Orient am St.-Jakobs-Platz

So frisch und würzig wie auf dem Mahane Yehuda Markt in Jerusalem sind die koscheren Speisen im “Einstein” zwar nicht: Doch liegt ein Hauch von Orient in der Luft.

Dass eine Münchner Lokalität solche Türen braucht, ist betrüblich und gibt zu denken über die angespannten Zeiten, in denen wir offenbar leben. Na, immerhin sind sie architektonisch gelungen, die riesigen Panzerglaspforten, die den Zugang zum jüdischen Gemeindezentrum am St.-Jakobs-Platz sowie zum koscheren Restaurant Einstein bilden.

Und anders, als man es von amerikanischen Flughäfen hört, ist die Sicherheitskontrolle hier kein bisschen erniedrigend. Sie besteht aus einem höflichen Pförtner, der sich erkundigt, ob man eine Reservierung habe. Keine? Auch gut, einfach im Foyer links rum.

Der Gastraum des Einstein ist einladend hell, dominiert von klarem Design mit hellem Holz, riesigen ebenerdigen Fenstern und überaus großzügigen, die Privatsphäre garantierenden Tischabständen. Hier also wird “koscher” gekocht. Um diese aus dem jüdischen Glauben tradierte Küchenkultur vollends zu durchdringen, braucht es wahrscheinlich ein Thora-Studium.

Koscher lässt sich etwa mit “rein” oder “erlaubt” übersetzen. Zu den Grundregeln jüdischer Küche gehört es, Milchprodukte und Fleischgerichte sorgfältig zu trennen. Manche koschere Restaurants betreiben aus diesem Grund zwei separate Küchen. Im Einstein wird Milch, Sahne und Käse einfach weggelassen.

Dank des Küchenchefs ist das jedoch keine schmerzliche Einschränkung. Wir vermissten nichts, Saucen und Dips waren geschmackvoll und cremig, und wer braucht schon Käse nach solch üppigen Vor- und Hauptgerichten. Allerdings machten uns die genossenen Speisen unterschiedlich viel Freude, was nicht an den Geboten koscheren Kochens lag.

Zu empfehlen sind die Vorspeisen, die als kleiner oder großer Teller zu acht beziehungsweise 14 Euro angeboten werden. Ein Satz Schälchen mit Falafel, Auberginencreme, Eiersalat und einer außerordentlich gelungenen Tomatenkonfitüre sowie der obligaten Kichererbsenpaste ließ sofort orientalisches Flair aufkommen.

Wenig spektakulär war das Tabouleh, leider, schließlich lässt sich kaum ein Gericht leichter mit ein paar Kräutern beleben als der im gesamten Orient beliebte Hirsesalat. Die Falafel, frittierte Bällchen aus Bohnen, Kichererbsen und Kräutern, waren im Einstein solide.

Lob den Nachspeisen!

Natürlich darf man sie nicht vergleichen mit den frisch aus heißem Öl geangelten Köstlichkeiten, die man auf dem Mahane Yehuda Markt in Jerusalem für ein paar Schekel auf die Hand bekommt. Ausgesprochen gelungen war übrigens das Brot – so banal es klingen mag, so wertvoll ist eine gute Pitah für einen koscheren Snack.

Auch die vegetarischen Gerichte verdienen Lob, wir probierten Zigarim und Kibbeh, beides mit einem auf Sesam basierenden Thina-Dip (je acht Euro). Erstere sind schmale, krosse Teigröllchen, gefüllt mit deftiger Gemüsepaste. Das Geheimnis der Kibbeh genannten frittierten Klößchen besteht in einer mandelhaltigen Bulgur-Hülle und einem ansprechend deftigen Innenleben aus Gemüse.

Weniger Glück hatten wir mit einigen Hauptgerichten. Die verdörrten Bestandteile eines Fischtellers (16 Euro) hatten jeglichen Meerestier-Geschmack durch übereifriges Garen verloren – was sicherlich nicht mit dem Mandat des koscheren Kochens zu rechtfertigen ist. Ein Bett aus üppigem Safran-Gemüse machte die Sache nicht besser.

Nachdem auch ein zäher Rinderschmorbraten allenfalls als solide zu werten war, waren wir geneigt, die Qualitäten des Einstein auf Vorspeisen und Vegetarisches zu reduzieren. Doch dann kam uns noch eine ausgesprochen zarte, mit intensiver Rotweinsauce servierte Entenbrust (18 Euro) unter.

Nennen wir die Qualität der Hauptspeisen also: wechselhaft. Manche Enttäuschung ließ sich übrigens dank der Nachspeisen wettmachen. Hervorzuheben ist ein gehaltvolles Sorbet aus Waldbeeren.

Unter den ausnahmslos israelischen Weinen sind die Roten eindeutig empfehlenswerter als die Weißen, insbesondere ein Cuvée aus Cabernet Sauvignon- und Syrah-Traube für 7,50 Euro das Glas. Soll es Weißwein sein, dann unbedingt den fruchtig leichten Sauvignon Blanc von Recanati, ebenfalls für 7,50 das Glas.

Ein 50 Cent günstigeres Getränk der gleichen Traube, offenbar aus der Umgebung des Carmel-Berges, empfanden wir als echte Strapaze. Insgesamt werden sich Vegetarier im Einstein deutlich wohler fühlen als Freunde üppiger Grillteller. Aber ein Hauch Orient im winterlichen München ist an sich schon viel wert.

Restaurant Einstein, St.-Jakobs-Platz 18, Telefon 20 24 00 333, www.einstein-restaurant.de, Sonntag bis Donnerstag 12 bis 15 und 18 bis 24 Uhr, Freitag 11.30 Uhr bis 15 Uhr, Samstag geschlossen