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Weil ihr Catering-Service im Lockdown nicht mehr gefragt ist, hat Karin Christ einen neuen Service ins Leben gerufen: Als "Lieferqueen" bringt sie frisch gekochtes und doch haltbares Essen nach Hause.

Von der Arbeit heim in die Küche kommen, schnell ein Gericht auf den Herd gestellt – und zehn Minuten später zieht ein verführerischer Duft durch die Küche. Ein Traum? Nein, für viele Menschen ist das bereits Wirklichkeit. Sie profitieren von einer Idee, die Catering-Expertin Karin Christ kam, als ihr im vergangenen Frühjahr innerhalb einer Woche sämtliche Aufträge weggebrochen waren.

Gerade hatte Christ noch eine Tagung beim bayerischen Wirtschaftsministerium versorgt, da kam der erste Lockdown und sogar Monate vorher gebuchte Hochzeitsfeiern wurden abgesagt. Ein Schock, der aber die emsige Württembergerin nicht erstarren ließ. Schon länger hatte sie die Idee, Verpackungsmüll durch Verwenden von Glasbehältern zu vermeiden, die man mehrfach nutzen kann. Zwar ist der Aufwand groß und die Marge klein, aber "wenn man mit dem Rücken zur Wand steht, ist es egal, ob es sich lohnt", so Christ zur Geburt von "Lieferqueen", die fertig gekochte Gerichte bringt, die man daheim nur noch aufzuwärmen braucht.

Die Speisen werden in Gläser eingeweckt und so "haltbar gemacht, wie es unsere Großeltern gemacht haben, ohne jegliche Zusätze", sagt Christ und betont, viele ihrer mehr als 160 Kunden würden auf Vorrat bestellen. Bestellschluss ist Dienstagmittag, dann wird der Lagerbestand geprüft und am Mittwoch und Donnerstag gekocht, damit am Freitag in und um München herum bis an die Haustüre angeliefert werden kann. Sie versendet auch Pakete an den Bodensee und bis nach Rostock.

Der Renner seien Rindergulasch – "eine Geheimwaffe, die immer geht, weil man nur noch Nudeln dazu kochen muss", verrät Christ -, Boeuf Stroganoff oder Bolognese und – bei Handwerksbetrieben – Gulaschsuppe. Gerade zu Weihnachten hätten viele Betriebe für ihre Mitarbeiter bestellt, sogar für die im Home-Office. Im Angebot sind aber auch viele vegetarische und sogar vegane Gerichte, etwa die aus Nordafrika stammende Kürbis-Süßkartoffel-Tajine mit Aprikosen und Mandeln oder der Sugo alla Puttanesca. Diese Pastasauce mit Kapern und Taggiasca-Oliven ist Christs Lieblingsgericht.

Christ hat sich mit befreundeten Köchen zusammengetan, die wie sie Wert legen auf Regionalität und Qualität, wenig Verpackung und kurze Wege. Sie kocht aber auch selbst. Nur aus Stuttgart holt sie "Lieblings-Spätzle" und "Hausgemachte Maultaschen", die sogar kritische Geschmäcker schwäbischer Lebensart überzeugen würden. Und vom Ammersee bezieht sie einen Sauerbraten, "der schmeckt wie von Oma gekocht", wie die Kosmetikerin Claudia Bezold-Ferrari aus Pullach bestätigt. Sie genießt die Qualität und die persönliche Betreuung und gerne das vegetarische Kichererbsen-Mandel-Tomaten-Curry. Das breite Angebot ist unter www.lieferqueen.de zu finden, dort steht auch, von wem die Speisen kommen, wie man sie zubereitet und ob sie Allergene enthalten. Die Bestellung wird via Paypal oder Kreditkarte bezahlt und am gewünschten Ort abgestellt, um unnötige Kontakte zu vermeiden.

Kunden wie Sophie Mahé bestellen für ihre Familien und Freunde in der Nähe gemeinsam, das spart Versandkosten. "Es ist eine Win-win-Situation: Wir unterstützen Köche, die aufgrund der Krise kaum Arbeit haben, und wir bekommen frische hochwertige Gerichte, die das Leben im Home-Office und Homeschooling vereinfachen", sagt Mahé. Sie schätzt auch, dass Karin Christ immer wieder Neues ausprobiert und Ungewöhnliches bietet wie Schoko-Rote-Beete-Kuchen oder gar Currywurst im Glas. Auch das sind handwerklich gekochte, regionale Lieblingsgerichte, ohne Zusätze, die das Testessen bei Christs Freunden und ihrer Tochter überstanden haben. Was nicht schmeckt, kommt raus – da ist Karin Christ streng.