Hart an der Clubgrenze

Im “Lucky Who” trifft man sich bisher zum Vorglühen – und bald vielleicht zum Tanzen: Die Bar in der Maxvorstadt soll künftig auch als Club betrieben werden. Statt eines Eintritts kaufen Gäste dann für drei Euro ein Los – in der Hoffnung, eine Flasche Wodka zu gewinnen.

Wenn John Hohberg über die Getränkekarte im “Lucky Who” spricht, klingt er ein bisschen wie Berti Vogts . “Im Barbereich sind wir in der Tiefe relativ breit aufgestellt”, sagt der Clubbetreiber, was schon recht nah rankommt an den einstigen Bundestrainer, der seine Freude über den Fußballnachwuchs in den unnachahmlichen Satz goss: “Die Breite in der Spitze wird immer dichter.” Jetzt ist der Vergleich mit Vogts allerdings ein wenig unfair, steht der Mann doch eher für die dunklen Rumpelzeiten des deutschen Fußballs. Das “Lucky Who” dagegen hat mit dunklen Zeiten nichts zu tun. Um im Bild zu bleiben: Es ist eher Guardiola als Vogts – frisch, kreativ und mit vielen neuen Ideen.

Der Anspruch der fünf Bosse um Hohmann, der auch das “Beverly Kills” in der Müllerstraße betreibt, ist dementsprechend nicht ganz unbescheiden. “Lucky Who” heißt der Laden an der Brienner Straße in der Nähe des Odeonsplatzes, weil “hier jeder glücklich wird”, wie Hohberg sagt. Man kann ihm diesen hochtrabenden Satz nicht um die Ohren hauen, er trifft nämlich durchaus zu – und das liegt zu einem guten Teil an der nicht nur optisch famosen Cocktailkarte.

Vom “Sex am Flaucher” über “Frangelico Sour” und “Gin Basil Smash” hat jeder der 7,50 bis 8,50 Euro teuren Cocktails ein eigenes buntes Erkennungsbildchen verpasst bekommen. Die Karte könnte man durchaus ein paar Meter weiter im Kunstareal ausstellen, was zum Ärger der Betreiber auch die Gäste bereits bemerkt haben. “Da wurden uns schon einige stibitzt”, sagt Hohberg.

Viel wichtiger aber sind natürlich die Cocktails selbst, die nur mit frisch gepressten Säften und hausgemachten Sirupvarianten zubereitet werden. Zum Beispiel der Gletschereissirup im “LL Cool J”, der mit Gin, Zitrone und Minze daherkommt. Eine andere Eigenkreation ist der “Freshmaker” mit Wodka, Limette, Wassermelonen-Kaffirblatt-Sirup und Ingwerlimonade. Das “Lucky Who” hält was auf seine Bar, die Tiefe in der Getränkekarte, von der Hohberg spricht, zeigt sich alleine an den 33 Sorten Gin, aus denen der Gast wählen darf.

Im vorderen Teil des Ladens servieren die Bedienungen abends Burger, es gibt sogar eine Mittagskarte für die Angestellten aus der Umgebung. Um 18 Uhr wird das “Lucky Who” zur Vorglühbar, in der das bunt gemischte Publikum etwas trinken soll, bevor es in einen Club weiterzieht. Mit den grün gepolsterten Bänken, dem dunklen Holz und den mit Knisterpapier ausstaffierten Lampenschächten in der Decke könnte das “Lucky Who” aber selbst ein Club sein.

Die Betreiber lassen es nach der Eröffnung im August erst einmal etwas ruhiger angehen. Ende der Woche legt immer ein DJ auf, höchstens zweimal im Monat organisieren sie eine größere Party. In naher Zukunft soll das “Lucky Who” aber schon auch einmal als Club betrieben werden. Statt eines Eintritts kaufen die Gäste dann für drei Euro ein Los, mit dem sie eine Niete ziehen, oder eine Flasche Wodka oder einen Cocktail gewinnen können. Da wären wir dann wieder beim Namen: Lucky Who?