Griechisch mal anders

Die junge griechische Küche ist in München angekommen: Das Restaurant Apostel’s in der Au verwandelt Klassiker wie Kleftiko in feine Gerichte. Und wer will, kommt sogar um den obligatorischen Ouzo herum.

Das alte Lokal in der Au an der Ecke Schweiger-/Zeppelinstraße hat nach dem Krieg viele Besitzer- und Namenswechsel und fast genau so viele Durststrecken erlebt. Als vor rund einem Jahr der Grieche Dimos Papadimitriou die von seinem Schwager neu eröffnete und rustikal eingerichtete Gaststätte übernahm und nach seinem Sohn “Apostel’s” benannte, scheinen bessere Tage für das Haus in der Nähe des Mariahilfplatzes angebrochen zu sein.

Die jungen Betreiber sind in Deutschland aufgewachsen; sie haben den wechselnden Erfolg älterer griechischer Lokale in München beobachtet und ihre Schlüsse daraus gezogen: Wenn man sich als Grieche gegen die wachsende Konkurrenz preiswerter asiatischer Lokale behaupten will, muss man etwas mehr bieten als gegrilltes Fleisch und Topfgerichte, die im Öl ertrinken.

Man muss sich dem in Deutschland üblichen kulinarischen Standard anderer Mittelmeerländer annähern, darf aber seine Wurzeln nicht verlieren. Man muss also versuchen, aus dem Eigenen das Beste zu machen. Auch kleine Übernahmen aus der gehobenen Gastronomie können nicht schaden. So werden die Gäste im Apostel’s derzeit mit einem Gläschen würziger Kartoffelsuppe als Gruß aus der Küche empfangen.

Das Gyros könnte man sich würziger vorstellen

Der Neuansatz lässt sich auch an den beiden Speisekarten ablesen. Auf der großen mehrseitigen Karte sind die Klassiker der griechischen Küche aufgelistet, die bekannten Vorspeisen und Grillgerichte. Was wir davon probiert haben, war jeweils recht vorsichtig gewürzt. Gyros beispielsweise könnte man sich durchaus würziger vorstellen. Die Materialien sind allesamt tadellos, die Portionen mächtig.

Auffällig ist die Sorgfalt, mit der die Beilagen zubereitet werden: Das Gemüse blieb mustergültig bissfest, die Kartoffeln konnten in allen vier Zubereitungsformen überzeugen, ja fast begeistern. Umso weniger versteht man, dass das Fleisch, das vom Grill kommt, wie in vielen anderen Lokalen immer mal wieder unschön angesengt ist: Kalbsleber beispielsweise büßt nicht nur ihre Zartheit ein, wenn sie zu lange auf dem Rost liegt, sie verliert auch ihren spezifischen Geschmack. Zu loben ist der Mann am Grill aber dafür, dass er die Dorade und den Loup de Mer schön saftig in der knusprigen Haut auf den Tisch gebracht hat.

In die große Speisekarte mit den Klassikern ist eine “Empfehlungskarte” mit den Spezialitäten des Hauses eingelegt. Fast alles, was wir von dieser Karte probiert haben, war, wie von der Überschrift versprochen, empfehlenswert. Lediglich beim Wildschwein in der interessanten Maronen-Pflaumen-Pinienkernsauce (16,80 Euro) war etwas zu beanstanden: Die Fleischbrocken waren entschieden zu hart.

Bei den Vorspeisen, die zwischen 3,90 und 10,80 Euro kosten, haben sich die mit Feta und Kräutern gefüllten, wunderbar leichten Spinatpuffer besonders eingeprägt. Zu loben sind auch das Carpaccio vom Oktopus mit der Zitronen-Vinaigrette und das feine Püree aus Gelberbsen, das mit Olivenöl und gerösteten Mandeln serviert wird. Den in einer Sesamkruste gebackenen Schafskäse, der eine Haube aus süßem Kirsch-Chutney trägt, könnte man sich auch als Dessert vorstellen.

Wie bei den Vorspeisen ist auch bei den Hauptspeisen – sie kosten zwischen 11,60 und 19,90 Euro – das Preis-Leistungs-Verhältnis gut. Keftedakia heißt das mächtige Gericht, bei dem zwei faustgroße Frikadellen in einer aromatischen Metaxa-Sauce mit Käse überbacken werden. Dazu werden Pommes Frites und ein erfreulich vielfältig gemischter Salat gereicht.

Im Apostel’s gibt es natürlich Bier vom Fass

Auch die Version des Klassikers Kleftiko, die im Apostel’s auf der Empfehlungskarte steht, hat Beifall verdient: Die Lammhaxe ließ sich wunderbar zart und saftig aus dem Pergamentpapier schälen, in dem sie gegart wurde. Der Knochen löste sich fast von selber aus dem umgebenden Fleisch. Und auch die beiden beigelegten Käsesorten Feta und Graviera, die Karottenstifte und die Rosmarinkartoffeln kamen in einem mustergültigen Zustand aus dem Ofen, vereinten sich also zu einer schmackhaften Mahlzeit.

Wie weit sich die neue Generation der griechischen Wirte von den Vorstellungen der Vätergeneration entfernt hat, lässt sich oft auch an den Getränken ablesen. Im Apostel’s gibt es natürlich Bier vom Fass. Beim Wein versuchen die Wirtsleute etwas von den Fortschritten zu vermitteln, die den Weinerzeugern Griechenlands in den letzten Jahrzehnten gelungen sind.

Schon die vier Weine, die auf der Empfehlungkarte stehen und auch offen ausgeschenkt werden (0,2 zu 5,90 Euro), deuten etwas an von den großen Möglichkeiten der autochthonen griechischen Reben. Die in den Neunzigern wiederentdeckte alte Rebsorte Malagousia aber kann sich, wenn ihre spezifische Würze kultiviert wird, mit fast allen Weißweinreben der Welt messen. Besonders eindrucksvoll ist die Abfüllung der Kellerei Axa (24,90 Euro).

Im Apostel’s muss man den “Abend beim Griechen” nicht mit dem obligaten Ouzo beschließen. Man kann sich auch einen Tsipouro genehmigen, also einen jener Tresterschnäpse, die in den letzten Jahren im Preis wie in der Qualität dem Standard italienischer Grappa-Sorten angepasst worden sind .