Landgasthof an der Stadtgrenze

Kulinarisch fühlt man sich im Wirtshaus Eierwiese der Landhausküche verpflichtet – obwohl das Lokal in Grünwald nah an der Stadtgrenze liegt. Hier gibt es Salat mit Erdbeeren und hervorragendes Fleisch.

Wer häufig im touristisch gut erschlossenen Alpengürtel unterwegs ist, kann sich schnell daran gewöhnen, dass zum Essen auch ein einladendes Ambiente gehört. In der Diaspora ist das keineswegs selbstverständlich, gerade auf dem Land strandet man häufig in Gasthäusern, deren Atmosphäre zwischen lieblos und trostlos changiert. Was für herrliche Landgasthöfe gibt es dagegen in Bayern und bei seinen Alpennachbarn.

Die Eierwiese in Grünwald liegt eigentlich viel zu nah an der Stadtgrenze, um als echter Landgasthof durchzugehen. Trotzdem fühlt man sich weit weg vom Rummel der Stadt, wenn man das Lokal betritt, das relativ unauffällig liegt, eingezwängt zwischen zwei Straßen. Dunkles Holz am Boden und an den Wänden kontrastiert mit den helleren Tönen der Tische, von der Decke hängen historische Küchenutensilien, auch ein Vorsprung über der Holzvertäfelung ist mit altem Gerät dekoriert.

Wirt Marcus Gämmerler, der die Eierwiese seit zwölf Jahren betreibt, sucht immer mal wieder neue Dekorationsstücke für sein Lokal aus, setzt sie aber glücklicherweise so dezent ein, dass das Ganze nicht aufgemascherlt wirkt. Der Sinn für Ästhetik prägt auch den Garten des Lokals, der weit mehr ist als ein paar Tische im Freien unter Sonnenschirmen, sondern ein bezauberndes, herrlich schattiges Refugium. Kurzum: Die Eierwiese ist ein Gasthaus, das Behaglichkeit verströmt.

Kulinarisch fühlt man sich der Landhausküche verpflichtet. “Feine bayerische Köstlichkeiten neu interpretiert, alpenländische Klassiker und hervorragendes Fleisch – dafür steht die Eierwiese”, heißt es auf der Homepage. Das führt zu einer Speisekarte, die in der Tat um einiges variantenreicher ist als in einem klassischen bayerischen Wirtshaus.

Zum Beispiel beim Salat. In der Stadt haben sich raffinierte Salate längst als vollwertige Hauptmahlzeit etabliert, auf dem Land fristet der Salat leider immer noch oft ein Schattendasein. In vielen Wirtshäusern dümpelt er in einer wässrigen Sauce von undefinierbarem Geschmack traurig vor sich hin, womöglich auch noch mit Bohnen aus der Dose, ehe er als lieblose Beilage auf den Tisch kommt.

“Zwischengangerl und Vegetarisches”

Die Eierwiese bietet dagegen mehrere Salatkompositionen an, etwa Pflücksalate mit frischen Erdbeeren, Sesam und Lachs vom Grill (12,90 Euro) oder zum gleichen Preis einen Caesar’s Salad mit Hühnerbrust, Trauben und Brezn Croûtons. Leider waren die Croûtons zwar tatsächlich wie in der Karte versprochen lauwarm, der Salat kam dagegen deutlich zu kalt auf den Tisch.

Ergänzt wird das Salatangebot durch eine Kategorie auf der Speisekarte, die sich “Zwischengangerl und Vegetarisches” nennt und in der sich beispielsweise ein wunderbares Pfifferlings-Wildkräuter-Risotto findet (11,90), für das man zusätzlich für einen Aufpreis von drei Euro ein zartes Schweinefilet im Speckmantel ordern kann.

Grünwalder Schweinebraten

Insgesamt wird damit die prinzipiell fleischlastige bayerische Küche deutlich leichter und variantenreicher, auch was die Mengen auf dem Teller anlangt. Vermutlich hängt das schon ein wenig mit dem Genius Loci zusammen, wo eine kaufkräftige Klientel Wert darauf legt, dass auch der kleine Hunger angemessen und abwechslungsreich gestillt wird. Was nun nicht heißt, dass der Fleischfan in der Eierwiese stiefmütterlich behandelt würde.

Ganz im Gegenteil, das Versprechen, man stehe für hervorragendes Fleisch, wird auch eingelöst. Das gilt für den Klassiker, Grünwalder Schweinebraten (11,90), der so serviert wird, wie es sich gehört: mit rescher Kruste und einer Sauce, bei der man schmeckt, dass sie vorher mit dem Fleisch in Berührung gekommen ist. Ganz exzellent ist auch das Wiener Schnitzel (17,90), zart und mit einer Panade, die nicht klebrig und viel zu dick ist. Besonders zu rühmen sind hier auch Bratkartoffeln – wenn man sie nur überall so schön knusprig bekommen würde.

Auch die Fleischpflanzerl im Reindl (10,90) mit feiner Sauce und Kartoffelsalat sind ihr Geld wert. Beim Nachtisch hat uns insbesondere die Crème brûlée (6,90) überzeugt, während sich beim Tiramisu (6,90) wieder einmal zeigt, warum es sich nur schlecht für lange Stehzeiten eignet: Der Biskuit saugt sich dann einfach zu sehr voll. Weil auch der Service freundlich und aufmerksam ist, ist die Eierwiese durchaus einen häufigeren Besuch wert.