Im Maximilianeum bruncht man mit München-Panorama

Halbes Hendl, Weißwürste oder Kaiserschmarrn: Der Brunch im Bayerischen Landtag ist ausdrücklich bayerisch – und somit deftig. Doch hier geht es nicht nur ums Essen.

Direkt nachdem die Postkarte im 19. Jahrhundert erfunden wurde, war das Maximilianeum schon ein beliebtes Motiv. Wer sich dafür interessiert, wie der Bau im Renaissance-Stil von innen aussieht, kann mehrere Dinge versuchen. Er kann als Gasthörer eine Ausschusssitzung des Landtags besuchen – Personalausweis ist dabei Pflicht.

Dann kann er, an der Statue von Jesus am Kreuz vorbei, die Treppe mit dem roten Teppich zum Steinernen Saal hochgehen. Das Fenster dort führt zur Maximilianstraße und bietet den “Skyline”-Blick auf München: Vom Deutschen Museum links über die Frauenkirche und den Alten Peter in der Mitte bis hin zum Bayerischen Nationalmuseum ganz rechts.

Der Gasthörer darf vor dem Fenster aber nicht verweilen, sondern soll bitteschön wirklich pünktlich in den Plenarsaal. Den muss er nach einer Stunde wieder verlassen – falls andere Bürger auch an die Reihe wollen. Das Gasthörertum ist kostenlos, bietet aber nicht viel Ästhetik. Abgeordneter will auch nicht jeder werden.

Sonntags legen viele Bürger für den Besuch im Maximilianeum lieber etwas Geld hin: Beim Brunch in der Landtagsgaststätte, wo sie mit Glück einen Platz auf der Terrasse hin zur Isarbrücke und zum Maximilianstraße bekommen und sich das München-Panorama in Ruhe ansehen können.

Was gibt es da und was kostet das?

Die Servierkräfte tragen klassische Westen und lange Schürzen. Ihr Job ist es, zuvorkommend zu sein. Das gelingt ihnen. Mitarbeiter stehen auf dem Flur, um dem Gast unter anderem freundlich den Weg zur Toilette zu weisen.

Andere legen ihm das Essen auf den Teller: Vom halben Hendl über Roastbeef bis hin zum Hackbraten. Die Weißwürste dagegen schwimmen in einer Terrine, die kein Mitarbeiter extra überwacht. Die Frühstücks-Mittagessen-Mahlzeit (“Brunch”) besteht aus einem umfangreichen kalt-warmen Buffet, das ausdrücklich bayerisch und somit deftig ist.

Fleischlos frühstückende oder generell fleischlos essende Menschen kommen dennoch nicht zu kurz. Das warme Angebot umfasst Spätzle, Knödel oder Kartoffelauflauf. Die vergleichsweise kleine Salat-Theke bietet Blattsalate, Kidneybohnen und geschnittene Paprika oder Antipasti wie gefüllte Zucchini, marinierte Artischockenherzen und angemachte Linsen – und ist augenscheinlich nicht so gefragt.

Die Gäste umkreisen lieber den großen Tisch, der in der Mitte der Eingangshalle steht: Dort gibt es Kaiserschmarrn, gefüllte Pfannkuchen oder Panna Cotta. Wurst- sowie Käseplatten (hauptsächlich deutscher und italienischer Weichkäse) machen das Angebot komplett – und auch Müsli. Nur wurde Müsli bei diesem Testlauf bei keinem Gast gesichtet.

Vermutlich, weil man an einem Tag nicht mehr essen kann, als man eben essen kann. Das Fazit unserer Stichprobe: Das Roastbeef war zart, beim Kartoffelauflauf war das Verhältnis zur Soße stimmig und das Panna Cotta hatte neben Vanille noch ein anderes, gut passendes Gewürz. Beim Obstsalat fragten wir uns, ob er frisch oder nur aus der Frische-Verpackung war.

Normalerweise essen hier die Abgeordneten

Der “Königlich-Bayerische Sonntagsbrunch” kostet 29,99 Euro inklusive Kaffee und Tee, weitere Getränke werden extra berechnet. Der Brunch ist solide und der Preis dafür fair. Denn inbegriffen ist eine Führung durch das Maximilianeum. Zur Zeit macht sie Hans Korinek vom Landtagsamt – und er macht sie sehr amüsant.

Er führt durch den Senatssaal, der mal eine Galerie des Bauherrn König Maximilian II. war, und erklärt den Zuhörern, warum im Plenarsaal auch heute noch stenografiert wird. Und warum in den Zimmern nebenan junge Menschen wohnen: Der König hatte das 1876 fertiggestellte Gebäude für begabte Studenten aus Bayern und der Pfalz vorgesehen. 45 Stipendiaten genießen hier freie Kost und Logis.

Die müssen vorher aber vor den sogenannten Hochbegabten-Ausschuss. Die Prüfungsfragen, die dieser Ausschuss stellt, sind geheim. Nur zwei Fragen sind bisher bekannt geworden, Korinek berichtet: Die Bewerber werden etwas auf Französisch gefragt und müssen auf Spanisch antworten. Und der andere Test, von dem man angeblich weiß, geht so: Den Bewerbern wird ein Blumenstrauß hingestellt und sie sollen alle Pflanzen benennen. Auf Lateinisch.

Werner Heisenberg, Franz Josef Strauß und Carl Amery zum Beispiel waren Stipendiaten der “Stiftung Maximilianeum”. Nicht alle Brunch-Gäste interessiert das – vergleichsweise wenige sind Korinek gefolgt. Die meisten sitzen noch unter den Arkaden der Terrasse, mit Sekt oder Weißbier, und schauen auf Münchens Prachtstraße. 160 Menschen haben beim Brunch draußen Platz, drinnen sind es 190.

Wer geht da hin?

Die Gäste sind eher älteres Semester, man sieht aber auch junge Familien (Kinder bis sechs Jahre zahlen nichts, Kinder bis 13 Jahre den halben Preis). Touristen sind die Gäste eher nicht. Seehofer oder Söder kommen wahrscheinlich nicht vorbei. Der Landtags-Brunch ist etwas für Gruppen; nur vereinzelt sitzt jemand allein am Tisch. Normalerweise wird in der Landtagsgaststätte für die Abgeordneten gekocht.

Dieses Jahr können von Juni bis August aber auch Nicht-Politiker das Parlamentsrestaurant testen – nicht zum Brunch, sondern am Abend: Donnerstags bis samstags ab 19 Uhr bietet Küchenchef Martin Nachbauer ein Vier-Gänge-Menü (44,95 Euro) nach Rezepten aus der BR-Serie “Landfrauenküche” an.

Wie viel Zeit bringt man mit?

Der Idee des Brunchs folgend, sind mehrere Stunden zu empfehlen. Der Landtags-Brunch geht von 11 bis 14 Uhr, die Führung dauert 45 Minuten. Anschließend kann der Gast aber noch bis 17 Uhr hier sitzen, bei einem Stück Kuchen (2 Euro) einer Tasse Kaffee (1,90 Euro) oder einem Hellen (Hofbräu, 3,60 Euro).