Hier übertönen die Gäste das Radio

In der Bucci-Bar gibt es gutes Essen und gute Drinks – aber in einer Bar ist das Gespräch eben doch das Wichtigste.

Eine italienische unterscheidet sich von einer deutschen Bar in vielen Dingen, mit der Uhrzeit geht es da schon los. In die Bar in Italien geht man nicht erst abends wie hierzulande, sondern morgens vor der Arbeit schon einmal zum schnellen Frühstück oder zum etwas langsameren Kurzratsch bei einem caffé , bevor dann im Büro die Rechner hochgefahren werden.

Eine Bar ist dort Tagestreffpunkt, von morgens bis abends, vom lungo bis zum Longdrink, vom Streit über den Angriff Lazios bis zur Abwehr der Fiorentina, von der heißen Schokolade bis zum kalten Sprizz. Reinkommen und dazugehören, so schnell geht das nur in Italien, al bar . Oder in der Occamstraße.

In der seit Sommer 2015 an der Hausnummer 9 beheimateten Bucci-Bar der Brüder Franco und Sante Bucci kann man diese spezielle Atmosphäre erleben. Wichtig ist zum Wohlfühlen, dass so ein Ort nicht zu arg besonders sein will. Kein offensives Gestaltungskonzept mit nackten Rohren oder unverputzten Wänden und Sperrmüll-Style, sondern schlichte Möbel, alles funktional.

Ein paar Tische, an denen sich ab 16 Uhr nach und nach die Gäste einfinden. Der Handwerker trinkt im Blaumann mit seiner Freundin einen an der Theke, er Augustiner, sie Wein, während zwei junge Frauen bei einem Cappuccino über ihre Beziehungssituationen diskutieren – es ist schwierig. Die beiden Herren in grauen Anzügen und Frisuren reden über ihre Finanzsituationen – es ist rosig.

Hinten in der kleinen durch ein Panoramafenster einsichtigen Küche ist Sante Bucci zu hören an seinen Küchengeräten, er reicht dem Bruder zwei Teller Gnocchi mit Basilikum und Tomaten raus (9,50 Euro). Der hört allerdings erst noch seinem Landsmann am Tresen zu, der von einer Leber-Mortadella schwärmt und darauf einen Schluck vom Mezzodi-Sprizz nimmt, einer etwas würzigeren Aperol-Sprizz-Variante (6,50), noch kräftiger ist der Ramazzotti-Sprizz mit Basilikum.

Auch bei der Getränkeauswahl halten sich die Bucci-Brüder an Bewährtes, Experimentelles gibt es nicht. Peroni und Moretti-Bier ist im Angebot, aber auch Augustiner (0,33 Liter zu 2,80). Leicht an die Umstände der Occamstraße angepasst ist allerdings die Gin-Auswahl mit mehr als 20 Sorten, die Distillers-Bar gegenüber braut ihren eigenen Gin und das So.Cal nebenan ist auf Gin-Cocktails spezialisiert.

Gute Drinks, gutes Essen, gute Gespräche

Franco Bucci reichen bislang noch Longdrinks. Ist vielleicht auch gut so, sonst käme er kaum mehr zum Reden bei permanentem Gemixe. Und Reden ist in einer Bar eben noch immer das Wichtigste. Gutes Essen, ja, gibt es, gute Drinks auch. Aber in einer italienischen Bar übertönt die Gesprächslautstärke fast immer das dazu dudelnde Radio.

Am Abend, die Tische sind alle besetzt, läuft italienischer Schnulzenfunk, den man nur aushält, weil die Sprache so schön klingt, weiter Diskussionen über Fußball und Freunde an den Tischen laufen, während Franco und Sante das Bar-Gespräch am Köcheln halten. Wie man ihr Lokal ausspricht, will ein Gast wissen. “Wie Gucci, nur mit B”, sagt Bucci. Luxus, den gibt es auch in der Occamstraße, den des entspannten Wohlfühlens.