Ordentlich Holz in der Neo-Brasserie

Das Lokal “Hoiz” überzeugt damit, dass der Name originell umgesetzt wird – und noch mehr mit einfachen Gerichten aus dem Mittelmeerraum bis zu den Alpen.

Macht einen ja erst einmal skeptisch, wenn sich der Laden “Neo-Brasserie” nennt. Als ob “Hoiz”, also Bairisch für “Holz”, nicht originell genug wäre für einen Restaurantnamen. Da hätte man mit einiger Konsequenz auch den Begriff “Neoboazn” wählen können: Denn was der Franzose mit “Neo-Brasserie” verbindet, das ist eine Neuinterpretation von klassischen französischen Gerichten der bürgerlichen Bistro-Küche.

Die aber findet man im Hoiz eher nicht. Hier hat man es zu tun mit bekannten, vermeintlich einfachen Gerichten aus dem Mittelmeerraum bis hin zu den Alpen, die es in sich haben und die stark auf ein einzelnes Produkt hin fokussiert sind.

Das ist ein schönes Konzept und entspricht ein bisschen dem, was die beiden Betreiber Bastian Hartwig und Christoph Friedrich in ihrem anderen Lokal, dem Kleinschmecker am Sebastiansplatz, auch schon verfolgen. Im Hoiz gefallen viele Dinge. Es fängt an mit der kleinen, übersichtlichen Karte, die trotzdem für jeden etwas bietet. Präsentiert wird sie in einem sichtlich antiquarisch erstandenen Buch im Kleinoktavformat, gewissermaßen ein Produkt der holzverarbeitenden Industrie (letztlich sind Zeitungskritiken ja auch nichts anderes, übrigens).

Und die meisten Gerichte werden auf einem Holzteller serviert. Man hat sich also was gedacht, das hat man ja nicht in jedem Restaurant, und so ein kleiner ironischer Schlenker macht dann doch Spaß. Überhaupt wird im Hoiz gern zitiert und angespielt auf verschiedene Küchentraditionen. Ebenso wie bei der Innenausstattung, die – selbstverständlich – sehr viel Holz enthält und ein Konglomerat aus den Vorgängerlokalen Alpenraum und Last Supper sowie karibischen Bars und alten Segelschiffen sein könnte.

Doch nun zum Eigentlichen. Vorneweg gibt es eine Vor-Vorspeise, etwa einen Schinkenteller, bestückt mit Bayonneschinken und toskanischer Pancetta Rigatino (9,50 Euro), einen Elsässer Flammkuchen (9,50) oder – momentan very trendy- eine Büchse Jahrgangssardinen von 2015 mit Salzbutter und Sauerteigbrot (14,50). Die stammen zwar aus nachhaltiger Fischerei und von der baskischen Firma Ortiz, es gibt sie aber auch beim Edeka, und warum man für sie als Menübestandteil noch einmal happige vier Euro drauflegen muss, erschließt sich auch dem willigen Gast nicht so einfach.

Die Gerichte sind ihren Preis wert

Damit sei genug am Preis herumgenörgelt – auch wenn man beim Wein durchaus kräftig hinlangt und man sich da schon überlegt, ob eine zweite Flasche noch drin ist. Die Qualität des Gebotenen im Hoiz ist es nämlich wert, und die kleinen Überraschungen in nahezu jedem Gang sind es auch. Etwa beim asiatischen “Crispy Duck Salad” (14,50), der so viel Grünes enthält wie ein gestandener bayerischer Wurstsalat, dafür aber knusprig gebratene Entenbrust mit einer feinen Togarashi-Mayonnaise. Die apulische Burratina mit Weinbergpfirsich und Pinienkern-Pesto (13,50) überzeugte die Wagemutigeren ebenso wie den Traditionalisten das Tatar vom selbstverständlich bayerischen Weideochsen, serviert mit Schalotten-Crème Fraîche (14,50).

Der Weideochse fand sich dann in Gestalt eines Entrecôtes bei den Hauptspeisen wieder (25,50), dazu gab’s Fritten mit Sauce Béarnaise und Trüffelbutter, was dieses einfache Gericht doch sehr veredelte. Hätte es nicht unbedingt gebraucht; der Star ist hier das Steak, weil das Fleisch tatsächlich von hoher Qualität war und die feinen Fettadern auf der Zunge schmolzen, wie es sein soll. Das andere Fleischgericht, die Spare Ribs vom Thüringer Duroc-Schwein (18,50), fiel dagegen ab und war leider etwas langweilig und trocken, trotz Bourbon-Marinade und Süßkartoffelfritten.

Sehr schön geriet auch alles, was aus dem Wasser kam. Der Schwertfisch vom Grill (21,50), in jedem Restaurant ein Gradmesser für die Sorgfalt beim Einkauf und die Seriosität des Lieferanten, war vorzüglich und harmonierte gut mit den marinierten Tomaten und der Kapern-Salzzitronen-Vinaigrette. Die Black Tiger Gambas (25,50) waren herrlich zart, die zitronige Aioli passte prächtig dazu, nur die Pimientos de Padron, die grüne Bratpaprika, war etwas fade. Brot, um das heiße Olivenöl mitsamt den knusprigen Knoblauchscheiben aus der gusseisernen Pfanne aufzusaugen, gab es leider erst auf Nachfrage, sonst wäre auch noch der Service perfekt gewesen. Der ist erfreulicherweise sehr freundlich, nicht unterwürfig, und lässig, aber nicht nachlässig.

Beim Wein kann man nicht viel falsch machen

Bleiben noch die Desserts und die Weinauswahl zu loben. Wer gerne Kalorien zählt, kommt mit dem Melonen-Fizz mit Limonen-Basilikum-Sorbet (8,00) so einigermaßen durch, sollte sich aber fragen, ob Dessert wirklich das Richtige für ihn ist. Allen anderen sei die wahrhaft göttliche Schokoladen-Salz-Karamell-Tarte (8,00) oder die Haselnussmeringue mit Erdbeersorbet und Vanillerahm (8,00) empfohlen.

Beim Wein kann man im Hoiz nicht viel falsch machen, er kommt meist aus Franken, der Pfalz oder aus Frankreich. Wir waren mit dem 2015-er Weißburgunder “Sommeracher Katzenkopf” vom Weingut Max Müller I (49,00) recht glücklich. Mit diesem Begriff sind unsere Ausflüge ins Hoiz übrigens auch überhaupt gut zusammengefasst.