Luxus-Kneipe auf japanisch

Eine Izakaya – eine japanische Kneipe, soll das Restaurant Koi am Wittelbacher Platz sein. Doch mit einer Kneipe hat das sehr schillernde, kosmopolitische und teure Restaurant nichts zu tun. Oder haben Sie schon mal eine Kneipe gesehen, in der mit Bambusholzkohle gegrillt und ein 250-Gramm-Wagyu-Rinderfilet serviert wird?

Der Bischof von Limburg ließ, als der Skandal um sein Millionen-Domizil so richtig hochkochte, über Nacht teure Koi-Karpfen aus seiner Residenz umteichen und durch preiswerte Goldfische ersetzen. Als Symbol für Luxus und Protz gilt der Zierfisch nicht erst seit der Tebartzschen Verschleierungsaktion. Ein Koi kostet gerne mal um die 20.000 Euro und wird deshalb auch als “Juwel im Karpfenteich” bezeichnet. So in etwa darf man sich das neue Lokal “Koi” vorstellen. Im gediegenen Umfeld des Wittelsbacherplatzes, das Reiterstandbild mit Maximilian I. vor der Nase und die Zentrale des Siemens-Konzerns zur Flanke, ist in einem ehemaligen Küchengeschäft ein sehr schillerndes, kosmopolitisches und teures Restaurant entstanden.

Seit dem Sommer findet man hier auf zwei Geschossen etwas vor, das die Betreiber nach dem Konzept einer japanischen Izakaya führen wollen. Izakaya lässt sich auf deutsch mit dem Wort Kneipe übersetzen – aber das ist hier natürlich überhaupt nicht zutreffend. Eine Kneipe, ein Schuppen also, in dem mit Bambusholzkohle gegrillt und 250-Gramm-Wagyu-Rinderfilet für satte 79 Euro serviert wird, hat Rosa Marín noch nie gesehen; in Deutschland nicht und selbst in edelster Lage Münchens nicht.

Japanisches Schwemmholz und tiefgrüne Wände

Das Koi ist wunderschön eingerichtet und gestylt. Japan-Nippes und Asia-Schnickschnack findet man nicht, alles ist bewusst reduziert. Lediglich von außen bricht die üppige Weihnachtsbeleuchtung der Brienner Straße durch hohe Fensterbögen hinein. Drinnen stehen dicke Tische aus japanischem Schwemmholz auf altem Parkett, an tiefgrüne Wände schmiegen sich gepolsterte Bänke, es schimmert aus abgetönten Kerzenschalen, riesige Metallringe an der Decke leuchten quasi von innen. Von oben – auf der Galerie lockt eine Bar im Stil der 50er Jahre – plätschert entspannte Musik. Alles ist sehr gedimmt, was offenbar zum Konzept der Gastronomen Dino Klemencic und Uli Springer gehört. Sie betreiben in München außerdem “The Grill” im Künstlerhaus und das “Oskar Maria” im Literaturhaus. An manchen Tischen ist es dann aber so schummrig, dass man sich schwer tut, die Karte zu entziffern – dabei ist das eine interessante Angelegenheit.

Im Koi gibt es keine klassische Menüfolge. Auch wird nicht gleichzeitig serviert. Auf den Tisch kommt, was fertig ist – aus der Küche von Atsu Tajima, bekannt aus dem “Daitokai”, oder von zwei Meistern an der Sushi-Bar oder vom Robata-Grill oder halt alles zusammen. Was in der Mitte steht, wird geteilt. Eine Stäbchen-Hakelei, die gut mit Freunden funktioniert, mit Geschäftspartnern jedoch mitunter zu intim werden könnte. Rosa Marín hatte alte Vertraute dabei, und man aß sich deshalb locker durch die schmale, zweiseitige Karte. Ein Tagesmenü gibt es nicht.

Nach dem Koi-Sprizz (Pflaumenwein aufgegossen mit Spumante und Tonic Water, 7,90 Euro) kam der Ceviche Koi Style, ein Starter für 12,80 Euro – Garnelen, Oktopus, Calamari, Tomaten und Fisch mit Cilantro (langer Koriander) badeten gefällig in einer sehr limettigen Sauce. Hamachi Gomaabura, zartes Sashimi aus der Gelbflossenmakrele in einer sanften Olivenöl-Sesam-Sauce (14,50), war ein Glanzpunkt bei den Vorspeisen. Sehr, sehr knusprig der Entensalat (9,80), eine mittelgroße Portion auf Frisée und Radicchio.

Hund im Täschchen

Der Kellner war aufmerksam und bemüht, aber erkennbar noch nicht lange im Koi zugange. Manche Speisen kannte er nicht vom Namen und musste sie sich auf der Karte zeigen lassen. Zugegebenermaßen spricht man “Foie Gras” (17,50) anders aus, als es geschrieben wird, eine Fachkraft muss das aber wissen. Die eher unjapanische Leber kam auf einer blattförmigen Schale daher, schmeckte sehr fein, aber war mit Stäbchen nicht zu essen. Das Messer wurde erst auf Nachfrage gebracht. Der Rotwein, sardischer Argiolas Costera serviert im Weißwein-Glas, war deutlich unter dem Eichstrich eingeschenkt, wurde nach dezentem Hinweis aber gut nachgefüllt erneut gebracht.

Erfreut haben dann umso mehr die Soft Shell Crabs in Tempura (12,90) – zwar war der frittierte Teigmantel mitunter etwas dick, die Butterkrebse darunter schmeckten jedoch köstlich. Durchwachsen die Hauptspeisen in übersichtlichen Portionen: Sashimi Moriawase (22) genial gut auf einer Schieferplatte angerichtet; Lachs, Makrele, Jakobsmuscheln und Thunfisch waren 1A-frisch und die Portion von angemessener Größe. Der Seewolf (17,50) auf getrüffelten Schwarzwurzeln trat mit knuspriger Kruste aber zu trocken auf. Der Weiße Heilbutt (18,50) ebenso, vereinnahmte dann aber mit interessantem Gurkengemüse. Vom genannten Wagyu-Rind gilt es nur zu schwärmen. Die kleinere 150-Gramm-Portion gibt es für 48 Euro, und man genießt eine halbrohe, butterweiche, zart marinierte Spezialität – ziemlich perfekt.

In dieses exklusive Ambiente passt eine kundige Auswahl mit sehr edlen Weinen. Und es passt die Szenerie vom Nachbartisch – das Hündchen wartet brav im Louis-Vuitton-Täschchen auf dem Parkett, bis Frauchen fertig gegessen hat.