Ausgefallen, aber nicht übertrieben: die Bar Ménage. Foto: Robert Haas

Raffinierte neue Bar im Gärtnerplatzviertel

Die neue Bar Ménage im Gärtnerplatzviertel macht vieles anders als andere Bars – man will raffinierter, ungewöhnlicher, fantasievoller sein. Dem sehr gemischten Publikum gefällt das.

Das sind offenbar die Richtigen beisammen: In der Bar Ménage denkt man sowohl in der Küche als auch hinter dem Tresen avantgardistisch, ohne es zu übertreiben. Aber das übliche Münchner Bar-Einerlei aus Hugo, Sprizz und Gin-Tonic in Begleitung von Burger und Pizza findet man hier in der Buttermelcherstraße nicht. Johannes Möhring und René Soffner, die beiden Barkeeper, und Koch Luke Rogers wollen vieles anders haben: raffinierter, ungewöhnlich, vor allem aber fantasievoller und besser.

Kurz vor Weihnachten haben sie das Ménage aufgemacht und gleich mal mit ein paar ungewöhnlichen Signature Drinks aufgetrumpft. Der mächtige “King Clear I” (13 Euro) etwa besteht aus destillierter Erdnussbutter mit Bourbon, die mit weißem Tequila, geklärtem Zitronensaft, einem Spritzer Salzlösung und südostasiatischem Pandan-Sirup gemixt wird. Muss man erst einmal drauf kommen. Der “Ho-Lee Fok” (elf Euro) wiederum besteht aus einem Destillat von Kaffeekirschenschalen, Pu-Erh-Tee-Honig, einer Meersalzlösung und einer Art Mandarinenlikör. Hübsches Detail: Am Glasrand ist mit einer winzigen Wäscheklammer eine Raute aus Mandarinenschale befestigt, und unter dem samtigen Fruchtaroma des Getränks spitzt ein zarter Räucherton hervor.

Passt gut zur Küche, so etwas. Luke Rogers, bekannt aus dem Walter & Benjamin und einem halben Dutzend In-Lokalen von Avva bis Mural, liebt gewagte Kombinationen. Er setzt eiskalt auch mal heiße Markknochen auf die Karte oder Schweinebauch mit “Turbomayo, Erdnuss, Grünkohl” (11,50), wo dann auch die Erdnussbuttercreme vom King Clear wieder Verwendung findet. Oder “Sexy Broccoli” (9,50) mit Chili, Mandeln und Zitronencreme.

Barchef Johannes Möhring hat vorher lange im Schumann’s und dann in der Bar des Roomers-Hotels gearbeitet, sein Spezl René Soffner hat im Frankfurter Bahnhofsviertel sehr erfolgreich die Cocktailbar The Kinly etabliert. In knapp sieben Wochen haben sie ihre neue Bar umgebaut, die alte Eichenwand des legendären Vorvorvorgängers Gamsei-Bar belassen, aber die Wände in sattem Dunkelgrün gestrichen und an die Decke eine Beleuchtungs-Installation gehängt, die stark an Gittermatten für den Stahlbetonbau erinnert.

Dennoch wirkt die kleine Bar für knapp 40 Leute durchaus heimelig. Auch wenn der Rotationsverdampfer für die Drinks hinter der Theke ein bisschen aussieht wie ein Foltergerät aus dem wunderlichen Sechzigerjahre-Film “Barbarella”. Dem Publikum gefällt’s, und es ist wirklich bunt gemischt, so scheint’s, ob sich nun eine Handvoll 20-Jähriger zum Mädelsabend trifft oder ein älteres Paar zum Abendessen vor dem Theater hereinschaut. Dass sich anscheinend niemand fehl am Platze fühlt, spricht für sich.