Irischer Charme

Ein Besuch in Shane’s Restaurant überzeugt uns von der irischen Küche – was aber auch an dem charmanten Service liegen könnte.

Iren kennt man hierzulande vor allem als Betreiber von Irish Pubs, als herausragende Köche haben sie sich bislang keinen Namen gemacht. Deshalb sind wir ziemlich gespannt, was uns in Shane’s Restaurant erwarten wird. Das Lokal befindet sich im Glockenbachviertel, genauer gesagt im Vier-Sterne-Derag-Hotel Prinzessin Elisabeth . Es sind die Räumlichkeiten des ehemaligen G* , das Nationalmannschaftskoch Holger Stromberg bis vor einigen Monaten betrieben hat.

Seit November kocht dort Shane MacMahon, zusammen mit seinem Kochkollegen Florian Spitta, der aus dem Event-Kochbereich kommt. Shane selbst, gebürtiger Ire, hat bereits im Königshof und im Tantris gekocht. Die Erwartungen an den Abend sind deshalb schon recht hoch.

Zunächst mutet es etwas komisch an, dass das Restaurant sich unten in einem Hotel befindet. Doch in welcher Umgebung wir uns befinden, vergessen wir ziemlich schnell. Ob wir uns überraschen lassen wollen, fragt uns der Kellner – auch ein Ire – gleich zu Beginn. Die Küche würde uns ein Überraschungsmenü kredenzen, zu jedem Gang gebe es einen speziell abgestimmten Wein.

Wir überlegen nicht lange und wählen das Drei-Gänge-Menü (pro Person 38 Euro, mit Weinen 58 Euro). Als Aperitiv bestellen wir Sprizz, sozusagen den Münchner Klassiker. Der erste Gang lässt auch nicht lange auf sich warten. Der charmante Kellner bringt uns Wantan-Taschen gefüllt mit Jakobsmuscheln auf rote Beete-Shiitakepilzsalat in Safran-Schaum. Schon der erste Bissen zaubert uns ein Lächeln ins Gesicht. Wenn etwas so schmeckt, lässt man sich gerne überraschen. Die Kombination ist perfekt aufeinander abgestimmt. Der Wein, der uns dazu serviert wird, ist ein leichter Riesling und passt ideal.

Das Interieur des Restaurants ist hell und modern. An der einen Wand hängt ein überdimensionales Foto, das Shane mit seinem Vater beim Kochen zeigt. Seine Eltern hatten in Limerick (Irland) auch ein Restaurant, schon mit zwölf Jahren lernte Shane dort das Kochen. Mit 21 Jahren kam er dann nach München, verfeinerte dort in den besten Restaurants der Stadt sein Handwerk.

Als Hauptgerichte werden uns gebratener Steinbutt auf Karotten-Perlgraupengemüse in Champagnerschaum und Kalbs-Tafelspitz mit Rotweinsauce auf Kartoffelpüree serviert. Beide Gerichte erfüllen unsere Erwartungen komplett. Der Fisch passt optimal zu dem Gemüse, der Champagnerschaum rundet das Geschmackserlebnis ab. Das Kalbfleisch ist so zart, dass es fast auf der Zunge zerfällt. Durch das Kartoffelpüree und die Rotweinsauce kommt es rustikal daher, die Geschmackskombination ist jedoch alles andere als simpel. Als Wein serviert uns der Kellner einen Merlot, leicht und trocken.

Die Portionen haben im Übrigen die richtige Größe – nicht zu wenig, nicht zu viel. Genau so muss es sein. Bevor das Dessert kommt, pausieren wir etwas. Irgendwann erscheint Shane, der Chef höchstpersönlich, an unserem Tisch und fragt uns, ob wir denn zufrieden seien. Wir bejahen und freuen uns über so viel Aufmerksamkeit.

Dann kommt der gut gelaunte Kellner mit der Nachspeise. Limetten-Mango-Mousse mit Kokos-Litchi-Eis. Erfrischend, leicht, süß-säuerlich schmeckt die Kombination. Die perfekte Abrundung für ein Abendessen. Wir sind äußerst zufrieden.

Als wir gehen, hilft uns der Ober in den Mantel und begleitet uns bis zur Tür. Einen solchen Service haben wir in München schon lange nicht mehr genossen. Äußerst charmant, diese Iren. Und richtig gute Köche.