,1 Liter zwischen einem Schnaps und einem Cocktail liegen. Etwa die Sprizz Tour für vier Euro im Bonsai-Martini-Glas mit Olive, Gin, Aperol und Bergamotte Cordial, ein klarer, süßer Drink für den kurzen Flug.

Auch die Rubrik “Flaschenpost” ist unterhaltsam und schmeckt, hier werden kleine Flaschengetränke wie ein 0,15-LiterMartini Bianco & Tonic mit Salbei und Ingwer verfeinert. Unter dem Namen Freudenträne kostet der Drink dann fünf Euro. Im großen Format gibt es Kreationen wie den Sonnenkuss mit Wodka, Limoncello, Rosmarin und Tonic (8,50 Euro oder das Helle von Spaten (0,5 l für drei Euro).

Es muss auch bei der Zusammenstellung der Drinkauswahl ein glückliches Gezwitschere im Spiel gewesen sein, sonst hätte es nicht unter der Rubrik “Bubbles” der Champagner Bull (10,50) auf die Karte geschafft – auch das eine angenehm selbstironische Betrachtung der eigenen Bar-Branche.



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