Kistenweise Unterstützung

Mit der "Local Hero Box" wollen Céline Raue und Sebastian Hecker kleinen Läden und Cafés durch die Krise helfen.

Céline Raue hat gerne viel Grün um sich, Sebastian Hecker schätzt das pulsierende Stadtleben. Englschalking war ein Kompromiss ihrer Vorlieben, als das Paar in München zusammenzog. Momentan sind sie ohnehin viel in den eigenen vier Wänden, weder für die Natur noch für das Stadttreiben bleibt Zeit. Hecker arbeitet im E-Commerce, Raue beim Kamerahersteller Arri. Die Coronakrise verfrachtete beide ins Home-Office. Von dort aus verfolgten sie, wie andere um ihre Existenz bangten. "Als klar war, dass alle kleinen Geschäfte und Cafés erst einmal schließen müssen, wollten wir etwas tun", sagt Hecker. "Genau diese kleinen Betriebe machen das Stadtbild aus."

Die Idee: Viele Dinge aus verschiedenen Geschäften in eine Box packen und diese dann verkaufen. "So werden die Händler mit den Einnahmen unterstützt, und die Käufer lernen durch die Box vielleicht noch mehr spannende kleine Läden kennen, wo sie in Zukunft einkaufen können", sagt Sebastian Hecker. Denn dass die Unternehmen auch noch länger Unterstützung brauchen, war klar. Auch wenn die Geschäfte wieder geöffnet sind, können sie mit den Einschränkungen durch die nötigen Hygienemaßnahmen kaum auf den gleichen Umsatz kommen wie zuvor. Und manch potenzieller Kunde vermeidet es nach wie vor, einkaufen zu gehen, wenn er nicht muss – und kann durch eine solche Box trotzdem kleine Geschäfte unterstützen.

Also initiierten Raue und Hecker einfach das, was sie sich selbst gewünscht hätten. Die "Local Hero Box". Eine Kiste, die Spezialitäten aus lauter kleinen Münchner Läden und Cafés bündelt. Kaffees und Schokolade, Feinkost, Seifen und Gesichtsmasken; kleine Dinge, die Freude machen.

Wobei "einfach initiieren" natürlich euphemistisch ausgedrückt ist. Sie fingen an, kleine Geschäfte und Cafés anzuschreiben, ob sie Interesse an einer solchen Aktion hätten, und sammelten passende Artikel von den Unternehmen auf Kommission ein. "Am zeitaufwendigsten war es, die Logistik zu organisieren, als wir auf einmal viele Bestellungen hatten", sagt Céline Raue. Den Onlineshop hingegen hatte ihr Freund in ein paar Tagen hochgezogen, "Sebastian kann sich schnell in so etwas reinfuchsen, das macht ihm Spaß", sagt sie. Sie selbst ist die Perfektionistin, was das Verpacken angeht. Denn natürlich werden die Produkte, die den Leuten Lust auf die kleinen Läden machen sollen, nicht lieblos in die Box hineingeworfen, sondern in Seidenpapier verpackt, und eine Karte kommt auch noch hinein. Die Box kostet 49 Euro, der Umsatz geht komplett an die kleinen Geschäfte und Cafés, "wir zahlen eher noch drauf", sagt Hecker. Die Zeit, die sie in die Local Hero Box stecken, nicht miteingerechnet. Momentan stehen die beiden morgens eine Stunde früher auf, um sich vor dem Home-Office noch ihrem Projekt zu widmen, in den Abendstunden geht es weiter. "Wir machen keinen Sport mehr und bestellen öfter mal eine Pizza", sagt Sebastian Hecker. Aber das Feedback entschädigt. Mittlerweile müssen sie nicht mehr nach kleinen Geschäften suchen, sondern eher aussieben. Wenn sie an ihre Kapazitätsgrenze gestoßen sind – 500 Boxen haben sie in den ersten dreieinhalb Wochen verkauft -, stellen sie den Shop vorübergehend auf "ausverkauft". "Es haben aber schon Cafébesitzer angeboten, uns zur Unterstützung ihre Aushilfen zu leihen", sagt Hecker. Lokale Helden helfen sich auch gegenseitig.

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