Der sehr gute Kaffee im Pinguini lässt sich auch mitnehmen, im Recup- oder in einem mitgebrachten Becher vorzugsweise, genau wie die kleinen Speisen. (Foto: Alessandra Schellnegger)

Münchens kleinste Cafébar

Hinter dem städtischen Hochhaus, unter steinernen Arcaden versteckt, wird italienische Kaffeekultur auf kleinstem Raum zelebriert. Fast ist es schade, überhaupt zu verraten, dass es diesen Ort gibt.

Natürlich, Superlative ziehen immer. Oder, in diesem Fall, Diminutive. Niemand hat nachgemessen, ob das kleine Café am Unteren Anger wirklich das kleinste der Stadt ist. Aber mit den paar winzigen Hockern innen und den vier Tischen unter den Arcaden ist es zumindest ein heißer Anwärter. Es schmiegt sich in die Ziegelsteinmauer des städtischen Hochhauses, als wäre es schon beim Bau in den Dreißigerjahren eingeplant gewesen.

Neben dem kleinen Gastraum gibt es sogar eine Auslassung in der Mauer, in die genau der Getränkekühlschrank passt. So alt wie das Hochhaus ist das Café aber freilich nicht. Ein paar Jahre lang wurde hier in der “Cafféfee” Espresso und Cappuccino serviert, dann, nach einer kurzen Pause, seit diesem Frühjahr wieder. Erst einmal unter dem schlichten Claim “Münchens kleinste Cafébar”, jetzt wird das Kleinod “Pinguini” getauft.

Neben Bezeichnungen wie “kleinste”, größte”, “beste”, “schönste”, ist auch “Geheimtipp” eine sehr ausgelutschte, aber hier passt sie einfach zu gut. Fast ist es schade, überhaupt zu verraten, dass es diesen Ort gibt. Er ist doch so klein, zu viele Besucher verträgt er gar nicht. Der sehr gute Kaffee lässt sich aber auch mitnehmen, im Recup- oder in einem mitgebrachten Becher vorzugsweise, genau wie die kleinen Speisen.

Glück hat, wer jetzt im Sommer einen Platz unter den schattigen, steinernen Bögen ergattert. Stünde dort nicht das Schild “Hallo, Münchens kleinste Cafébar, 8 – 18 Uhr”, man würde das Café allzu leicht übersehen. Trotz der frischen Schnittblumen, die vor dem Eingang stehen, und den kleinen Kakteen auf den niedrigen Tischen.

Was gibt es im Pinguini und was kostet das?

Innen gibt es erstaunlich viel Platz, vor allem für die italienischen Köstlichkeiten: eine Glasglocke voller Florentiner, eine Vitrine voller Panini, Focaccia und belegten Brezn. Irgendwo steht auch ein hausgemachter Kuchen und draußen im Kühlschrank sind Acai-Bowls und veganes Birchermüsli oder Overnight Oats mit Granatapfel und Dinkelflocken-Knuspertopping – was die Betreiberinnen eben so vorbereitet haben für den Tag.

Am Wochenende ist das kleine Café leider geschlossen. Aber falls unter der Woche einmal Zeit dafür ist, lässt es sich hier wunderbar frühstücken. Der Kaffee gelingt ihnen hervorragend, Espresso gibt es für 1,80 Euro, Cappuccino für 2,80 Euro, serviert mit einem Glas Leitungswasser. Wer es gern leicht, gesund und vegan hat, greift zu einem der Becher im Kühlschrank, mit Beeren-Frucht-Püree-Joghurt-Kokos-Nüssen-Knuspertopping-Zeug à vier Euro. Ansonsten findet jeder etwas Ansprechendes in der Vitrine, zum Beispiel ein Sesam-Panino mit gegrillter Aubergine, Feta, Tomate und Rucola, das vor dem Servieren noch kurz auf den Grill gelegt wird (3,60 Euro).

Wer geht da hin?

Viele Menschen, die in der Umgebung arbeiten, versorgen sich hier mit Kaffee oder einem Snack für zwischendurch. Wer kann, bleibt sitzen und genießt – noch so ein arg überstrapazierter Begriff, das italienische Urlaubsgefühl, das sich unter den beinahe neapolitanisch anmutenden Arcaden in der ruhigen Straße auszudehnen scheint.

Im Herzen der Altstadt und doch abseits des Trubels. Viele kommen regelmäßig ins Pinguini, alle werden gleichermaßen freundlich behandelt. Das Kleinod in der Backsteinmauer zieht ganz unterschiedliche Leute an. Aber nie zu viele auf einmal. Sie scheint wirklich ein Geheimtipp zu sein, diese kleinste Cafébar Münchens.