In München ist eine reichhaltige Imbisskultur herangewachsen

Der Münchner hat keinen Bedarf am schnellen und billigen Mittagsmahl? Unsinn. Immer mehr Menschen essen außer Haus. Der Vielfalt der Imbiss-Angebote hat das gut getan.

Gemeinhin gilt München ja nun nicht als Stadt der Kioske und Imbissbuden, im Gegenteil: Eröffnet irgendwo in der Stadt ein Kiosk, der vielleicht auch noch länger auf hat, dann ist das der Lokalpresse allemal eine größere Geschichte wert. Und verglichen mit richtig großen Städten wie Wien oder Berlin kann München bei weitem nicht mithalten, was zum Beispiel die Institution der Würstlbude angeht. Die spielt in Bayerns Landeshauptstadt faktisch keine Rolle und wird bestenfalls durch die warme Theke beim Metzger ersetzt, bei dem dann allerdings die Leberkässemmel klar in Führung liegen dürfte, was die Verkaufscharts angeht.

Die Currywurst hingegen, deren 70. Geburtstag in Berlin am 4. September mit einem eigenen “Tag der Currywurst” begangen wird, ist hier nie heimisch geworden. Das, obwohl Holger Stromberg, Sternekoch und langjähriger Koch der Fußballnationalmannschaft, mit dem Curry73 zeitweise eine gehobene Currywurstbude an der Balanstraße und in der “Schmankerlgasse” am Stachus betrieben hat. Immerhin hält sich der Bergwolf in der Fraunhoferstraße 17 seit 2003 beharrlich und verbreitet echte Ruhrgebietsromantik Bochumer Bauart.

Den oberflächlichen Betrachter mag das zu der Annahme verleiten, die Münchner seien alles reiche Schnösel und hätten keinen Bedarf am schnellen und billigen Mittagsmahl auf die Hand. Sondern gingen mittags entweder ins Vorstandscasino oder gleich ins Tantris auf ein Geschäftsessen, das sie größtenteils wieder von der Steuer absetzen.

Ist natürlich Unsinn, wie jeder Münchner weiß. In Wirklichkeit ist seit einigen Jahren nämlich eine reichhaltige Imbisskultur in der Stadt herangewachsen. Sie beschränkt sich nicht auf ein paar Standardgerichte wie Leberkäse, Burger und Pizza (die gibt’s auch zur Genüge, keine Frage), sondern bietet eine beeindruckende Vielfalt verschiedenster Länderküchen an, zum Teil auf erstaunlich hohem Niveau. Befördert wurde diese Entwicklung wohl dadurch, dass sich selbst größere Firmen inzwischen die hauseigene Kantine sparen oder fremdvergeben und diese dann wiederum den großen Reibach machen wollen. Viele Beschäftigte sagen sich dann: “Da können wir gleich außer Haus essen gehen!” Falls sie diese Chance haben und nicht fernab vom städtischen Leben in einer auch kulinarisch abgelegenen Firmenzentrale sitzen.

Allen anderen aber bietet sich mittlerweile eine reiche Auswahl in der Stadt, angefangen beim Döner. Der Siegeszug, den er anderswo hinter sich hat, war in München zwar nie so durchschlagend, und der Werbespruch: “Döner macht schöner, auf Dauer auch schlauer”, eines türkischen Imbiss’ aus der Lindwurmstraße war nur begrenzt erfolgreich – der Laden hat inzwischen geschlossen.

Auch in Sachen Döner wünscht sich der Münchner eben was Besonderes. Schlange stehen muss man immer noch vor Mustafa’s Gemüse-Kebap am Stachus (ein Import aus Berlin), nachdem der Veggie-Döner des Münchner Türken Erbil Günar aus dem Royal Kebaphaus am Hauptbahnhof weichen musste und jetzt unter dem Namen Erbils in Haidhausen residiert (Breisacher Straße 13). Eine kleine Dependance gibt es auch noch mit der Dönburger Farm (Arnulfstraße 17). Ungekrönter König des Münchner Dönertums ist aber das Türkitch (Humboldstraße 20), das vor allem Döner, normal und vegan, Köfte und Falafel von ungewohnt guter Qualität bietet und seit Oktober nun auch eine Filiale in der – wie passend! – Türkenstraße 21 hat. Herausragendes Falafel findet man, da stets frisch gebacken, auch im Sim Sim (Augustenstraße 74) und in der palästinensischen Variante im Make Falafel not War (Kapuzinerstraße 2).

Fernab vom Fastfood-Einerlei bieten auch italienische Feinkostläden und asiatische Imbissbuden Spezialitäten an, die man oft nicht einmal in einschlägigen Restaurants bekommt. Aber auch die heimische Küche ist gut vertreten. Die Münchner Suppenküche vom Viktualienmarkt ist mit Filialen nach Laim und ins Westend expandiert, Ida’s Milchladen (Kreuzstraße 23) versorgt die Altstadt mit Fleisch- und Grünkernpflanzerl sowie verschiedensten Salaten. Die Vesperia (Schmellerstraße 4) bietet österreichische Alpenküche mit raffinierten Brotzeiten an, und draußen am Stadtrand in Riem gibt es im Poltinger Metzgerladen (Otto-Perutz-Straße 16) gar einen Imbiss mit dem Fleisch vom Gutshof Polting, das sonst in der Sterneküche Münchens auf den Tisch kommt. Und sogar zu ganz normalen Preisen. Das ist auch gut so, denn sonst würden sie ja doch stimmen, die ganzen Vorurteile über München.



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