Grundsolides Bayern

Im Allacher Gasthaus Würmtalhof pflegen die Wirtsleute eine bodenständige Küche. Das eine oder andere Gericht klingt nach echtem Chaos auf dem Teller – und schmeckt trotzdem hervorragend.

Was Bayern und die Bayern angeht, ist außerhalb des Landes alles klar: Bayern ist ein Land mit seltsamen Ureinwohnern, das einer seltsamen Partei namens CSU gehört, und einem Ministerpräsidenten, der auf Nicht-Bayern mehr als seltsam wirkt. Wenn man bedenkt, dass Bayern jenseits seiner Landesgrenzen derzeit als sichere Lachnummer gilt, ist es doch erstaunlich, dass bayerische Wirtshäuser von vielen dieser Spötter hoch geschätzt werden. Aber, mal ganz ehrlich, werden sie, von einigen Ausnahmen abgesehen, nicht überschätzt? Wenn der rausgeworfene Krempel eines Bauernhofes aufpoliert an den Wänden hängt, die Bedienungen in einer Art Tracht herumlaufen und riesige Schweinshaxen auftragen, hat das mit traditionellen bayerischen Wirtshäusern nichts zu tun. Hin und wieder gibt es sie noch, aber sie sind rar geworden, vor allem in den Städten.

Seit vor ein paar Jahren neue Wirtsleute den alten, nicht mehr florierenden Würmtalhof in Allach übernommen haben, herrscht ein frischer Wind in Küche und Gaststube. Der mit hellem Holz getäfelte Raum mit einem Unikum von Kronleuchter und ein paar Bildern, von denen wuchtige Säuferschädel auf die Gäste herabblicken, ist urgemütlich. Die Tische sind – bis auf den blanken Stammtisch bei der Theke – immer adrett gedeckt. Die Stoffservietten zeigen, dass hier Wirte mit Ambitionen walten. Ambitionen, die nicht darauf abzielen, nun auf Teufel komm raus, die bayerische Küche neu zu erfinden, sondern sie von zu viel Mehl und Fett zu befreien, ohne ihr das Bodenständige zu nehmen.

Der Laden brummt

Das gelingt in den meisten Fällen sehr gut. Dass der Laden wieder richtig brummt, zeigt, dass dieses Konzept richtig war. Ohne Reservierung ist kaum ein Platz zu bekommen. Vor dem Haus gibt es ein paar Tische an der lauten Eversbuschstraße, hinter dem Haus einen lauschigen Garten zur Würm zu.

Sehr beliebt – und das mit Recht – ist das gegrillte Kalbsherz mit Rotweinsauce, Bratkartoffeln und gemischtem Salat (11,90), ein Gericht, das nur noch selten in Gasthäusern zu bekommen ist. Der Kalbstafelspitz mit Meerrettichsoße und Wirsing hätte kaum besser sein können (13,80). Die kräftige Brühe vom Tafelspitz wurde mit einem gut gewürzten Lebernockerl und einem absolut nach nichts schmeckenden Grießnockerl serviert (3,90).

Besonders gut fährt der Gast mit dem “Tagesknüller”, in diesem Fall ein echtes Wiener Schnitzel aus gutem Kalbfleisch mit Kartoffelsalat und Preiselbeeren für nur zehn Euro. Zum ordentlichen gebackenen Rotbarsch gab es ebenfalls Kartoffelsalat, diesmal mit Gurken und leider recht fad. Das Münchner Schnitzel (12,90), zwei Schweinsschnitzelscheiben mit Senf unter der Panade, schmeckte gut, hätte aber etwas zarter sein können, und die Bratkartoffeln wären weniger fett besser geraten. Zum ausgezeichneten Zwiebelrostbraten gab es köstliche grüne Bohnen und in einem Extraschälchen Bratkartoffeln, wieder viel zu fette (17,40).

Gerichte für den großen Hunger

Gegen sehr großen Hunger ist der Fränkische Spießbraten die richtige Medizin. Die zwei großen, mürben Schweinsbratenscheiben waren gefüllt mit Brät, das mit gehackten Gewürzgürkchen vermischt war – eine sehr schmackhafte Kombination (14,80). Dazu gibt es Salat und zwei Semmel- oder auf Wunsch Kartoffelknödel. Das Entengröstl vom Mittag konnte sogar einen Vielfraß an den Rand seiner Möglichkeiten bringen: Entenstücke, Speck, Zwiebeln, Kartoffeln und Sauce, ein wildes Durcheinander, das aber sehr gut schmeckte (7,00).

Die Kalbsleber Berliner Art war von besten bayerischen Adoptiveltern, an ihrer Zubereitung gab es nichts zu mäkeln (14,80). Recht gewagt klang eine Vorspeise von gegrilltem Ziegenkäse mit Honig und Thymian auf gegrilltem Gemüse – grüne und weiße Spargelspitzen mit Chili. Sie war ein Gedicht, wenn auch ein recht scharfes. Die Portion reichte leicht für zwei (8,90 die Einzelportion, auf zwei Tellern serviert 10,90).

Es war nicht einfach, noch Platz für ein Dessert zu finden. Für die Bayerische Creme mit Himbeermark im Weinglas lohnte es sich, den Magen noch etwas zu dehnen (5,50), während die recht gute Creme brûlée durch das beigefügte Schokoladeneis einfach überladen war (6,00).

Wie in München fast überall üblich, ist auch im Würmtalhof der Wein teuer, zu teuer (Schoppen Grüner Veltliner 5,10), also hält man sich am besten an die guten Maisacher Biere (Halbe Hell 3,30).