Über die hohe Qualität in unprätentiöser Umgebung wundert sich weniger, wer auf der Webseite entdeckt, dass die Wirte ausgiebige Erfahrungen in der Sterne- und Haubenküche gemacht haben. (Foto: Florian Peljak)

Kochkunst am Schweinskotelett

Das Schupps am Bahnhof in Deisenhofen überzeugt mit einer traditionellen Küche auf sehr hohem Niveau.

Wer im Münchner Südosten zur Schule ging, hat an Deisenhofen zwiespältige Erinnerungen. Denn von diesem Bahnhof, einst errichtet an der Königlichen Maximiliansbahn, die hier vorbei von München Richtung Salzburg führte, begannen unbarmherzig die Wandertage ins nahe Gleißental, begleitet von länglichen Ausführungen des Erdkunde-Lehrers, in denen die Worte "glaziale Abflussrinne" und "Nagelfluh" herausgehobene Rollen spielten.

Inzwischen verspätet sich die damalige S2 unter dem Namen S3, und schon in der Bahnhofstraße ist zu erkennen, dass sich das einstige Pfarrdörfchen längst gentrifiziert hat. Der vierstöckige Block an der Hausnummer 30 mag zwar trotz Satteldach nicht ganz dem Ideal vom "alpenvorländisch geprägten Ortsbild" entsprechen, das Bayerns älteste umfassende Ortsbausatzung hier rigide vorgibt – zumal dem Neubau einst eine denkmalgeschützte Villa weichen musste. Aber davor, unter hohen Linden und in Kugelform gezwungenen Buchsbäumen, sitzt es sich sehr schön.

In diesen Covid-Zeiten haben sich die weit auseinander stehenden Außentische des kleinen Restaurants Schupps bis an den Rand der verkehrsberuhigten Straßenecke ausgedehnt. Eine Tafel an der Hauswand verspricht zum freitäglichen Mittagstisch Backfisch mit Kartoffelsalat – und damit beginnt hier das Besondere in dem, was zunächst so ganz und gar nicht spektakulär erscheint.

Denn dieses deutsche Pendant zu Fish & Chips, anderswo oft ein direkt aus dem Gefrierfach ins Frittenfett geworfener Klumpen Undefinierbares, war hier eine erste, überaus delikate Überraschung: ein richtig saftiges, punktgenau ausgebackenes Filet, umgeben von einer goldbraunen, messerklingendünnen Teighülle. Der Kartoffelsalat dazu: Erdäpfelstücke, die den Zähnen den gerade richtigen Widerstand entgegensetzten und mit einer wunderbar erfrischenden Essigsäure daherkamen – und einer Remoulade, so leicht, dass sich die kleinen Zwiebel- und Gurkensplitter darin mühelos herausschmecken ließen.

Anderntags standen "Variationen vom Edelfisch" auf der Mittagstafel und bewiesen erneut das Können der Küche: Auf schön körnigem Reis und einem fruchtigen Zitronenkräuterschäumchen lagen da: eine saftige, bissfeste Garnele mit überraschend kräftigem Eigengeschmack, ein dito gelungenes Stückchen Seeteufel, ein Filetteilchen vom Lachs, klein aber mit Wumms; und ein kleiner Block Thunfischsteak, der Gudmund, der so etwas eigentlich am liebsten nur ganz kurz angebraten verspeist, eines Besseren belehrte: Hier war das Fischfleisch ganz durch, dennoch voll Saft, sehr zart und von kraftstrotzender Geschmacksvielfalt.

Adresse: Bahnhofstraße 30, 82041 Deisenhofen, Telefon: 089/64912051, Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 12 bis 14.30 Uhr, Dienstag bis Samstag 18 bis 23 Uhr, restaurant@schupp-s.de