Die Gäste haben die Wahl zwischen schlanken Barhockern und theaterhaften Nischen, serviert wird Schampus und Schmarrn. (Foto: Catherina Hess)

Hommage an ein Münchner Original

An die legendäre Ilse Kubaschewski erinnert die neue Bar im Hinterhof des luxussanierten Gloria Palastes – den sie 1956 am Stachus eröffnete. Auf der Karte steht Prickelndes aus der Champagner-Bibliothek.

Ilse Kubaschewski war ein Münchner Original, na ja, eigentlich war sie ja Berlinerin, die es von der Stenotypistin bis zur Filmverleiherin und Produzentin von Kassenschlagern wie “Schwarzwaldmädel” oder “Die Trapp-Familie” gebracht hatte. Eine bestens vernetzte, sehr geschickte und gesellige Unternehmerin, die vom deutschen Kinowunder in den Fünfzigerjahren profitierte. 1956 eröffnete sie den Gloria-Filmpalast am Stachus, natürlich mit einem rauschenden Fest, seitdem war das Kino am Stachus ein Treffpunkt.

An die große “Kuba” erinnert nun die neue Bar im Hinterhof des luxussanierten Gloria Palastes. Im “Kubaschweski” hängt die Namensgeberin hinter der golden schimmernden Rückseite der Bar und der mit Preziosen gefüllten ChampagnerBibliothek: Da sitzt sie, ganz Lebefrau, auf einem lustigen Wasserfahrrad auf dem Starnberger See und lächelt den Gästen zu. “Die Bar ist auch eine Hommage an sie ganz persönlich”, erzählt Eric König, der gemeinsam mit Maximilian Gradl (“Ory” im Mandarin Oriental, “Herzog”) Geschäftsführer des Lokals ist.

Inspiration haben die Betreiber auch in der “Bubbledogs Champagne Bar” gefunden, wo man Londoner Lässigkeit und französische Lebensart kombiniert. Vermieter ist übrigens die Kubaschewski-Stiftung, die sich bis heute um in Not geratene Künstler kümmert – für die wäre die neue Bar allerdings ein bisschen zu teuer.

“Schampus und Schmarrn” steht als Motto etwas großspurig auf der Karte. Damit jeder gleich weiß, wo er hier gelandet ist. Das klingt nach “Kir Royal”, Bussi-Parade und rotem Teppich, aber ist durchaus ernst gemeint: Schließlich hat das Lokal gleich ein paar Dutzend erlesener Schaumweine im Angebot, aus Frankreich, Österreich und Deutschland, wobei Champagner-Liebhaber hier am besten bedient sind. Und falls mal wirklich einer Lust hat, mit einer Drei-Liter-Flasche Dom Pérignon Luminous Phantom Brut sein Monatsgehalt auf den Kopf zu hauen: gar kein Problem. In den theaterhaften Nischen sitzt man ganz wunderbar, die grünen Vorhänge, die schlanken Barhocker, der helle Holzfußboden und die aufs Wesentliche reduzierte Bar zeigen: Da hat jemand viel Geld in die Hand genommen, aber auch Geschmack bewiesen.

Das gilt auch für die Speisen. Die Sache mit dem Schmarrn ist zwar nichts für Puristen, denn es gibt neben dem Klassiker – hier als “Ilse’s Herzstück” mit 8,50 Euro durchaus erschwinglich – und einer ziemlich opulenten Nuss- und Walnuss-Duplo-Kreation auch salzige Varianten. “Sterne über Colombo” ist eine Eierspeise mit einem halben Hummerschwanz und Krustentierschaum, “Alle Kätzchen naschen gern” mischt Krabbensalat mit Rindertatar und das “Kaisermanöver” übertreibt es schon ein wenig mit der Kaviar-Offensive. Erfreulicherweise gibt’s aber auch einen vergleichsweise günstigen Pilz-Schmarrn, schlicht und einfach köstlich, kein Bling-Bling.

Ob im neuen Kubaschewski nun die große Party steigt, wie früher bei der Namensgeberin? Man wird sehen, wer den Weg in den Hinterhof findet, in dem man auch schön draußen sitzen kann, direkt unterhalb eines Therapiezentrums, gegenüber dem Parkgaragenzugang und mit Blick auf eines der größten Nagelstudios der Stadt. Herrlich. Arabische Touristen haben die Bar nachmittags schon für sich entdeckt – sie lieben offenbar Schmarrn aller Art. Und abends kommen dann die Münchner, auf der Suche nach prickelnden Erlebnissen.