Hier wird ausgezeichnet gekocht und getafelt: Das Hippocampus in Bogenhausen gilt als einer der besten Italiener der Stadt. (Foto: Stephan Rumpf)

Hervorragende “Classici” bei einem der besten Italiener Münchens

Im Hippocampus wird ausgezeichnet gekocht und getafelt – und das schon seit mehr als 20 Jahren. Nur: Schnäppchen kann man hier nicht erwarten.

Von einem Geheimtipp zu sprechen, verbietet sich hier, an einer der schönsten Ecken Bogenhausens , von vornherein. Das Restaurant Hippocampus hat eine stattliche Zahl an Stammgästen. In einem Online-Portal schreibt ein Bewerter: “Waren an einem Wochentag mittags dort essen. Angesichts der Anwesenheit von fast ausschließlich nur Anzugträgern fühlten wir uns ein wenig underdressed. Das Essen war sehr gut.” Mittags kommen viele Angestellte aus den umliegenden Büros, Leute vom nahen Prinzregententheater sollen das Hippocampus auch sehr schätzen. Eine Reservierung ist also stets zu empfehlen.

Wie ja auch die wahre Liebe mitunter nach dem zweiten Blick erst entbrennt, so kann es dem Besucher des Hippocampus auch ergehen. Der große Speisesaal wirkt zunächst zwar angenehm, aber vielleicht ein wenig bieder. Genaues Hinsehen lohnt sich jedoch. Liebevoll haben die Betreiber die Details der Einrichtung aus Frankreich und Italien zusammengetragen: dunkles Nussholz für die Wandvertäfelung, gemaserten Marmorfußboden aus Siena, Jugendstilleuchten aus einem alten Grandhotel.

Und wenn Gerüchte zutreffen sollten, dass irgendwann die warme Jahreszeit zurückkehren sollte, dann gibt es noch den schönen und geräumigen Garten, in dem man speisen und die Prachtfassaden ansehen kann. Keine unangemessene Umgebung also für einen der besten Italiener der Stadt, erst vergangenes Jahr hat der Gault Millau 2018 dem Hippocampus wieder beachtliche 15 von 20 Punkte verliehen.

Es erstaunte Peffekoven daher wenig, wie ausgezeichnet hier gekocht und getafelt wird. Seit 1996 residiert das Hippocampus hier, Zeit genug, auf der mehrsprachigen Speisekarte “I nostri classici” vorzuhalten, unsere Klassiker. Dazu zählt das Vitello tonnato mit einer würzig-feinen Kapernsauce und Salat – für 16,50 Euro, und wirklich chilifeurige Spaghetti aglio, olio e peperoncino. Zu den Standards gehört auch, für 33 Euro, die Tagliata, scharf gebratenes Rindfleisch auf Kartoffeln mit Artischocken und Parmesansplittern – die gelungene Verfeinerung eines eher derben italienischen Küchenklassikers.

Schnäppchen kann man hier natürlich nicht erwarten, aber gemessen an der Leistung und zumal für Münchner Verhältnisse sind die Preise sehr akzeptabel. Das Überraschungsmenü mit vier Gängen kostet ab 62,50 Euro.

Bei den Vorspeisen überzeugten kross gebratener Oktopus mit zarter Safransauce und die originellen Büffelricotta-Krapfen mit Pappelpilzen und schwarzen Trüffeln (je 17 Euro). Sehr erfreulich war auch die kross gebratene Perlhuhnbrust auf Wirsing und Kürbis mit Speck (26,50 Euro), weil sie die Kunst der Hippocampus-Köche so deutlich werden ließ. Wirsing und Kürbis – zwei winterliche Gemüse, die sich nicht nur farblich schön ergänzen. Das ins Süßliche tendierende Aroma des Kürbis’ wird durch Speck und Wirsing ins Deftige gehoben. An Rezepten, die durch Kokos und Karotte das Süße des Kürbis’ herausarbeiten, herrscht ja kein Mangel. Was für eine Wohltat, wenn dem Kürbis einmal anderes widerfährt. In der Nebenrolle wird er zum Vergnügen, als Hauptprotagonist fällt er einem schnell auf den Wecker. Die begleitende Köchin an Peffekovens Seite rühmte zudem, wie kross die Perlhuhnbrust geraten war. Bequemlichkeit, erzählte sie, lasse sie beim Braten regelmäßig nach der beschichteten Pfanne greifen. Darum also keine knusprigen Keulen daheim.

Auch bei den Jakobsmuscheln (18 Euro) machte sich der Kürbis ganz klein. Er sorgte nur dafür, dass eine Creme entstand. Den Limetten verdankt die Creme die Frische, sie stillen die Sehnsucht nach Sonne, Licht und Spritzigkeit, die dem Winter und seinen Gemüsen so abgeht. Feiner und aromatischer als ihre großen Schwestern, die Zitronen, gehören sie zur leichten asiatischen Küche. Über die Sesamblätter freute sich Peffekoven sehr, er hatte sie noch nie gegessen: In Wasser gekocht werden die minzigen Blätter zu einem Sud, der gegen Übelkeit und Erkältungen wirken soll.

Der sehr achtsame, auch bei Höchstbetrieb nie ins Schleudern geratende Service und eine hervorragende, gut 160 Positionen umfassende Weinkarte unnter anderem einen erdigen, gehaltvollen Terlaner Sauvignon der Kellerei Winkl, einem der jungen Shootingstars aus Südtirol, 44,50 Euro) runden die Freude ab. Wie immer möchte Peffekoven, ohnehin im Zustand wohliger Sättigung, eigentlich auf Nachspeisen verzichten, weil er sich erhaben wähnt über zuckrige Desserts und außerdem, ja doch, auf die Linie achtet. Dann ist es doch wieder diese farbenfrohe und verspielte Vanille-Schokoladen-Tartelette mit leicht pikanten Tropenfrüchten (13 Euro), die ihn diesen Restaurantbesuch ehren und preisen lässt, als er dann an einem kalten Winterabend aus der Tür in die Dunkelheit stolperte.