Rettung für Schlemmermeyer

Zwei Düsseldorfer übernehmen das Münchner Unternehmen nach seiner Insolvenz. Sie wollen neu durchstarten, mit Themen wie Nachhaltigkeit und Regionalität – und einem eigenen Grillkonzept.

Schlemmermeyer ist gerettet. Das Münchner Feinkostunternehmen, das im Juni Insolvenz anmelden musste, hat einen neuen Eigentümer: die Düsseldorfer Projektentwickler Jörg Lindner und Kai Richter haben den Delikatessenanbieter mit ihrer Investmentgesellschaft 12.18. – benannt nach der Stellung der Anfangsbuchstaben ihrer Nachnamen im Alphabet – übernommen. Am Freitag stimmte der Gläubigerausschuss der Übernahme zu. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Seit Juni ist die Zahl der deutschen Schlemmermeyer-Filialen von 55 auf 16 geschrumpft, von früher 255 Mitarbeitern sind noch 157 übrig. Die neuen Eigentümer haben Großes vor; sie wollen die Marke neu positionieren und die Themen Nachhaltigkeit und Regionalität betonen. “Schlemmermeyer steht immer noch für beste Qualität”, sagt Kai Richter, “daran hat auch die Insolvenz nichts geändert.” Zu 12.18. gehört auch eine eigene Hotelgruppe mit rund einer halben Million Übernachtungen und 37 eigenen Restaurants und Bars weltweit, außerdem kooperiert man auch mit der Kempinski-Gruppe. Sowohl in der eigenen Hotellerie als auch bei Kempinski will man Schlemmermeyer etablieren. Als dritte Säule wollen Richter und Lindner das Grillkonzept der Kette ausbauen, hier sehen sie noch großes Potenzial.

Auf gediegene Einzelhandelstradition setzte die Marke bislang. Das Firmensignet besteht aus dem stilisierten Porträt eines Mannes mit Stehkragen, Fliege und etwas altertümlichem Schnauzer. Doch was von der ganzen Aufmachung her aussieht wie ein Münchner Traditionsunternehmen, ist in Wirklichkeit erst 45 Jahre alt. Erfunden hat den Schlemmermeyer – eine Münchner Familie gleichen Namens hat es nie gegeben – obendrein ein Freiburger namens Peter Krüger. Der war als junger Mann nach Kanada ausgewandert und hatte nach seiner Rückkehr die kleine Firma seines Schwiegervaters zum Weltmarktführer für Korrosionsschutz gemacht.

Bei einem Besuch auf dem Münchner Viktualienmarkt kam ihm dann die Idee, eine Feinkostkette mit Wurst-, Schinken- und Käsespezialitäten aufzubauen. Er verkaufte die geerbte Firma und setzte seine Idee um. Die schlug schnell ein. Krüger eröffnete Filialen in ganz Deutschland, stets in besten Innenstadtlagen oder in großen Shopping-Centern. Zum Konzept gehörte es, die jeweils besten Sorten einer Region anzubieten: französische Pasteten, Salami und Schinken aus Italien und Frankreich, bayerische Klassiker wie Weißwurst und Leberkäse, außerdem Antipasti, Wein, Desserts und Käse. Als die Kette in ganz Deutschland 35 Filialen hatte, verkaufte er sie an die Investmentgesellschaft Hirsch, die ihren Sitz in Düsseldorf hat.

Hirsch baute das Unternehmen zwar auf insgesamt 55 Filialen aus, dann aber ging es bergab. “Warum, das können wir auch nur vermuten”, sagt Jörg Lindner, “man hat sich wohl nicht für die Zukunft fit gemacht.” Anfang Juni dieses Jahres musste die Kette Insolvenz anmelden. Die Insolvenzverwalter setzten auf eine “Insolvenz in Eigenverwaltung”, die bisherige Geschäftsleitung blieb im Amt. Und sie suchten nach neuen Investoren.

Die fanden sich nun in Gestalt von Jörg Lindner und Kai Richter. Ihre Firma 12.18. hat ihren Sitz ebenfalls in Düsseldorf, ist international tätig, vor allem im hochwertigen Touristikbereich, und besitzt aktuell 32 Objekte mit einem Investitionsvolumen von rund 280 Millionen Euro, darunter auch zwei Luxusresorts an der Costa Smeralda und auf Ibiza. Zuletzt beteiligten sie sich an der Firma Gastro & System des Münchner Gastro-Unternehmers Marc Uebelherr, die unter anderem die Kette Oh Julia betreibt und an den Restaurants Oskar Maria im Literaturhaus sowie Koi und Rocca Riviera am Wittelsbacherplatz beteiligt ist. Uebelherrs Firma wird auch bei der Schlemmermeyer-Grill-Gastronomie eingebunden sein und beraten.