Das Story Café ist mit den vielen Pflanzen und Fenstern ein freundlicher Ort, der zum Verweilen einlädt. (Foto: Robert Haas)

Kaffee, Kuchen und chinesische Bücher

Das Story Café in der Maxvorstadt versteht sich als Treff für die Nachbarschaft. Im Keller hat die Betreiberin eine kleine chinesische Bibliothek eingerichtet.

Der ältere Herr aus der Nachbarschaft, etwa Mitte 70, war zunächst skeptisch, was das neue Café an der Ecke Schelling- und Schleißheimer Straße anging, erzählt Betreiberin Charlene Chang. Sie hatte ihn schon oft vorbeigehen sehen, bevor er sich das erste Mal hineinwagte. Als er dann am Tisch saß, vertiefte er sich in seinen Kaffee. Doch als Chang später das Gästebuch aufschlug, fand sie freundliche Worte, die der Gast hinterlassen hatte: “Freut mich, dass das Café jetzt da ist, veredelt unseren Kiez ungemein.”

Charlene Chang lächelt, wenn sie auf den Eintrag blickt. Denn er zeigt, dass ihr Konzept aufgeht: Ihr kleines Café soll eine Anlaufstelle für die Nachbarschaft sein, ein Ort, an dem man einfach nur einen Kaffee trinken kann, arbeiten oder sich austauschen. Im Mai hat die 53-Jährige aufgesperrt, es gibt Frühstück und Gebäck. Das hübsche Steingut-Geschirr, auf dem das Essen serviert wird, steht in einem Regal auch zum Verkauf bereit. Viele Pflanzen – lebendige und getrocknete – zieren die Tische und die großen Fensterfronten.

Um die Gäste zum Verweilen zu animieren, bietet Chang Bücher zum Schmökern an. Deutsch- und englischsprachige Werke (mit christlichem Bezug) gibt es im Erdgeschoss, eine Wendeltreppe führt zu einer kleinen chinesischen Bibliothek im Keller. Chang kommt gebürtig aus Taiwan, ist aber Christin, und lebt schon lange in Bayern. Die Bücher auf Mandarin sind ihr Beitrag für die chinesische Gemeinde in München – immerhin einige Tausend Menschen. Die Bücher darf sich jeder ausleihen, ganz ohne Gebühr. Um die Menschen zusammenbringen, bietet die Gastronomin im Keller ihres Cafés auch Lesungen für Kinder an: natürlich auch auf Deutsch, Englisch und Mandarin. Die Eltern können derweil ein Stockwerk weiter oben in Ruhe einen Kaffee genießen, ratschen, und wenn sie mögen, einen Eintrag im Gästebuch hinterlassen.