Beim Käseteller setzt die Küche des Gandl auf Abwechslung.

Frühstücken im früheren Kolonialwarenladen

Schick, aber nicht abgehoben. Wer am Vormittag ins Gandl geht, hat seine Ruhe. Und kann es sich zwischen Feinkostregalen im Lehel gut gehen lassen.

Das Gandl ist ein Klassiker unter den Münchner Restaurants. Seit 1995 gibt es das Lokal im Lehel , doch seine Geschichte ist noch viel älter. Früher betrieb hier Maria Gandl einen Tante-Emma-Laden. Vor fast 25 Jahren übernahm Alexander Lutz die Räume und machte ein Restaurant daraus. Der Gastronom und Hotelier kannte den Laden schon als Kind, er ist ganz in der Nähe aufgewachsen, seinen Eltern gehörte das Hotel Opera, das Lutz heute ebenfalls betreibt.

Der Name Maria Gandl steht noch immer über der Tür des Restaurants und auch den Charakter eines Kolonialwarenladens hat Lutz bewahrt. An den Wänden stehen dunkle Regale, sie sind gefüllt mit Weinflaschen, Marmeladengläsern, Schokolade oder Pasta. Doch nicht nur Feinkostartikel werden angeboten, im Gandl bekommt man auch einfach Zucker oder Cornflakes fürs Frühstück daheim. Die Produkte dienen allerdings vor allem der Dekoration, am liebsten lassen sich die Gäste fertige Speisen an die Tische servieren, und das zu jeder Tageszeit. Das Gandl bietet nämlich nicht nur Mittag- und Abendessen, sondern auch Frühstück an.

Was gibt es da und was kostet es?

Das Frühstück ist, anders als man meinen könnte, nicht allzu teuer. Der Gast muss es sich allerdings selbst zusammenbasteln, denn fertige Frühstückskombinationen stehen nicht auf der Karte. Zu empfehlen ist etwa der Käseteller (10,50 Euro). Dabei achtet die Küche auf Abwechslung, und stellt etwa eine Variation aus Mozzarella, einem Schafskäse, Parmesan, Frischkäse und einem kräftigen Weichkäse zusammen. Dazu gibt es ein paar Trauben, Brot (1,50 Euro) und Butter (0,90 Euro) muss man allerdings extra dazubestellen. Die Aufschnitt-Platte (8,50 Euro) besteht aus Salami, Mortadella und Parmaschinken, garniert mit Johannisbeeren. Es schmeckt solide, nur der Parmaschinken könnte etwas dünner geschnitten sein. In einem Lokal, das sich auf Feinkost spezialisiert hat, würde man zwar noch etwas ausgewähltere Produkte erwarten. Doch das Frühstück im Gandl will eben vor allem eines sein: klassisch.

Wer es morgens nicht gerne herzhaft mag, kann etwa ein Bircher Müsli (6,50 Euro) oder einen Obstsalat mit saisonalen Früchten (6 Euro) bestellen. Marmelade, Nutella oder Honig gibt es auch. Zu zweit oder als Gruppe kann man sich mehrere Platten bringen lassen und teilen, um so möglichst viel Verschiedenes probieren zu können. Auch hausgebeizter Lachs oder eine Tomate-Mozzarella-Platte stehen auf der Karte. Gerne bestellt werden im Gandl die Eierspeisen wie das Rührei mit Parmaschinken (6,20 Euro) oder die weich gekochten Eier im Glas (4,50 Euro). Zum Frühstück passen als Getränke ein Cappuccino (3,10 Euro) oder ein Milchkaffee (3,90 Euro). Auch verschiedene Teesorten gibt es, die im Kännchen serviert werden. Ein frisch gepresster Orangensaft kostet 4 Euro, wenn man den Tag etwas feierlicher beginnen möchte, bestellt man für etwas mehr Geld ein Glas Champagner.

Am Samstag sieht das Frühstück im Gandl jedoch etwas anders aus als an den übrigen Tagen, dann gibt es nämlich ein Frühstücksbuffet. Zwischen 10 und 13 Uhr kann man sich für 15 Euro (ohne warme Getränke) oder für 25 Euro (inklusive so viel Bellini oder Prosecco wie man möchte) bedienen. Auch hier ist das Angebot klassisch, auf dem Buffettisch stehen Wurst, Käse und Lachs, Marmeladen und Honig, gegrilltes mediterranes Gemüse oder süßes Gebäck. Daneben werden Säfte, Obst, Müsli und Joghurt angeboten. Wer es schon morgens deftig mag, kann sich am typischen englischen Frühstück bedienen, es gibt Rührei, gebratenen Speck und Baked Beans.

Wen trifft man da?

Bei schönem Wetter kann man vor dem Restaurant in dem Eckhaus am St.-Anna-Platz draußen sitzen und von dort aus den Alltag im Lehel beobachten. Im Winter wird auch schon mal der Kamin im Lokal angezündet. Die Einrichtung ist stilvoll, aber nicht übertrieben schick, das Restaurant verzichtet zum Beispiel auf Tischdecken. Der Charme des alten Kolonialwarenladens und die bequemen Korbstühle mit den roten Kissen sorgen dafür, dass die Atmosphäre locker bleibt.

Es sind aber schon eher die Schönen und die Gutbetuchten, die sich hier treffen. Im Gandl sieht man Gourmets, Bewohner aus dem schicken Lehel oder Geschäftsleute, die gezielt ihre Stammplätze ansteuern. Das Mittagspublikum wird vor allem durch die Spaghetti aus dem Parmesanlaib hier hergelockt. Doch bevor es ab kurz vor 12 Uhr eintrifft und sich das Lokal füllt, ist es im Gandl unter der Woche angenehm ruhig. Eine Reservierung ist fürs Frühstück nicht notwendig. Auch am Wochenende findet man als kleinere Gruppe von zwei oder drei Personen vormittags meist spontan einen Tisch.



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