Die Wirtsleute Chris und Katrin Lehner präsentieren "Das Bad" nach der aufwendigen Sanierung. (Foto: Stephan Rumpf)

Kulinarisches Wechselbad an historischem Ort

Das ehemalige Tröpferlbad und Klohäusl an der Theresienweise ist nun ein Gasthaus. “Das Bad” bietet Luft nach oben – nicht nur architektonisch.

Lange liefen an der Theresienwiese die Betonmischer auf beiden Seiten des Bavariarings. Seit einiger Zeit ist fertig, was in München zusammengehört, aber nie so recht zusammenpassen will. Auf der einen Seite der Straße ist das Bavaria Palais mit 89 Wohnungen, von denen alle bis auf eine verkauft sind, 116 Quadratmeter mit Terrasse und zwei Loggien für 1 926 000 Euro. Auf der anderen Seite ist das ehemalige Tröpferlbad, in dem sich einst all jene Arbeiter wuschen, die in ihrer kargen Wohnstatt nicht brausen konnten. Später war es das Klohäusl der Wiesn – und seit November ist es ein Wirtshaus namens “Das Bad”. Auf beiden Seiten des nördlichen Bavariarings ist also neues Leben eingekehrt, das abgehobene und das bodenständige.

Die Stiftung, der die Augustinerbrauerei mehrheitlich gehört, hat das achteckige Gebäude von 1894 aufwendig saniert. Wo in dem neoklassizistischen Palästchen mit dem Säulenportikus einst Duschen waren und später Toiletten, reihen sich heute schlichte weiße Holztische und Wirtshausstühle, viele davon in Hochversion, um eine runde Theke mit einem kupfernen Abzug, der bis zur Dachspitze reicht. 99 Gäste finden hier Platz, die Wände sind pastellig vertäfelt, und es gibt reichlich Luft nach oben. Allein der Ort ist einen Besuch wert.

Aufwendig wie die Restaurierung war auch die Suche nach einem Pächter. So jedenfalls wurde es vor der Eröffnung im Dezember erzählt. Die Brauerei wählte für ihr Juwel auf der Verkehrsinsel sorgfältig aus, die Betreiber des Park Cafés, Katrin und Christian Lehner, bekamen schlussendlich den Zuschlag. Profis also. Das merkt man am Konzept, das die Idee des Bads für die bodenständigen Arbeiter gut umsetzt. Die Karte umfasst in erster Linie Brotzeiten, Wurstspezialitäten, Wirtshausküche und als moderne Note Vegetarisches und Kuchen. Es gibt eine Gassenschänke, bei der man Wurst direkt aus der Küche kaufen kann. Ist das Fenster nicht geöffnet, läutet man ein Glöckchen.

Soweit die Theorie. In der Praxis ist nicht nur architektonisch noch Luft nach oben. Als die Wirtschaft nur halb voll war, kam der Service alert und freundlich an den Tisch, als aber alles besetzt war bei unserem nächsten Besuch, wurde es ruppiger, und man mag uns nachsehen, dass wir es nicht als grantlerische Folklore verstehen, wenn Getränke wortlos auf den Tisch geknallt werden. Man muss dazu sagen, dass es ein Besuch nach dem Frühlingsfest war, und nicht nur die Freischankfläche vor dem Gebäude war gut gefüllt, sondern jeder Platz drinnen restlos besetzt.

Gastronomisch fächert sich ein gemischtes Bild auf. Wir hatten tolle Wiener Backhendl (13,50 Euro), das Fleisch war zart und saftig, die Panade kross, der Kartoffelsalat überzeugte mit einer schönen Gabe Kürbiskernöls. Die Currywurst (rot) mit Kartoffeldippers (8) hatte den richtigen Grillgrad, die Soße war scharf und fruchtig. Schweinsbraten gibt es nicht, dafür saftigen Spanferkelrollbraten (11,50) mit krosser Kruste, zu dem wir uns mehr von der Biersoße gewünscht hätten und eine Beilage, die mit Lauch, Sellerie und Karotte nicht so an Suppengemüse erinnert.

Was uns auffiel, war eine gewisse Unschlüssigkeit, was Temperaturen angeht. Die Hälfte der Gerichte war lauwarm. Und wo es laut Karte lauwarm sein sollte, beim Rote-Bete-Salat (10,50) etwa, der köstliche karamellisierte Walnussstücke barg, war die Bete kühlschrankkalt. Der Brotsalat (12,50) war anständig, wir empfanden die Brotchipsgabe darin aber zu reichlich zulasten frischen Salats, der bei uns nur aus sehr grob gezupftem Batavia bestand. Apropos Brot: Angeblich soll das Brot hier frisch im Ofen im Gastraum gebacken werden, so hieß es bei der Eröffnung, aber das ist wohl nicht immer der Fall. Bei unseren Besuchen haben wir den Ofen nie im Einsatz gesehen, ein Kellner sagte schulterzuckend, dass das Brot angeliefert wird. Vielleicht war er auch noch neu im Service.

Irritiert hat uns das Rindertatar (17,90). Es kam auf einer Art Backblech, um das Fleisch waren strahlenförmige Bahnen aus Sardellen, Gurkenstückchen, Kapern, Ketchup, Zwiebeln und Senf gebaut. Vielleicht hatte in der Küche jemand einen Clown gefrühstückt, vielleicht sollte die eigenwillige Kreation die neuen Bewohner des Bavaria Palais beeindrucken. Ist in Ordnung, aber ein Messer hätte man wetzen sollen. Ein Fleischwolf in Feineinstellung war so gewissenhaft am Werk, dass man beim Verzehr ein kittiges Mundgefühl hatte.

Versöhnt haben uns die Desserts. Die Windbeutel mit Himbeercremefüllung waren frisch und fluffig und leicht, das Weißbiertiramisu (beide 6,5) wurde reichlich serviert und hatte eine interessante Note.

Kommen wir wieder? Der Ort ist es ohne Zweifel wert. Und die Küche kann sich in der wunderschönen Architektur sicher auch noch entfalten.



Das könnte Sie auch interessieren