Hinterm Mittelmeer geht’s weiter

Das Fugazi No 15 am Baldeplatz ist der Nachfolger des Münchner Szene-Klassikers Zoozie’s und will es anscheinend allen recht machen. Das klappt oft – aber leider nicht immer.

Das ist jetzt echt ein gemeiner Anfang, aber manchmal ist Rosa Marín froh, dass sie und ihre kulinarischen Kollegen jedem neuen Restaurant 100 Tage Zeit geben, bevor es ans Eingemachte geht. Das ist einerseits fair, weil Küche und Kellner sich einspielen können. Andererseits profitieren die Tester der Kostprobe davon: So spart man sich manch illustren Eröffnungsabend.

In München gehen diese bekanntlich nicht ohne örtliche Prominenz über die Bühne. Im Fugazi No 15, so hört man, waren beim Opening sage und schreibe drei Ex-Frauen von drei Ex-Fußballspielern anwesend. Das hat dieses neue Restaurant wirklich nicht verdient.

Klar, die Damen sehen die Lokalität immer, wenn sie mit ihren Karossen direkt an der Isar Richtung Süden gen Grünwald brausen. Dem gemeinen Publikum aber ist die große Terrasse gleich am Baldeplatz, auf der es sich so ausgezeichnet den ganzen Tag über brunchen lässt, von früheren Zeiten als Zoozie’z vertraut .

Mediterrane Kost in stilvollem Ambiente

35 Jahre lang zog dieses Lokal mit seinen großen Räumen und gewölbten Sprossenfenstern die Münchner an. Nach aufwendigem Umbau ist innen alles anders und außen auch. Wer noch grübelt, warum Fugazi an der Fassade steht, dem sei erklärt, dass dieses Wort sowohl für japanische Deserteure im Zweiten Weltkrieg verwendet wurde und eine US-Hardcoreband sich so nennt; Fugazi steht in der italienischen Umgangssprache aber auch für etwas Vorgetäuschtes.

Ex-Fußballergattinnen hin oder her – nehmen wir mal an, dass es hier darum geht. Denn das Lokal will mediterrane Kost bieten, viel Pasta und Pizza, aber auch Brunch, einen Eataly-Burger (12 Euro) und Wiener Schnitzel (22,50), die sich vom Zoozie’z herübergerettet haben. Dazu gibt es formidable Cocktails an der eleganten Bar am Eingang, die sich in schönen Holztönen breitmacht zwischen einem Pizza-Steinofen und hohen Tischen samt einladenden Ecksofas. Am Wochenende legt ein DJ auf.

Sehr stilvoll wirkt das Fugazi. Die denkmalgeschützte Kassettendecke blieb natürlich erhalten – und drunter haben jene Restaurantgänger ein Déjà-vu, die international-lässig eingerichtete Neuerscheinungen wie das Koi schätzen. Moosgrüner Samt, tolle Wandverkleidungen – dass einem das bekannt vorkommt, findet eine simple Erklärung: Die Besitzer sind die gleichen. Marc Uebelherr und seine Partner nennen neun Lokale in der Stadt ihr eigen, auch das Gast im Gasteig und das Oskar Maria im Literaturhaus. Vor 15 Jahren hatten sie das Zoozie’z übernommen und nun einfach mal Lust auf etwas Neues. Die Geschäfte führt für sie Ramiz Suljic, früher im Cavos und Kalypso zugange.

Auffällig schlanke Karte

Auffällig ist die schlanke Karte. Für das Mittagsangebot gibt es ein Extra-Blatt im Wochenwechsel. Darauf stehen beispielsweise Rigatoni mit Hokkaidokürbis oder Picata Milanese von der Hähnchenbrust mit Spaghetti und Tomatensauce. Inklusive eines Softdrinks und Espresso kostet jedes Gericht mittags 9,80 Euro. Insgesamt sind die Preise moderat. Die teuerste Pizza, nämlich Salmone, kostet elf Euro.

Allerdings hatte der Pizzaiolo wohl einen schlechten Tag bei der ersten Kostprobe. Der Lachs lag in zu dicken, kalten Scheiben auf dem Teig, daraufgeklatschte Creme Fraîche ließ die Pizza noch schneller abkühlen. Auch über die Pizza Salami (9,50) lässt sich als einzig Gutes sagen, dass sie vorgeschnitten war für die Kinder, und dass die Messer scharf waren. Die Peperoni darauf aber leider auch – obwohl man sie extra abbestellt hatte. Die Spaghetti Bolognese (8,50) kamen solide daher, als große Portion.

Beim zweiten Test lief es dann deutlich besser. Nach einem erfrischenden Lillet Vive (5,80), einem Aperitif aus Lillet Blanc, Limette, Gurke, Minze, Dry Tonic und Grapefruit, brachte der freundliche, aufmerksame Kellner klassisches Antipasto misto (10,50), eine große Platte mit Büffel-Mozzarella, Prosciutto Crudo, Artischocken, Oliven, Parmesan – ansehnlich und gut. Ebenso das Vitello Tonnato (10,50), schön angerichtet mit sensationellen Kirschtomaten, die gleichwohl getrocknet wie gegrillt waren.

Sündhaft gute Nachspeisen

Auf die Hauptspeisen musste man etwas warten, dann kam aber eine schöne Portion Rinderfilet in Rotwein-Trüffel-Sauce, fein abgeschmeckt mit Blattspinat, raffiniert karamellisierten Babykarotten samt Rosmarinkartoffeln – mit 28,90 Euro das teuerste Gericht auf der Dinner-Karte. Bestellt als rare kam es leider well done, war aber trotzdem butterzart.

Auch die Tagliata vom irischen Entrecote (18,50) war etwas zu sehr durch, ansonsten mit Rucola, Kirschtomaten, Meersalz und Balsamico aber ansprechend. Auf Oliven-Focaccia präsentierten sich die Calamari alla Griglia (14,50), ein schön dekorierter Teller. Sündhaft gut sind im Fugazi die Nachspeisen: vom warmen Schokokuchen (4,50) bis zur Riesenportion Tiramisu für nur 3,50 Euro. Die Getränkepreise sind ebenfalls sehr in Ordnung: Das Ayinger-Helle vom Fass (0,5 Liter) gibt es für 3,30 Euro, ein Glas weißen Hauswein (0,2 Liter) für vier Euro.