Live-Location und Bier-Pausenstation in einem

Bisher gibt es im “Zehner” nur ein paar Gigs pro Monat, ab Herbst soll sich das ändern. Der Terminkalender ist schon jetzt gut gefüllt.

Die Leute wundern sich. Warum kommen hier 150 Leute aus der Tür, obwohl man doch durch die Schaufensterscheibe nur einen kleinen Gastraum sieht? Unten hat das “Zehner” einen Kellerraum, in dem Konzerte stattfinden, mit Platz für bis zu 150 Gäste. Die Adresse an der Thalkirchner Straße 10 nun allerdings als Club oder gar Live-Club zu bezeichnen, wäre falsch. All das ist der Zehner zwar durchaus seit der Eröffnung im Februar, aber dazu auch eine ziemlich angenehme Bar.

Tresen, Stehtische, Ecktische, Fake-Tapete, Sitzbänke an der Fensterfront. Hier fällt auf, dass nichts auffällt. Ein beleuchtetes Gläserregal hinter der Theke, an die schwarzen Wände geschriebene Sprüche und Getränkekarte, nackte Glühbirnen in Funzelhelligkeit, die von der Decke hängen – all das ist Standard. Und führt zu einer ruhigen Atmosphäre. Die Barkeeperin zeigt dem Gast die Schiefertafel mit den Signature-Drinks, einem Mystic Mango etwa, fruchtig, oder den würzigen Gin-Drink, beide je 12,50 Euro. Das ist vielleicht der einzige kleinere Haken im Zehner. Für ein eher zur Bier-Bar tendierendes Etablissement sind die Cocktails einen Tick zu teuer und auch im Geschmack zu wenig ausgefeilt.

Dafür gibt es eine feine Bierbandbreite zwischen Paulaner Zwickl (0,4 l für 3,60 Euro), Gutmann Weißbier und Astra Urtyp respektive Kiezmische. Dazu einige Gins und die Grundauswahl an Wein und Long-Drinks. Neben vielen und vielen etablierten und eher spezialisierten Läden wie dem Kraftwerk, der schnellen Liebe oder dem Palau kann man im Zehner in jeglichem Gemüts- und auch Outfit-Zustand einkehren, denn die dortigen Wand-Weisheiten wie “Wo aber der Wein fehlt, stirbt der Reiz des Lebens” sind immer aktuell, vor allem an einem Abend im Glockenbachviertel.

Die Gäste gehören üblicherweise zu der Kategorie, die in einer Bar eher stehen als sitzen, die das Bier eher aus der Flasche als aus dem Glas trinken, mehr ins Handy schauen als nicht ins Handy schauen und eher den Frangelico noch zum Abschluss bestellen als einen Grappa. Ein Ort für das durchschnittlich eher junge Publikum, von prä- bis poststudentisch, das vor und nach den Konzerten hier am Tresen andockt.

Bislang gibt es unten nur ein paar Gigs und Auftritte pro Monat, ab Herbst soll das anders werden, der Terminkalender ist bereits gut gefüllt. Vielleicht wundern sich dann auch schon die Passanten nicht mehr, weil das Zehner als Live-Location und jederzeitige Bier-Pausenstation längst etabliert ist.