Hier isst man “pfenningguad”

Wohin, wenn einem nach dem Wandern der Magen knurrt? Im Landgasthof Altwirt zu Großhartpenning sitzt man nicht nur schön, auch die Küche ist ihr Geld wert.

Ab und zu treibt es einen raus aus der Stadt. Das Oberland ist ja nicht weit, und sofern man nicht mit dem Auto in einem Stau stecken bleibt und Oberlandbahn respektive S-Bahn nicht zicken, ist man in einer halben bis Dreiviertelstunde zum Beispiel in Holzkirchen. Wenn dann auch mal das Wetter, die alte Oberzicke, mitspielt, gibt es in der Gegend eine ganze Menge Möglichkeiten für schöne Wanderungen oder Spaziergänge. Seen, Bergblick – alles da. Und wo essen? Der Tipp kam von einem Einheimischen: “Probiert’s hoid den Altwirt in Großhartpenning”, so die Empfehlung. “Da sitzt ma schee.”

Na gut, weil schee sitzen im Prinzip nichts Schlechtes ist und der Tippgeber aus Holzkirchen die Küche lobte, stand einem Besuch im Landgasthof Altwirt nichts im Wege. Und in der Tat: Wer bei sonnigem Wetter einen Platz auf der Terrasse ergattert, wird mit einem sehr schönen Blick über weite Wiesen mit den Bergen im Hintergrund belohnt. Regnet es, lohnt sich dennoch ein Besuch. Zwar ist der große Restaurantbereich ein Kind seiner Zeit: 2003 hat Wirt Hans Vogl Hotel und Landgasthof eröffnet. Und damals waren eben hellere Töne und teilweise oder ganz geflieste Böden schwer en vogue.

Das Stüberl nebenan ist indes gemütlich eingerichtet, mit Holzvertäfelung, Hergottswinkel und Wolpertinger an der Wand und einem großen Kachelofen in der Mitte des Raumes; vom Stammtisch tönt es angenehm Oberbairisch herüber. Als hätte sie jemand als Heimatdarsteller extra für Oberlandtouristen engagiert, waren bei einem Besuch auch Trachtler zugegen, natürlich in Miesbacher Tracht. Das freut den Städter, der ja sonst vor allem während der Wiesn Fantasie-Folkloreoutfits zu sehen bekommt.

Die historische Optik der Stube ist der Tradition geschuldet. Am selben Ort wurden schon vor mehr als 200 Jahren Gäste bewirtet, das ursprüngliche Wirtshaus musste jedoch einem Neubau weichen.

Doch egal in welchem Ambiente man tafelt, das Essen im Altwirt überzeugt nicht nur jene, die vom Wandern einen Mordshunger haben. Zum Beispiel der Spargelsalat: Der war mit einem milden Sherry-Dressing angemacht und wurde mit einem gekochten Ei und Prager Schinken serviert (12,50 Euro). Spargel können sie im Altwirt: Die fünf Stangen mit Parma- und Prager Schinken, die für 18 Euro als Hauptspeise auf den Tisch kamen, waren perfekt gegart, die Sauce Hollandaise hatte ein angenehmes Bouillon-Aroma, nur der Schinken war für den Geschmack eines der Tester zu fett.

Hier gibt es kein liebloses Gekoche

Deftig wie delikat war das Blutwurstgröstl, das auf Rettichscheiben angerichtet war und dadurch eine dezente Schärfe und Frische erhielt (8,80). Schön rosig und zart war das Hüftsteak geraten (22,50), Freude machten auch der Bullentafelspitz (15,50), serviert mit frischem Meerrettich, Butterkartoffeln und Spinat, und der Zwiebelrostbraten für 19,50 Euro (dessen Soße nicht ganz so viel Salz gebraucht hätte). Die Ochsenbackerl (15,80) zergingen regelrecht auf der Zunge, ebenso das Saiblingsfilet (17,80).

Ach ja, weil bei einem der Besuche der Winter zurückgekehrt war, gab es auch Suppe, und zwar Brezensuppe mit abgeschmelzten Zwiebeln und Leberspätzlesuppe (je 4,20), auf deren Brühe ein paar Fettaugen schwammen – ein eindeutiger Qualitätsbeweis. Die offenen Weinempfehlungen zeigten, dass man für solide Qualität im Restaurant nicht immer viel bezahlen muss. Der erfrischende Grüne Veltliner von Hermann Moser aus dem Kremstal sowie der samtige Lagrein von Muri Gries in Bozen kosteten je Viertel 6,90 Euro, mit dieser Auswahl macht man als Gast nichts verkehrt. Und als Nachspeis gab es einen Kaiserschmarrn (7,80), der vom Geschmack her nicht zu mehlig war, wie es oft vorkommt, sondern richtig nach Eiern schmeckte; das dazu gereichte Apfelkompott schmeckte nach Apfel und nicht nur nach Zucker. Sollte eigentlich immer so sein, denkt man sich, bekommt man aber nicht immer so vorgesetzt.

Erfreuliches Fazit: Der Altwirt ist ein bayerisches Lokal, das uns bei unseren Besuchen mit einer bayerischen Küche überzeugte, wie sie sein soll. Hier wird nicht Haute Cuisine angekündigt und dann Kantine serviert. Im Gegenteil: Alles ist erwartbar bodenständig und auf einem Niveau, das sich deutlich von dem lieblosen Gekoche mancher Land- und Ausflugsgasthöfe abhebt. Pfenningguad, nennt das der Bayer, einwandfrei. Nettes Detail: Gästen mit Sehschwäche stehen verschiedene Lesebrillen zur Verfügung, damit sie auf der Speisekarte ja nichts übersehen. Denn das wäre tatsächlich schade.